zeit.geschichte

Österreich II: Keine Zeit für Südtirol | Sonderfall Österreich

Zwei Folgen der Doku-Reihe von Hugo Portisch und Sepp Riff in überarbeiteter Fassung, beschäftigen sich mit dem Schicksal der Südtiroler seit den Tagen des italienischen Einmarsches 1918 und zeigen, mit welchen Strategien die österreichische Regierung 1947 eine Zweiteilung der Republik verhinderte.

Samstag, 20.6.2020, 20.15 Uhr
Wh. So 09.05 Uhr und 23.25 Uhr,
Mi 02.20 Uhr

Österreich II: Keine Zeit für Südtirol

Doku-Reihe, 1984/2014

1947 scheint die Welt wieder in Ordnung zu kommen: In Paris erhalten jene Staaten, die im Zweiten Weltkrieg an der Seite Hitler-Deutschlands gekämpft haben, Friedensverträge - Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Finnland und Italien. Österreich soll statt eines Friedensvertrages einen Staatsvertrag erhalten. Aber da es von allen vier Mächten besetzt ist, die einander bereits zutiefst misstrauen, bleibt es ein Faustpfand in der Hand der Alliierten. Bei den Pariser Friedensverhandlungen tritt Österreich jedoch mit einer kraftvollen Forderung auf: Italien soll Südtirol an Österreich zurückgeben. Wie nach dem Ersten Weltkrieg entscheiden sich die Siegermächte auch diesmal für Italien und gegen Österreich. Italien verpflichtet sich aber, Südtiroler, die sich für Deutschland entschieden hatten, zurückzunehmen, und sagt den Südtirolern weitgehende Autonomie zu.

Das Problem Südtirol ist damit nicht gelöst und wird noch viele Jahre auf der internationalen Agenda bleiben. „Österreich II“ rekonstruiert das Schicksal der Südtiroler seit den Tagen des italienischen Einmarsches 1918. Eine aufregende, vielen Österreichern und Südtirolern nicht immer bewusste, dramatische Geschichte.

Im Bild: Innsbruck, 24.04.1946: Bundeskanzler Figl und Außenminister Gruber bei einer Großkundgebung für die Einheit Tirols.

ORF/Österreichisches Institut für Zeitgeschichte/Blaha

Innsbruck, 24.04.1946: Bundeskanzler Figl und Außenminister Gruber bei einer Großkundgebung für die Einheit Tirols.

Im Bild: UNRRA-Generaldirektor La Guardia und General Clark bei einem Krisengespräch in Wien, 31.07.1946.

ORF/Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)

UNRRA-Generaldirektor La Guardia und General Clark bei einem Krisengespräch in Wien, 31.07.1946.

Im Bild: Bundeskanzler Figl übernimmt die Mappen mit den 155.000 Unterschriften der Südtiroler.

ORF/historisches Archiv

Bundeskanzler Figl übernimmt die Mappen mit den 155.000 Unterschriften der Südtiroler.

21.55 Uhr
Wh. Mo 01.05 Uhr, Mi 04.00 Uhr,
Do 03.40 Uhr

Österreich II: Sonderfall Österreich

Doku-Reihe, 1984/2014

Das Jahr 1947 stellt Österreich mitten hinein in die Weltpolitik. In Europa senkt sich der Eiserne Vorhang. In Bulgarien, Rumänien und Ungarn ergreifen Kommunisten mit Hilfe der Sowjetarmee und der Geheimpolizei die Macht; in Jugoslawien und Polen regieren sie schon; in der Tschechoslowakei stellen sie den Ministerpräsidenten. Die russische Besatzungszone in Deutschland wird sowjetisiert.

Die große Bruchlinie zwischen Ost und West geht auch mitten durch Österreich, entlang der Demarkationslinie an der Enns, wo amerikanische und sowjetische Truppen einander gegenüberstehen. Die österreichischen Politiker haben sich zu fragen, ob auch dieses Land geteilt würde.

Die Staatspolizei wird auch in Wien von einem Kommunisten geführt. Die kommunistischen Zeitungen fordern für Österreich das gleiche volksdemokratische Regime wie in Ungarn und Jugoslawien. Die Regierung reagiert auf diese Entwicklungen mit einer Doppelstrategie: sie setzt den kommunistischen Chef der Staatspolizei ab und tritt den Besatzungsmächten energisch entgegen. Gleichzeitig bringt die Regierung die wertvollsten Kunstschätze aus den Museen Wiens ins Ausland, wo sie die nächsten acht Jahre eine Odyssee durch Westeuropa bis in die USA und Kanada durchmachen.

In dieser Zeit größter Ungewissheit wird Österreich zum Sonderfall Europas: der Eiserne Vorhang geht hier nicht nieder, und nur hier setzen die vier Siegermächte ihre Zusammenarbeit im Alliierten Rat fort.

Österreich II 
Sonderfall Österreich (18)

ORF/ÖNB

Unterzeichnung des ersten amerikanischen Hilfsabkommens für Österreich am 25. Juni 1947 durch Bundeskanzler Figl und Außenminister Gruber auf der einen Seite und dem neuen amerikanischen Hochkommissar General Keyes auf der anderen Seite.

Österreich II 
Sonderfall Österreich (18)

ORF/Votava

Hungerdemonstration der Wiener Arbeiter.

Österreich II 
Sonderfall Österreich (18)

ORF

In Wien demonstrieren Frauen und Mütter für die Heimkehr der Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion.

Österreich II 
Sonderfall Österreich (18)

ORF/National Archives

Das US-Informationszentrum in Wien. Es dient der Propaganda, bringt aber erstmals und kostenlos die Welt ins Haus.

Moderation: Hugo Portisch


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Österreich II: Jahr der Bewährung

    Zum Jahr der Bewährung für Österreich wird das Jahr 1956. Es ist das erste Jahr der vollkommenen Eigenverantwortung der Österreicher - und es bringt soziale Unruhen.

  • Österreich II: Wetterleuchten | Gewitter

    Ende der 1940er Jahre beginnt sich die Wirtschaft in Österreich zu erholen; doch in den Nachbarstaaten sorgen kommunistische Übergriffe für Unruhe. Und Anfang der 1950er Jahre sorgt u. a. der Koreakrieg für wirtschaftliche und soziale „Gewitter“ in Österreich.

  • Österreich II: Ein Volk, ein Reich - kein Österreich | Heim aus dem Reich

    Wie ergeht es den ÖsterreicherInnen, als es kein Österreich mehr gibt und was geschieht beim sogenannten Anschluss im März 1938? Und danach: Hoffnungen und Rückschläge 1946 und die Frage, welchen Anteil Österreich an diesem Krieg hatte.

  • Österreich II: Was tun mit Österreich? | Der Rest war Österreich

    Die legendäre Dokumentationsreihe von Hugo Portisch und Sepp Riff (1928-2000) beschreibt in der 2. Staffel den Weg Österreichs ab 1946 - die Jahre der Besatzung und den Weg in die Unabhängigkeit sowie die Entwicklung, die zur Annexion Österreichs durch Hitler geführt hat.