Heimat Österreich

Der Himmel über dem Villgratental

Der Film von Alfred Ninaus und Fritz Aigner portraitiert Menschen im Villgratental, Dölsach, Virgen und Prägraten. Sie mahnen die Wertschätzung für die bergbäuerliche Lebenskultur ein.

Heimat Österreich: Der Himmel über dem Villgratental

Dokumentation, 2020

Mittwoch, 11.11.2020, 20.15 Uhr
Wh. Do 05.10 Uhr, Sa 18.35 Uhr

Wie kaum ein anderer Ort ist das Villgratental geprägt von den Bergbauernhöfen, die wie Schwalbennester an den Hängen über dem Tal kleben. Heute ist das Zubrot aus der touristischen Vermietung unerlässlich für die Bauern der Region.

Bergbauer Albin Steidl aus Innervillgraten bewirtschaftet seit den späten 1980er Jahren mit seiner Frau und insgesamt 5 Kindern einen Hof auf rd. 1.300m Höhe. Das Haus ist ein klassischer Erbhof - seit fast 300 Jahren im Familienbesitz. Nur über eine schmale Zufahrtsstraße am Hochberg ist das Anwesen erreichbar. Auf der nahegelegenen, malerischen Oberstsalleralm besitzt Albin Steidl eine Hütte, die er an Urlauber vermietet. Einst wurden die Hütten in dem denkmalgeschützten Almdorf von den Bauern selbst als Unterkunft genutzt, um während der Sommermonate das Vieh hier auf über 1.800 Metern Seehöhe zu versorgen und die Bergwiesen ringsum zu bewirtschaften.

Der Himmel über dem Villgratental

ORF/Ranfilm/richard mayr

Altbauer Steidl, Innervillgraten, Osttirol

Der mittlerweile 85-jährige Johann Perfler aus Außervillgraten verbringt seine Sommer im Volkzein, dem Talschluss des Winkeltales, einem Seitental des Villgratentals. Der Altbauer ist immer noch Bauer mit Leib und Seele, kann die Arbeit einfach nicht lassen, auch wenn sein Sohn Markus mittlerweile die Geschicke des Hofes im Nebenerwerb lenkt. Gemeinsam mit der Familie verbringen die beiden Bauern die Zeit von Mitte Juli bis Mitte August auf der Alm, um die notwendigen Heuarbeiten zu erledigen. Unzählige Fuhren Heu müssen zum Stammhof ins Tal gebracht werden. Eine Milchkuh versorgt in diesen Wochen die ganze Familie. Und alle helfen mit: die Kinder und auch die aus der Steiermark angereiste Schwester von Markus, die hier einen idyllischen Almsommerurlaub mit ihrem Mann und den Kindern verbringt. Da hat auch Johann Perflers Frau alle Hände voll zu tun. Sie steht den ganzen Tag am Holzherd in der Almhütte, um die Großfamilie zu bekochen.

Der Himmel über dem Villgratental

ORF/Ranfilm/richard mayr

Almdorf Oberstalleralm Innervillgraten, Osttirol.

In Dölsach am Fuß der Lienzer Dolomiten lebt die Familie von Simon Pondorfer, die hier einen wahrhaft mustergültigen Biobauernhof führt. Der 23-Jährige ist längst ein abgebrühter Bauer und erstaunlich vielseitig für sein Alter. 2019 hat sein Vater Marzell ihm den Hof übergeben, und er hat sogleich den Rinderstall ausgebaut und das „Gemüsekisterl“ ins Leben gerufen, das er im Dorf selbst zustellt. Überhaupt ist der Abhof-Verkauf und die Direktvermarktung ein wichtiges Standbein. Beim Rindfleisch setzt Simon ganz in der Tradition seines Vaters auf Qualität statt Quantität. Bei einem gerade einmal ein Kilometer entfernten befreundeten Bauern, der einen Schlachtraum sein Eigen nennt, schlachtet er die Tiere, um sie dann mit dem erfahrensten Metzger des Ortes fachkundig zu zerlegen. Sowohl Simon als auch sein Vater Marzell sind Überzeugungstäter im ökologischen Landbau. Sie sind sich ihrer Verantwortung als Bauern für Grund und Boden bewusst. Und sie nehmen sie wahr.

Der Himmel über dem Villgratental

ORF/Ranfilm/richard mayr

Altbauer Johann Perfler in Außervillgraten, Osttirol.

