Heimat Österreich

Sehnsucht nach dem Dorf - Leben im Voralpenland

Wolfgang Niedermair portraitiert in seiner neuen Dokumentation Dorfgemeinschaften im Voralpenland und anderen niederösterreichischen Regionen, die ihre Traditionen bis heute pflegen.

Heimat Österreich: Sehnsucht nach dem Dorf - Leben im Voralpenland

Dokumentation, 2020

Mittwoch, 7.10.2020, 20.15 Uhr
Wh. Sa 18.35 Uhr, So 13.10 Uhr

Wo bäuerliche Gesellschaften intakt sind, dort wird auch die Dorfgemeinschaft hochgehalten. Insbesondere in jenen Regionen, in denen die Technisierung noch nicht überhandgenommen hat, finden die Menschen noch wie einst zusammen. Die Dokumentation von Wolfgang Niedermair portraitiert verwurzelte Menschen im Voralpenland und in anderen niederösterreichischen Regionen, die Traditionen bis heute pflegen. Dazu gehört auch der Sinn für ein schönes Ortserscheinungsbild, an dem die Bewohnerinnen und Bewohner mit viel Hingabe arbeiten. So werden die Gemeinden zu Sehnsuchtsorten und Möglichkeit zum Rückzug in ein ausgewogenes und naturnahes Leben.

In Rabenstein an der Pielach hat der Gemeinschaftsgeist besondere Tradition. Hier packen alle Bewohner mit an, wenn es etwas zu tun gibt. Sie haben gemeinsam - ohne Bezahlung - ein Gasthaus gebaut und damit der Gemeinde zwei Drittel der Kosten erspart. Jetzt bauen sie für den Arbeiter- und Samariterbund eine neue Rettungsstelle. Das Gebäude ist 36 Meter lang, und auch hier helfen die Rabensteiner mit beim Sparen. Unter ihnen auch der Bürgermeister, der von der Hilfsbereitschaft seiner Bürger begeistert ist.

Sehnsucht nach dem Dorf - Leben im Voralpenland

ORF/Wolfgang Niedermair

Josef Fuxsteiner sen.

Josef Fuxsteiner ist heute 84 Jahre alt. Er lebt in Tradigist, einer Katastralgemeinde, deren eine Hälfte zu Kirchberg an der Pielach gehört, die andere zu Rabenstein. Sein Großvater starb im Ersten, sein Vater im Zweiten Weltkrieg. Er erzählt, wie er sich seinen Stand erkämpft hat, wie er - von vielen belächelt - mit dem Moped und einer Buckelkrax’n, Produkte von seinem Hof verkaufte und damit die Existenz seiner Familie gesichert hat. Den Hof hat er mittlerweile an seinen Sohn übergeben, der den Betrieb mit viel Leidenschaft weiter betreibt.

Sehnsucht nach dem Dorf - Leben im Voralpenland

ORF/Wolfgang Niedermair

Altbürgermeister Anton Gonaus

Anton Gonaus hatte als Bürgermeister von Kirchberg an der Pielach die Idee, den fast vergessenen, für die Region aber typischen Dirndlstrauch, die Kornelkirsche, als Alleinstellungsmerkmal für das Pielachtal zu vermarkten. In Summe beteiligten sich acht Gemeinden mit viel Einsatz, was der Region wirtschaftlich und gesellschaftlich großen Aufschwung verlieh. Heute bekommt man überall in der Region Dirndl-Produkte - vom Saft, über Marmelade bis zum Schnaps. Das Pielachtal wurde als Dirndltal international bekannt und seine Bewohner bekamen als Dirndltaler eine neue Identität.

Ottilie Biermayr stammt aus Ober-Grafendorf. Ihr Vater starb, als sie noch ein Kind war, ihre Mutter verließ sie und die Heimat, als sie erneut heiratete. Die kleine Ottilie wuchs bei ihrer Tante auf und entwickelte sich zum sozialen Gewissen des Pielachtals. Ottilie arbeitete in einer Sonderschule, gründete den Verein „Gelebte Hoffnung“ und ermöglichte eine Tageswerkstätte in Ober-Grafendorf und initiierte ein Wohnheim in Kirchberg an der Pielach.

Sehnsucht nach dem Dorf - Leben im Voralpenland

ORF/Wolfgang Niedermair

Pielachtal

Eine Autostunde weiter im Westen liegt St. Leonhard am Walde, eine Katastralgemeinde von Waidhofen an der Ybbs. Hier leben und arbeiten Maria und Peter Ettel. Sie betreiben ein Gasthaus mit angeschlossener Konditorei. Das Gasthaus war ursprünglich ein „Funktionshaus“, war also weit mehr als eine Gaststätte: einmal in der Woche residierte hier die Raiffeisenkasse. Der Postler hatte einen eigenen Tisch, und auch der Viehhändler und der Baustoffhändler benutzten den Gasthof als Geschäftsstelle.

Die Menschen, die in diesem Film vorgestellt werden, arbeiten alle mit daran, ihre Dörfer und Gemeinden als Sehnsuchtsorte zu erhalten. Unterstützt werden sie dabei zum Teil von der Niederösterreichischen Dorf- und Stadterneuerung. Gegründet wurde die Dorferneuerung in Niederösterreich im Jahr 1985 als Reaktion auf die ökonomischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Jahrzehnte davor. Der technische Fortschritt und der Zusammenschluss vieler Gemeinden führten dazu, dass es immer weniger Arbeit und Gestaltungsmöglichkeiten im eigenen Heimatdorf gab. Mit der Einführung der Dorferneuerung als Institution steht jedem Dorf - und mittlerweile auch jeder Stadt - in Niederösterreich ein Werkzeug zur Verfügung, den eigenen Lebensraum individuell zu verbessern - mit der Hilfe von Experten, umgesetzt von den ortsansässigen Vereinen. Ziel ist es, Menschen aus der Stadt zurückzuholen: der Weg dorthin ist noch ein weiter.

Sehnsucht nach dem Dorf - Leben im Voralpenland

ORF/Wolfgang Niedermair

Rabenstein

Sehnsucht nach dem Dorf - Leben im Voralpenland

ORF/Wolfgang Niedermair

Josef Fuxsteiner jun.

Sehnsucht nach dem Dorf - Leben im Voralpenland

ORF/Wolfgang Niedermair

Rabenstein im Morgennebel

Dokumentation, 2020


Weitere Sendungen dieser Reihe:

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    Der Film von Alfred Ninaus und Fritz Aigner portraitiert Menschen in der steirischen Krakau, St. Wolfgang am Zirbitzkogel, Perchau am Sattel, Pusterwald und Hohentauern, die in den abgelegenen Bergdörfern hoch über dem Murtal auf Augenhöhe mit der Natur leben.

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