zeit.geschichte „100 Jahre Südtirol“

Silvius Magnago - Der Vater Südtirols

Wolfgang Winkler porträtiert den Obmann der Südtiroler Volkspartei, der am 17. November 1957 auf Schloss Sigmundskron das „Los von Trient“ ausgerufen und damit das Fundament für die heutige Südtirolautonomie gelegt hat.

zeit.geschichte: Silvius Magnago - Der Vater Südtirols

Dokumentation, 2020

Samstag, 10.10.2020, 21.15 Uhr
Wh. Mo 01.45 Uhr

Als der Obmann der Südtiroler Volkspartei Silvius Magnago (gest. 2010) am 17. November 1957 auf einer Großkundgebung auf Schloss Sigmundskron das „Los von Trient“ ausruft, legt er damit das Fundament für die heutige Südtirolautonomie, die vielen europaweit als Modell gilt. Dem Vater dieser Südtirolautonomie widmet ORF III eine neue Dokumentation, die versucht, sich der ungemein vielschichtigen Gestalt Magnagos in all seinen Facetten zu nähern, und gleichzeitig eine Biografie Südtirols ist.

Geboren wird Silvius Magnago am 5. Februar 1914 im altösterreichischen Meran als Sohn eines Oberlandesgerichtsrats und einer aus Vorarlberg stammenden Mutter. Die privilegierte Familie siedelt kurz nach seiner Geburt nach Bozen wo Silvius aufwächst und die Schule besucht. Nach der Matura absolviert er den Militärdienst bei der italienischen Armee und dient als Leutnant im 1. Grenadierregiment in Rom. Gleichzeitig studiert er in Bologna Jura und promoviert 1940 zum Doktor der Rechtswissenschaften.

Silvius Magnago - Der Vater Südtirols

ORF/Pammer Film

Silvius Magnago (1914-2010)

Als die Bevölkerung Südtirols 1939 mit der Option vor die Wahl gestellt wird, entweder in der Heimat bleiben dafür aber italianisiert werden, oder der Heimat den Rücken kehren, dafür aber die eigene Sprache und Kultur behalten, hat Silvius Magnago für Deutschland optiert. Für Deutschland optieren hieß auch für Deutschland einrücken. Magnago wird 1942 zur deutschen Wehrmacht einberufen und kommt als Leutnant der Gebirgsjäger an die Ostfront. Dort wird er bei einem Granatwerferangriff am Dnjepr bei Nikopol schwer verwundet. Er überlebt nur knapp, verliert aber sein linkes Bein. Durch die prägenden Kriegserlebnisse für die Politik motiviert, entscheidet sich Magnago nach Südtirol zurückzukehren und sich dort politisch zu engagieren. Er zieht zusammen mit seiner Frau nach Bozen und tritt dort 1947 bei den ersten Gemeindewahlen für die SVP an. Magnago wird zum Vizebürgermeister von Bozen gewählt. Ein Jahr später schafft er den Sprung in den ersten Südtiroler Landtag und wird dessen Präsident.

Die Kundgebung auf Schloss Sigmundskron im Jahr 1957 ist wohl die Sternstunde des Silvius Magnago. Mit einer brennenden Rede gelingt es ihm die über 35.000 Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Er fordert: „Los von Trient“ und will damit eine eigene, nicht mehr von Trient abhängige Autonomie für Südtirol. In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 hört Silvius Magnago in seiner Wohnung in Bozen die Detonationen der Sprengungen. Am nächsten Tag erst erfährt er, dass der Befreiungsausschuss Südtirol 37 Strommasten gesprengt hat, um die Energieversorgung der Bozner Industriezone lahm zu legen und auf die Situation in Südtirol aufmerksam zu machen. Magnago beteuert immer, nichts von den Anschlägen gewusst zu haben. Dass auf Grund der Anschläge von der italienischen Regierung in Rom die 19er Kommission einberufen wird, die einen entscheidenden Schritt in Richtung Autonomiestatut darstellt, wird er erst spät eingestehen.

Für viele gilt Silvius Magnago heute als Vater des Autonomiepakets. In zahlreichen Verhandlungen und endlosen Treffen kämpft er um jede Fußnote und jeden Beistrich im Paket. Dabei ist das Thema selbst innerhalb der Partei umstritten. Am 22. November 1969 wird schlussendlich innerhalb der SVP über die Annahme des Pakets abgestimmt. Mit einer knappen Mehrheit von 52,9% für das Paket geht die SVP-Landesversammlung als Schicksalstag in die Südtiroler Geschichte ein.

Regisseur: Wolfgang Winkler
Dokumentation, 2020

Silvius Magnago - Der Vater Südtirols

ORF/Pammer Film

Kirche St. Magdalena. Villnöß, 1960


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