zeit.geschichte

Südtirol - Zwischen Bomben und Autonomie

Der Film von Wolfgang Winkler dokumentiert den Prozess gegen 94 Männer des Befreiungsausschuss Südtirol (BAS), die in der sog. Feuernacht von 11. auf 12. Juni 1961 37 Strommasten gesprengt hatten.

zeit.geschichte: Südtirol - Zwischen Bomben und Autonomie

Dokumentation, 2011

Samstag, 10.10.2020, 22.05 Uhr
Wh. Mo 02.35 Uhr

9. Dezember 1963: in Mailand beginnt der erste Südtirol-Prozess gegen 94 Attentäter, die mit der Sprengung von 37 Strommasten auf die Situation in Südtirol aufmerksam machen wollten. Das Medieninteresse ist groß.

Erst einen Monat nach den Bombenanschlägen der Feuernacht wird das erste Mitglied des Befreiungsausschuss Südtirol (BAS), Franz Muther, verhaftet; unter Folter nennt er schließlich Namen. Die folgende Verhaftungswelle erfasst auch Sepp Mitterhofer; er wird schwerst gefoltert und muss fast 8 Jahre im Gefängnis verbringen, so lange, wie kaum ein anderer Freiheitskämpfer. Die anderen Aktivisten, darunter auch Sepp Innerhofer (1928-2019), werden nach ihrer Festnahme ebenfalls schwerstens gefoltert und misshandelt. Sie versuchen die Öffentlichkeit mittels aus dem Gefängnis geschmuggelter Briefe zu informieren.

Südtirol - Zwischen Bomben und Autonomie

ORF/Pammer Film

Sepp Innerhofer, Mitglied des BAS.

Einigen Attentätern ist die Flucht nach Nordtirol gelungen. Von Österreich aus führen sie den Kampf weiter. Auf internationaler Ebene hofft Österreich erneut auf die Hilfe der Vereinten Nationen. In der Generalversammlung der Vereinten Nationen erwirkt Bruno Kreisky nicht zuletzt wegen der Folterungsberichte die zweite Südtirol-Resolution. In Südtirol selbst wird die Behandlung der Gefangenen erst nach dem Tod zweier Häftlinge ein öffentliches Thema. Im Jänner 1963 erhebt schließlich die Oberstaatsanwaltschaft Trient Anklage gegen einige der Folterer. Der Prozess endet mit Freisprüchen und Amnestien. Die Folterer werden in Rom empfangen und ausgezeichnet, einige befördert. Die Urteile gegen die Attentäter im Mailänder Prozess fallen mit größtmöglicher Härte.

Das offizielle Österreich hat ein zwiespältiges Verhältnis zu den Südtirol Aktivisten. Einerseits steht man ihren Zielen mit Sympathie gegenüber, andererseits muss man dem ständigen Vorwurf Italiens, Österreich unterstütze Terroristen, etwas entgegensetzen. Vor allem in Nordtirol mangelt es der Gendarmerie mitunter an Diensteifer, obwohl die Fahndungsplakate mit den Südtirol-Aktivisten auf den Posten evident sind. In Graz werden in drei Prozessen bekannte Aktivisten angeklagt.

Die Situation in Südtirol verschärft sich weiter. Immer wieder werden Sprengstoffanschläge verübt; es kommt auch zu Schusswechseln. Auch in Österreich werden Attentate verübt. Erst 1964 kann man sich auf eine österreichisch-italienische Expertenkommission, die sogenannte 19er-Kommission einigen. Von Ende 1967 bis Herbst 1969 können die Verhandlungen ohne Störfeuer durch Attentate vorangetrieben werden. Mit dem Inkrafttreten des „Zweiten Autonomiestatuts“ im Jahre 1972 beginnt Südtirols Aufbruch in eine bessere Zukunft.

Regisseur: Wolfgang Winkler
Dokumentation, 2011


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