Bühne Oida!

Bücher? Bücher! Wir lesen und schreiben…

In der Zeit des zweiten Lockdowns erzählen Jugendliche vom Verein T.I.W. von Büchern, die sie gerne lesen würden oder schon gelesen haben. Einige schreiben auch selbst. Rumeysa liest aus ihrem Lieblingsbuch eine zufällig ausgewählte Stelle vor, die sie auch auf Deutsch übersetzt. Jemil wünscht sich eine Gesellschaft, in der man zusammenhält, Marcel eine Welt, in der alles möglich ist, und Rama und Rahaf würden gerne einmal ein Buch gemeinsam mit anderen lesen und dann darüber sprechen. Spogmai liest viel und nützt das Schreiben, um wieder froh zu werden.

Rumeysa liest eine Stelle aus dem Buch „Korkma Kalbim“ von Ahmet Batman.
„Korkma Kalbim“ bedeutet: „Hab keine Angst, mein Herz!“ Das Buch ist eher traurig und romantisch. Glücklich gibt es auch dazwischen. Ich habe das Buch letztes Jahr gelesen. Ich lese aber auch heute noch immer wieder einmal darin. Wenn ich in meinen Gefühlen sein will, alleine, dann lese ich eher Bücher.

Türkisch:
Pek anlatılacak bir tarafı yok hayatımın. Yaşadım, yaşıyorum, belki biraz daha yaşayacağım fazlası değil.

Deutsch:
Über mein Leben gibt es nicht viel zu erzählen.

Ich habe gelebt, ich lebe, vielleicht lebe ich noch ein bisschen, das war‘s.
Es gibt viele Stellen in diesem Buch, die mir sehr gefallen. Der Autor ist eher dramatisch, ein bisschen depressiv und schreibt mit viel Gefühl. Das merkt man, wenn man es liest.
Ich habe das Buch gern gelesen, man fühlt alles voll mit. Wenn ich etwas lese und nichts fühle, gefällt mir das nicht, weil es mir vorkommt, als ob ich es umsonst gelesen hätte. Aber wenn ich was fühle, dann gefällt mir das Buch. Ich mag eher solche Bücher: Bücher mit tiefen Gefühlen. Ich kenn eigentlich gar keine lustigen Bücher. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich wegen einem Buch laut lache.
Ich würde dieses Buch den Jugendlichen empfehlen, die neu angefangen haben, sich zu verlieben. Oder auch den Jugendlichen, die keinen Glauben mehr an die Liebe haben.
Es gibt viele Stellen in diesem Buch, die ich vorlesen könnte, viele schöne Sprüche. Die Stelle, die ich vorlese und die auch hier steht, habe ich eigentlich zufällig ausgesucht. Ich wusste nicht, welche Stelle ich nehmen sollte, weil alle so schön sind.
Autorin: Rumeysa

Bühne oida bücher bücher wir lesen und schreiben

Foto: Rumeysa

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Foto: Rumeysa

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Foto: Rumeysa

Foto: Rumeysa

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Foto: Rumeysa

Foto: Rumeysa

„Dass man zusammenhält …“
Bücher sind wichtig, aber ich schreibe selber. Über meine Ziele. Es hilft. Es ist gut, dass du über deine Zukunft nachdenkst und schreibst, was du gerade jetzt denkst, was gerade wichtig ist, eine Idee, etwas Neues. Wenn du zum Beispiel jemanden kennenlernst, schreibst du seinen Namen auf und ein Ziel für die Gemeinschaft. Manche Leute denken nur an sich selber. Mir ist wichtig, dass man an der Gemeinschaft arbeitet und dass man sich gegenseitig kennt. Dass man zusammenhält wie Bruder und Schwester, nicht wie ein Bürger und ein anderer. Ein alter Mann hat mir erzählt, dass es früher anders war. Man hat sich geholfen, man hat sich zusammengesetzt als Nachbarn, man hat eine gute Zeit miteinander verbracht.
Irgendwann kommt der Tag, dass es immer so ist, dass man sich brüderlich und schwesterlich helfen kann, dass man zusammenhält. Nicht nur in Wien, sondern auf der ganzen Welt.
Heute streiten sich viele Leute wie Hund und Katze. Ich will, dass es anders wird und ich möchte was dafür tun.
Autor: Jemil

