Heimat Österreich

Der Himmel über dem Traunsee

Eine neue Dokumentation über Tradition und Natur im Salzkammergut von Martin Vogg.

Heimat Österreich: Der Himmel über dem Traunsee

Dokumentation, 2020

Mittwoch, 29.4.2020, 20.15 Uhr
Wh. Di, 5.5., 05.30 Uhr

Ob der Gipfel des Traunsteins, das in den See hineinragende Traunkirchen oder der am Grünberg versteckt liegende Laudachsee, es gibt viele Plätze, bei denen die Bewohner der Ufergemeinden des Traunsees ins Schwärmen geraten. Regisseur Martin Vogg zeichnet in Gesprächen mit Menschen aus der Region ein Bild vom Leben am See, in dem das Brauchtum wie die Mordsg’schicht oder der Liebstattsonntag eine wichtige Rolle spielen.

Kultur und Landschaft verbinden sich seit Jahrhunderten am Traunsee zu einer harmonischen Einheit, die auch heute noch wie anno dazumal gepflegt und geschätzt wird. Stützen des kulturellen Lebens sind unter anderem die Trachtenvereine. Maria Wicke und Walter Bauer erzählen, wie sie sich in ihrer Jugend für das Thema Tracht zu interessieren begannen.

Der Himmel über dem Traunsee

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Traunkirchen am Traunsee.

Die Trachtenvereine organisieren auch drei Wochen vor Ostern den Liebstattsonntag, der auf einen alten Brauch aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Konditoren. Sie stellen hunderte Lebkuchenherzen her, die an diesem Tag als Liebesbeweis verschenkt werden. Vogg besucht mit Wolfgang Brenner, dem Eigentümer der Traditionskonditorei Grellinger in Gmunden, einen dieser Konditoren. Der Liebstattsonntag wurde 2014 von der Österreichischen UNESCO-Kommission als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt wie auch die Mordsg’schicht in Traunkirchen, die ebenfalls in diesem Film näher vorgestellt wird. Bei diesem Brauch marschieren Männer in Frack und Zylinder am Faschingssonntag durch die örtlichen Gaststätten und bieten den Gästen einen satirischen Jahresrückblick, wie Eva und Josef Harringer sowie der Musiker Reinhard Lehner erzählen.

Lehner ist auch einer der letzten Männer, die in ihrer Freizeit noch klassische Holzboote, so genannte Plätten herstellen, wie sie früher im gesamten Salzkammergut auf den Seen gebräuchlich waren. Ein leidenschaftlicher Plättenfahrer ist Alfred Wolsetschläger, der mit seiner Frau Barbara Loidl im Sommer in den Plätten viel Zeit am Traunsee verbringt. Als Jugendlicher hat Wolsetschläger engen Kontakt mit Hildegard Knef gepflegt, die in seinem Nachbarhaus wohnte. Heute betreiben er und seine Frau in Traunkirchen die Galerie Erlas, die von heimischen und internationalen Künstlern nicht zuletzt wegen ihrer einmaligen Lage am See besonders geschätzt wird.

Künstler, die bei Wolsetschläger und Loidl die Sommer verbringen zieht es häufig auch auf die Berge. Bergretter Wolfgang Ebner weiß von der Schönheit aber auch von den Gefahren des Traunsteins zu berichten. Neben dem Bergsteigen faszinieren Ebner seit jeher der See und die Schifffahrt. So war er selbst als Matrose und später als Kapitän bei der Traunseeschifffahrt tätig.

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Blick auf den Traunstein.

Leichter zu besteigen als der Traunstein ist der Grünberg mit dem romantischen Laudachsee. Der Musiker und Plättenbauer Lehner erinnert sich nicht nur an einen Schulausflug an den See, sondern auch an die alte Seilbahn auf den Berg, die im Winter auch von Skifahrern genutzt wurde. So haben viele Gmundner auch am Grünberg Skifahren gelernt wie Wolfgang Ebner oder Gabriele Fröhlich, die bei Gmundner Keramik die Malerei leitet.

Mit der Gmundner Keramik unternimmt der Film auch eine Zeitreise durch die rund 5.000 Jahre alte Keramikherstellung am Traunsee und widmet sich vor allem dem sogenannten Flammen, für das das oberösterreichische Traditionsunternehmen weit über die Grenzen bekannt ist, und das die Flammerin Claudia Schuster noch mit dem traditionellen Malhörnchen gelernt hat, bevor die deutlich effizienteren Flammstationen entwickelt wurden.

Mit Stefan Mößler kommt auch der Revierförster zu Wort, der rund um den Traunsee dafür sorgt, dass die Wälder für die nächsten 100 Jahre klimafit werden. Der Förster stammt eigentlich aus Kärnten, schätzt aber seinen neuen Lebensmittelpunkt am Traunsee wie viele andere Menschen in der Region vor allem deshalb, weil hier Kultur, Tradition und Natur als Einheit verstanden und gelebt werden.

Dokumentation, 2020


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Leben am Grundlsee

    Burkhard Stanzer stellt mit dem Grundlsee nahe Bad Aussee ein naturbelassenes Ambiente vor, in dem sich alles, was das Salzkammergut ausmacht, verdichtet und sehr alte Traditionen erhalten haben.

  • Durchs Land mit Sepp Forcher | Sepp Forcher - Mein Leben | André Hellers Menschenkinder

    Sepp Forcher sagt „Pfiat Gott“. In ORF III zieht er noch einmal durchs Land und erzählt von den Menschen hier. Danach um 21.55 Uhr das neue Portrait „Sepp Forcher - Mein Leben“ und um 22.45 Uhr „André Hellers Menschenkinder: Sepp Forcher“.

  • Das Ausseer Narzissenfest

    Die Dokumentation stellt gemeinsam mit dem langjährigen Korsoteilnehmer Otmar Schönmaier und seiner Tochter Angelika Huber die Höhepunkte des Ausseer Narzissenfests vor.

  • Bauernleben im Pongau und Pinzgau

    Die Dokumentation von Lukas Dallinger und Katharina Hochhold erkundet die traditionelle Lebensweise im Salzburger Land.