Erbe Österreich

Gloriette - Krone Schönbrunns

Mit dem Bau der Gloriette vollendete Kaiserin Maria Theresia das Gesamtkunstwerk Schönbrunn. Der Triumphbogen auf dem Schlosshügel, der als erstes klassizistisches Bauwerk in Österreich gilt, ist zugleich Zeugnis einer bewegten Geschichte und architektonisches Juwel.

Erbe Österreich: Die Gloriette - Krone Schönbrunns

Dokumentation, 2020

Dienstag, 6.10.2020, 20.15 Uhr
Wh. 23.35 Uhr, Do 00.00 Uhr, Sa 05.00 Uhr

Wo die Aussicht am besten ist, lassen sich Stärke und Macht am eindrucksvollsten präsentieren. Kaiserin Maria Theresia, die schon den österreichischen Erbfolgekrieg für sich gewinnen konnte, entscheidet sich nach Ende des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763), ihrer Stärke ein architektonisches Denkmal zu setzen.

gloriette die krone schönbrunns

ORF/D5 Produktion

Gloriette

Die Standortwahl fällt auf den höchsten Punkt der Schönbrunner Schlossanlage. Dort entsteht zwischen 1772 und 1775 die Gloriette: ein über allem schwebender Triumphbogen, gewidmet und prachtvoll ausgestaltet als Kriegerdenkmal der siegreichen habsburgischen Armeen. So ist die Schönbrunner Gloriette, größte und bedeutendste ihrer Art, sowohl ein beeindruckender, gestern wie heute die Menschen anziehender Aussichtspunkt, als auch die optische Krönung des Schlossgartens, und der imposante Abschluss des architektonischen
Lebenswerks der Kaiserin.

Im Wechselspiel zwischen historischem Bild- und Filmmaterial, opulenten Neuaufnahmen und Luftbildern, begleitet von aufschlussreichen und anregenden Schilderungen von Experten, taucht die Dokumentation ein in die bewegte Geschichte der Gloriette von ihrer Entstehung bis in die Gegenwart: eine Geschichte, die zugleich eine Geschichte Österreichs ist.

gloriette krone schönbrunns

ORF/D5 Produktion

Gloriette

Am Anfang steht der Point de Vue. Die Gloriette ist der Hauptblickfang auf der Schönbrunner Hügelkuppe, der mit seinen großen Geh- und Sehachsen nahezu filigran auf dem Schlosshügel zu thronen scheint. Von hier aus hat man eine ausladende Sicht auf Wien und auf die Schlossanlage. Mit der räumlichen Annäherung an den Prachtbau tritt auch seine Widmung als Ruhmestempel zum Vorschein: hier gewaltige Siegestrophäen, dort der bekrönende Reichsadler mit weit ausgebreiteten Schwingen, die gemeinsam den „gerechten Krieg“ bezeugen sollten. In den Kompositionen, geschaffen von den Bildhauern Johann Baptist Hagenauer (1732-1810) und Benedikt Hainziri, treffen römische Rüstungen und Schilder auf Feldzeichen und imposante Löwenfiguren.

Der Film begibt sich auf die Spur des Architekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg (1732-1816), ein Vertreter des Frühklassizismus, der zuvor bereits den Schlossgarten gestaltet hatte und der gleich zu Planungsbeginn ein richtungsweisendes Schreiben der Kaiserin erhält, die für ihre Sparsamkeit bekannt ist und sich gerne mit Bauangelegenheiten beschäftigt. Darin schreibt sie: „Es befindet sich zu Neugebau eine alte Galerie von steinernen Säulen und Gesimsen, welche nichts nutzet.“ Also verfügt die Kaiserin, „solche von dort abbrechen zu lassen und nach Schönbrunn bringen zu lassen“. Durch dieses Schreiben beginnt die Baugeschichte der Gloriette gewissermaßen an einem anderen Ort: bei Schloss Neugebäude in Simmering. Maximilian II. hatte Mitte des 16. Jahrhunderts mit dem Bau des Renaissanceschlosses begonnen, wirklich vollendet wurden seine Pläne nie. Als es rund 200 Jahre später nur mehr als Pulverlager für das Militär diente, verfügte Maria Theresia: die wertvollen Bauteile sollen für den Bau der Gloriette verwendet werden. Galerie, Säulen, Stierköpfe und andere Bauteile wurden in der Folge von Steinmetzen bearbeitet und in den neuen Ruhmestempel integriert. Heute nehmen Restauratoren die Gloriette jährlich unter die Lupe, um mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen, und um das exponierte Bauwerk sorgsam zu reinigen.

Ein wahrhaft großer Schaden entstand am Ende des Zweiten Weltkrieges: ein Bombentreffer im Jahr 1945 zerstörte fast den kompletten Ostflügel. In den folgenden Jahren wurde er wiederhergestellt, die Trümmer allerdings ruhen bis heute wie ein Mahnmal nur wenige Meter neben dem Bauwerk.

gloriette die krone schönbrunns

ORF/D5 Produktion

Anna Mader-Kratky, Kunsthistorikerin

Der rein zu Repräsentationszwecken geplante Prunkbau erhielt bald einen zweiten, profaneren Zweck: Kaiser Franz Joseph ließ im Mittelteil der Gloriette sein Frühstückszimmer einrichten. Dafür wurden die drei mittleren Bögen der Gloriette noch im letzten Lebensjahr Maria Theresias verglast. Bis ins 19. Jahrhundert wurde der verglaste Innenraum als höfisches Speisezimmer benutzt. Doch in den Zwischenkriegsjahren, als nach dem Ende der Monarchie die Schlossanlage in Staatsbesitz überging, wurde die Verglasung entfernt. Freilich blieb die Gloriette eine bauliche Ikone der k.u.k-Geschichte Österreichs, die weiterhin Wiener und Wien-Besucher anzog und auch für Staatsgäste zum repräsentativen Teil eines diplomatischen Wien-Besuchs gehört. Im Zuge einer großen Restaurierung von Schönbrunn wurde die ursprüngliche Fassadenfarbe wieder aufgegriffen – und auch die Verglasung nach historischer Vorlage wieder eingebaut. Seitdem laufen die Dinge bei der Gloriette ein wenig wie schon zu kaiserlichen Zeiten: die Menschen stärken sich unter den imposanten Bögen in höfischem Stil, sie blicken erst zu ihr hinauf, lustwandeln auf die Anhöhe, und folgen den Sichtachsen, die über Schönbrunn hinaus in die Stadt weisen.

Dokumentation, 2020


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