Heimat Österreich

Bergleben im Vinschgau

Die Dokumentation führt nach Südtirol in den Vinschgau und ins Ridnauntal. Der Film von Alfred Ninaus und Fritz Aigner portraitiert Menschen in Graun, St. Martin am Kofel und Ratschings, die den Herausforderungen des bergbäuerlichen Lebens mit Eifer und Genügsamkeit begegnen.

Heimat Österreich: Bergleben im Vinschgau

Dokumentation, 2020

Mittwoch, 18.11.2020, 20.15 Uhr
Wh. Do 03.10 Uhr, Sa 18.35 Uhr,
So 08.50 Uhr

Das Leben in den Bergdörfern der Gemeinde Graun im Vinschger Oberland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten spürbar gewandelt. Man hat sich dem Tourismus zugewandt, und doch prägt die Arbeit der Bergbauern die Atmosphäre in der Region. Hier lebt Altbauer Ludwig Wilhalm, der ein Buch über sein Leben als Bergbauer geschrieben hat. Darin verarbeitet er seine Kindheit, in der er am elterlichen Klopairhof stets mitanpacken musste. Längst hat sein Sohn Hubert die Landwirtschaft übernommen. Er führt sie im Nebenerwerb und arbeitet als Zimmermann in der Schweiz, 20 Kilometer von Graun entfernt. Anders wäre der Erhalt des Hofes nicht möglich.

Bergleben im Vinschgau

ORF/Ranfilm

Langtauferer Tal Graun

Im entlegenen Langtauferer Tal lebt und wirtschaftet am Gruberhof auf rd. 1.800 Metern Höhe die Familie Patscheider. Während Altbauer Kassl seinen wohlverdienten Ruhestand genießt, ist Siegfried Patscheider in den Sommermonaten regelmäßig beim Vieh auf der Gemeinschaftsalm hoch über dem Tal, die er im Verbund mit anderen Bauern bewirtschaftet. Er sieht den Erhalt der unvergleichlichen Kulturlandschaft als eine der Kernaufgaben seiner bäuerlichen Arbeit. Seine Frau Manuela ist davon überzeugt, dass es in ihrer Verantwortung als Bäuerin liegt, Schulkindern einen achtsamen Umgang mit Nutztieren näher zu bringen und am Hof erlebbar zu machen.

Bergleben im Vinschgau

ORF/Ranfilm

Kinder vom Gruberhof in St. Martin a. Kofel bringen die Milch zur Bergbahn.

Im mittleren Vinschgau liegt auf über 1.700 Metern ein Bergdorf, das wohl einzigartig ist: St. Martin am Kofel. Der stark von Abwanderung betroffene Ort ist zwar bequem aber nur über eine Seilbahn erreichbar. Die Schule für die Kinder der Bergbauern wurde bereits 2005 wegen Schülermangels geschlossen. Die Bauernfamilie Gruber hat nicht vor, von hier wegzugehen. Norbert Gruber fährt täglich mit der Seilbahn ins Tal hinunter, um seinem Beruf in der Aufforstung nachzugehen. Wenn er am späten Nachmittag im Sommer nach Hause kommt, wartet noch die Heurarbeit auf ihn. In den extremen Steillagen hier am Sonnenberg ist auch der Arbeitseinsatz der älteren Generation notwendig, um das Heu einzubringen. Die Mutter des jungen Bauern, Margareth Gruber, ist dankbar, dass sie immer noch mitarbeiten kann, auch wenn es ihr mittlerweile alles abverlangt.

Bergleben im Vinschgau

ORF/Ranfilm

Jungbauer Daniel Gruber

Die Bergwiesen von St. Martin am Kofel müssen im Sommer bewässert werden, so trocken ist das Klima auf den südexponierten Hängen. Das gilt auch für die Flächen von Daniel Gruber, einem leidenschaftlichen Ziegenbauern. Wenn auch bei ihm die gesamte Familie mit der spätsommerlichen Heueinbringung beschäftigt ist, ist der Seilzug, den einst sein Vater auf einem Steilhang errichtet hat, unerlässlich für den Transport des Heus. Der Jungbauer hat nie daran gezweifelt, die schweißtreibende Arbeit seiner Eltern fortzuführen.

Vom Vinschgau über den eindrucksvollen Jaufenpass gelangt man ins Ridnauntal. Hier ist die Gemeinde Ratschings. Im Talschluss am Schneeberg hat bis in die 1980er Jahre die Arbeit in einem der einst bedeutendsten Erzbergwerke Europas das Leben der Menschen bestimmt. Der ehemalige Bergmann Heinrich Maurmair bedauert es nicht, dass das harte Schuften der Vergangenheit angehört. Und doch besucht er hier regelmäßig das Landesmuseum für Bergbau, das von der stolzen Geschichte der Knappen erzählt.

Bergleben im Vinschgau

ORF/Ranfilm

Matthias Braunhofer, Heuarbeit ober Ridnauntal.

In der Nähe des Werksgeländes liegt der Bergbauernhof von Sofia Braunhofer. Die Altbäuerin wirft einen kritischen Blick auf die Entwicklung des Tourismus im Ridnauntal. In ihren Augen ist weniger mehr, auch wenn sie selbst in ihrer aktiven Zeit als Bäuerin den notwendigen Zuverdienst der Arbeit in der Tourismusbranche verdankt. Heute führt ihr Sohn Jonas den Hof. Er hat sich auf die Schafzucht spezialisiert. Sein Namensvetter Matthias Braunhofer besucht den Senner auf der Prischer-Alm auf knapp 1.900 Metern Höhe, der sich hier um sein Vieh und die Bewirtschaftung der urigen Hütte kümmert. Im Talboden ist sein Heimathof, der über 300 Jahre alt ist. Der Bauer hat hier Ferienwohnungen eingerichtet. Seiner Meinung nach müssen der Fremdenverkehr und die Bauern, die hier leben, an einem Strang ziehen. Letztere seien es, die dafür sorgen, dass das Land und seine Kultur authentisch bleiben. Und gerade das ist für den Tourismus unverzichtbar.

Dokumentation, 2020


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Der Himmel über dem Villgratental

    Der Film von Alfred Ninaus und Fritz Aigner portraitiert Menschen im Villgratental, Dölsach, Virgen und Prägraten. Sie mahnen die Wertschätzung für die bergbäuerliche Lebenskultur ein.

  • Auf den Gipfeln des Pinzgau

    Alfred Ninaus und Fritz Aigner portraitieren Menschen in Krimml, Stuhlfelden, Dienten, Embach bei Lend und Rauris, die ein bescheidenes Leben führen und auf alpiner Seehöhe das Überschaubare schätzen.

  • Hoch über dem Murtal

    Der Film von Alfred Ninaus und Fritz Aigner portraitiert Menschen in der steirischen Krakau, St. Wolfgang am Zirbitzkogel, Perchau am Sattel, Pusterwald und Hohentauern, die in den abgelegenen Bergdörfern hoch über dem Murtal auf Augenhöhe mit der Natur leben.

  • Bergleben rund um den Großglockner

    Der Film von Alfred Ninaus portraitiert Menschen in Heiligenblut, Bad Bleiberg, Irschen, Mallnitz und Maria Luggau, die die traditionelle bergbäuerliche Lebenskultur erhalten.