Die 96-jährige Altbäurin Aloisia Oberwalder aus Virgen blickt auf ein bewegtes Leben als neunfache alleinerziehende Mutter und Bergbäuerin zurück. Nach dem frühen Tod ihres Mannes hat sie alleine die Verantwortung für den Hof und die Kinder. Aber auch schon zuvor war ihr Leben hart und kräfteraubend. Bei jeder Schwangerschaft arbeitete sie bis zum letzten Tag auf den Feldern mit - eine Selbstverständlichkeit damals. Ihr Sohn Alois Oberwalder hat den Hof mittlerweile selbst an seinen Sohn Thomas übergeben, und unterstützt ihn tatkräftig. Daneben findet er Zeit für seine Kunst: aus Schadholzstämmen aus dem eigenen Wald fertigt er Skulpturen, die sich zeitgenössischen Themen widmen. Er ist Teil eines Künstlerkollektivs, das im Virgener Talboden an der Isel eine Bildhauerwerkstatt betreibt und sich einen eigenen Skulpturenpark geschaffen hat.

Virgen bietet nicht nur einen guten Boden für moderne Kunst, sondern auch für Obstsorten aller Art. Hier gedeihen Äpfel, Birnen, Marillen - das ermöglicht die einzigartige Lage auf der Sonnenseite des Nationalparks Hohe Tauern. Elke Obkircher vom Binterhof, einem Ende der 1980er stillgelegten Bauernhof, dem sie neues Leben eingehaucht hat, veredelt die Früchte zu Schnäpsen. Anfangs war es noch ein komisches Gefühl als Frau in dieser Männerdomäne zu agieren, mittlerweile sind die Kreationen der Schnapsbrennerin mehrfach preisgekrönt.

Im Talschluss des Virgentals in Prägraten am Großvenediger im Ortsteil Hinterbichl lebt der urige Wirt Ludwig Berger vom traditionsreichen Gasthof Islitzer. Er weiß vom Beginn der Sommerfrische in Prägraten zu erzählen, der wesentlich mit den Wiener Sängerknaben zusammenhängt, die hier bis in die 1960er Jahre regelmäßig ihre Ferien verbracht haben. Ludwig Berger war damals Mesner und hat als solcher den weltberühmten Knabenchor betreut.

Der Himmel über dem Villgratental

ORF/Ranfilm/richard mayr

Bergbauer und Adolf Berger, Dorfer Alm, Prägraten, Osttirol

Auf dem Oberbichlerhof sieht Altbauer Adolf Berger im Sommer regelmäßig nach dem Vieh auf der Dorfer Alm. In der archaischen Almlandschaft fühlt er sich frei und unbeschwert. Das Leben als Bergbauer hat sich spürbar verändert, alles ist bürokratischer geworden, beklagt er. Heute führt sein Sohn Matthias den Hof. Jetzt im Sommer gilt es, die Schäden, die der Schneebruch in seinem Wald angerichtet hat, aufzuarbeiten und wegzuräumen. Im steilen Gelände ein lebensgefährliches Unterfangen, das für Matthias längst Routine ist. Die Arbeit in den Steillagen ist zwar hart, und doch kann er sich nichts anderes vorstellen als Bergbauer zu sein.

Dokumentation, 2020


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Leben im Lesachtal

    Regisseur Martin Vogg trifft jene Bauern, die in dieser bergigen Region die steilen Hänge bewirtschaften und deren Höfe auf eine teils jahrhundertealte Geschichte zurückblicken.

  • Bergleben im Vinschgau

    Die Dokumentation führt nach Südtirol in den Vinschgau und ins Ridnauntal. Der Film von Alfred Ninaus und Fritz Aigner portraitiert Menschen in Graun, St. Martin am Kofel und Ratschings, die den Herausforderungen des bergbäuerlichen Lebens mit Eifer und Genügsamkeit begegnen.

  • Auf den Gipfeln des Pinzgau

    Alfred Ninaus und Fritz Aigner portraitieren Menschen in Krimml, Stuhlfelden, Dienten, Embach bei Lend und Rauris, die ein bescheidenes Leben führen und auf alpiner Seehöhe das Überschaubare schätzen.

  • Hoch über dem Murtal

    Der Film von Alfred Ninaus und Fritz Aigner portraitiert Menschen in der steirischen Krakau, St. Wolfgang am Zirbitzkogel, Perchau am Sattel, Pusterwald und Hohentauern, die in den abgelegenen Bergdörfern hoch über dem Murtal auf Augenhöhe mit der Natur leben.