Themenmontag

Grüne Lügen - Die Tricks mit Greenwashing

Nachhaltig ist „in“ und viele Konzerne versuchen deshalb mit Zertifikaten, das Vertrauen der Menschen in ihre Produkte zu gewinnen. Doch einer genauen Betrachtung halten diese „Gütesiegel“ meist nicht stand.

Themenmontag: Grüne Lügen - Die Tricks mit Greenwashing

Dokumentation, 2020

Montag, 9.11.2020, 20.15 Uhr
Wh. 23.35 Uhr, Di 02.45 Uhr

Konzerne instrumentalisieren längst den Nachhaltigkeitsboom für sich und täuschen mit eigenen Labels ohne Kontrolle faire Produkte vor. Süßwarenmarken behaupten, ihren Kakao aus nachhaltigem Anbau zu beziehen, Nahrungsmittelkonzerne arbeiten mit nachhaltigem Palmöl, Kleidungshersteller preisen eigene Bio-Linien an, die nicht immer einer unabhängigen Kontrolle unterworfen werden. Auch Fisch und Wald sind Gegenstände von Nachhaltigkeitszertifizierungen.

Generell entpuppt sich manches große Grün-Label schlicht als Zusammenschluss der einschlägigen Marktführer. Bei genauer Hinsicht sagen manche dieser Labels nichts anderes, als dass die jeweiligen gesetzlichen Mindeststandards eingehalten werden.

Gütesiegel wollen auch Orientierungshilfe beim täglichen Einkauf sein. Was aber wofür steht, ist für die Konsumentinnen und Konsumenten immer weniger erkennbar.

Grüne Lügen - Die Tricks mit Greenwashing 
 
Originaltitel: Verbraucherschutz: Greenwashing (2/4)

ORF/Langbein & Partner

Wie gut lässt sich die Produktion von Kakao zurückverfolgen?

Josef Zotter, Chocolatier im oststeirischen Riegersburg hat 2018 das Fairtrade Siegel zurückgelegt. Der Grund für seinen Ausstieg aus dem Siegelsystem, das auch bei NGOs als durchaus vertrauenswürdig gilt, ist die Massenbilanzierung. Zugelassen ist diese bei Rohstoffen wie Kakao, Fruchtsaft, Zucker oder Tee. Massenbilanzierung bedeutet, dass eine bestimmte Menge eines fair produzierten Rohstoffs bei der Weiterverarbeitung mit einem Rohstoff vermengt wird, der nicht unter fairen Bedingungen hergestellt wurde. Das bedeutet, dass eine bestimmter Anteil eines fair gehandeltes Rohstoffs bei der Herstellung eines Produkts, etwa Schokolade, zwar verwendet wurde, aber nicht in der angekauften Marge enthalten sein muss. Kauft ein Schokoladenhersteller also 10% fairen Kakao ein, darf er auch 10% der hergestellten Produkte mit dem Fairtrade Siegel ausstatten. Für Zotter ist das Betrug an den Kundinnen und Kunden. Denn diese würden nicht bekommen, was ihnen auf der Verpackung versprochen wird. Außerdem sei die physische Rückverfolgbarkeit der verwendeten Rohstoffe nicht gegeben. Die Bauern Kooperativen blieben so unsichtbar.

Das MSC-Siegel wurde 1997 von Unilever, einem der weltweit größten Verarbeiter von Fisch, und WWF als Initiative für eine verantwortungsvolle Fischerei gegründet. Man findet es auf nahezu allen Produkten, die bei der Herstellung mit Fisch in Berührung kommen: von der Thunfischdose, über Tiefkühlpizzen, bis zum Räucherlachs. Verbraucher sollen, so die Zielsetzung, einerseits mit ökologisch hochwertiger Ware versorgt werden und gleichzeitig die weltweiten Meeresfischbestände für die Zukunft gesichert und nicht gefährdet werden. Aber Berichte von Umweltorganisationen und Meeresbiologen zeigen: die Realität sieht manchmal anders aus. Demnach werden von MSC auch jene Fischereien zertifiziert, die durch ihre Fangmethoden den Tod tausender Schildkröten, Delfine und Haie verursachen.

Grüne Lügen - Die Tricks mit Greenwashing 
 
Originaltitel: Verbraucherschutz: Greenwashing (2/4)

ORF/Langbein & Partner

Zertifizierter Fisch?

Das Palmöl-Zertifikat RSPO (Roundtable of Sustainable Palm Oil) wurde 2011 vom WWF ins Leben gerufen. Es soll die in Kritik geratene Palmöl-Produktion nachhaltiger machen. Der RSPO ist heute im Wesentlichen von der Industrie getragen; zu den Mitgliedern zählen hauptsächlich Bauern, Händler und Produzenten, die mit der Gewinnung und Verarbeitung von Palmöl zu tun haben. Ziel des RSPO ist es, möglichst viele Palmöl-Produzenten zur Einhaltung von festgelegten Mindeststandards zu bewegen und dieses „nachhaltige“ Öl für Kunden zu zertifizieren. Doch die RSPO-Zertifizierung steht vor allem wegen mangelnder Transparenz in der Kritik. Zahlreiche Umwelt- und Tierschutzorganisationen halten die Anforderungen der Zertifizierung für unzureichend. So wird lediglich die Rodung „besonders schützenswerter“ Wälder untersagt. Der Anbau auf torfhaltigen Böden, die trockengelegt werden müssen und somit einen enormen Eingriff in die Natur bedeuten, waren bis vor kurzem erlaubt. Auch hochgiftige Pestizide dürfen nach wie vor eingesetzt werden. Ein häufiger Vorwurf an den RSPO lautet, es handele sich in erster Linie um ein Greenwashing-System, das die wirtschaftlichen Interessen der Palmöl produzierenden Mitglieder bedient. Der RSPO ist kein Öko-Label – darauf weist auch der WWF selbst hin. Die Mitglieder erklären sich lediglich bereit, freiwillig mehr für Naturschutz und Menschenrechte zu tun. Dabei gibt die Organisation aber nur absolute Mindestanforderungen vor.

Grüne Lügen - Die Tricks mit Greenwashing 
 
Originaltitel: Verbraucherschutz: Greenwashing (2/4)

ORF/Langbein & Partner

Lisa Panhuber von Greenpeace kennt die Tücken der Zertifizierungen.

Der Film geht der Frage nach, auf welche Etikettierung sich die Kundinnen und Kunden noch verlassen können, und wo das Greenwashing beginnt.

Regisseur: Florian Kröppel
Dokumentation, 2020


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