Festivalsommer Neusiedler See

Adagio sostenuto – Presto

1. Satz aus der Kreutzer-Sonate, Ludwig van Beethoven, gespielt von Julian Rachlin und Johannes Piirto.

Alleine, mit schwierigen Doppelgriffen, lässt Beethoven die Violine in seiner 9. Sonate für Klavier und Violine op. 47 anheben, erst danach antwortet das Klavier – und schon in dieser groß angelegten Adagio-Einleitung des ersten Satzes, die dem Presto vorangeht, zeigen sich die widerstreitenden Kräfte der Musik: Dur und Moll, Erregung und Sentiment – und überbordende Virtuosität.

Mit Beethovens 1802/3 komponierter „Kreutzer-Sonate“ brach für die Violinsonate eine neue Epoche an: Gewiss, das Klavier wurde wie üblich immer noch an erster Stelle genannt – aber der Titel der Originalausgabe zeigt unmissverständlich, welche unerhörte neue Rolle der Geige hier zugewiesen wird. Aus dem Italienischen übersetzt, lautet er nämlich: „Sonate für Klavier und obligate Violine, geschrieben in einem äußerst konzertanten Stil, quasi wie ein Konzert.“ Das Streichinstrument ist also nicht mehr bloß die einschmeichelnd klingende Beigabe in einem musikalischen Geschehen, das im Wesentlichen das Klavier alleine tragen könnte, sondern „obligat“, also unverzichtbar. Die besondere Virtuosität, die Hand in Hand damit dem Geiger oder der Geigerin abverlangt wird, hat die Zeitgenossen verwundert, ja verstört: In einer Rezension der Allgemeinen musikalischen Zeitung war 1805 die Rede von einem „seltsamen Werk“, das man wohl nur als Anhänger eines „ästhetischen oder artistischen Terrorismus“ genießen könne. Nach einem Zerwürfnis mit dem ursprünglichen Widmungsträger, dem Violinvirtuosen George Bridgetower, eignete Beethoven das Werk dessen Kollegen Rodolphe Kreutzer zu – doch befand der das Werk, heute ein Prüfstein für alle Großen der Zunft, für unspielbar. Ironie der Geschichte, dass der Name „Kreutzer-Sonate“ geblieben ist.

© Walter Weidringer