„Das Papier hört alles, aber sagt gar nichts zurück.“
Ich habe viele Bücher zum Lesen. Bücher auf Deutsch und in meiner Muttersprache Paschtu. Auf Deutsch habe ich Harry Potter gelesen, und zwar vier Bücher. Da geht es um Zauberei, solche Bücher gefallen mir am besten.
Aber ich schreibe auch sehr gern. Vor allem dann, wenn es mir nicht so gut geht. Wenn ich traurig bin oder wütend. Schreiben tut mir gut. Das Papier hat gar nichts dagegen, egal, was du sagst, egal, was du machst. Das Papier hört alles, aber sagt gar nichts zurück. Am Ende werfe ich es dann weg. Wenn ich alles aufschreibe, am Ende denke ich, okay, jetzt geht es dir wieder gut, jetzt brauchst du es nicht mehr, wirf es weg!
Ich schreibe auch, damit viele Wörter auf Deutsch auch in meinem Kopf bleiben, damit ich mir die Wörter merke
Du kannst auch schreiben, deine Gedanken aufschreiben. Da kannst du ruhig werden und auch froh werden. Zuerst sind viele Gedanken im Kopf, zu viele Gedanken. Das Schreiben hilft dabei, dass man dann nur mehr an eine Sache denkt. Die anderen Gedanken, der Stress ist dann weg. Auch die traurigen Gedanken sind dann nicht mehr in deinem Kopf.
Autorin: Spogmai

Eine Welt, in der alles möglich ist
In der Schule habe ich Bücher gelesen, aber danach nicht mehr. Ich schaue mir viel lieber Filme an, spiele Videospiele und schaue auf YouTube Sachen an, die für mich interessant sind.
Das Buch, das ich in der Schule gelesen habe, hat mir einigermaßen gefallen, aber ich weiß nicht mehr, wie es geheißen hat und ich kann mich nicht mehr gut daran erinnern. Das ist schon ein paar Jahre her.
Ein Buch, das mich interessiert, müsste spannend sein und gleich zum Punkt kommen, nicht zehntausend Nebensätze. Es müsste ein Buch sein, das nicht um den heißen Brei herumredet. Und es müsste mich überraschen. Für mich interessant wäre eine Geschichte, die in der Zukunft spielt, in einer Welt, wo alles möglich ist.
Das Buch sollte gruselig sein mit ein paar Szenen, in denen es blutig zugeht.
Es sollte ein Buch sein, das nur so groß ist, dass ich es in den Rucksack stecken kann, dass ich es überall hin mitnehmen kann. Es sollte nicht so viele Seiten haben, die Schrift sollte nicht zu klein sein, Fotos oder Bilder sind nicht so wichtig.
Das Cover sollte auffällig sein, aber auch wieder nicht zu auffällig. Es sollte halt schön aussehen, aber auch etwas mit der Story darin zu tun haben. Wenn es in der Geschichte um Zombies geht, dass man dann zum Beispiel ein Gehirn auf einem Teller sieht und drunter steht „Mahlzeit“. Das fände ich lustig.
Autor: Marcel

Wir würden schon gerne einmal ein Buch lesen. Dieses Buch soll Schrift haben und Bilder, Fotos. Es soll ein dünnes Buch sein. Es soll lustig sein. Es soll eine Geschichte von einem Mädchen sein, weil wir auch Mädchen sind. Wir können die Geschichte dann gut verstehen.
Dieses Buch sollten alle anderen Mädchen aus der Gruppe lesen und danach erklären. Es kann Arabisch sein, es kann auch Deutsch sein. Weil wir wollen Neues lernen.
Autorinnen: Rahaf und Rama