Heimat Österreich

Leben im Mariazellerland

Regisseur Michael Weinmann stellt in seiner neuen Dokumentation Traditionen und Menschen im Mariazellerland vor.

Heimat Österreich: Leben im Mariazellerland

Dokumentation, 2020

Mittwoch, 12.8.2020, 20.15 Uhr
Wh. 23.55 Uhr, Fr 01.35 Uhr,
Sa 01.20 Uhr, So 11.00 Uhr

Das Mariazeller Land in der nördlichen Obersteiermark hat von jeher eine große Faszination auf die Menschen ausgeübt: die Weite und alpine Prägung der Landschaft, dazu die imposante Basilika. Auch der nahegelegene Erlaufsee gilt als Naturjuwel erster Güte, der immer schon für seinen großen Fischreichtum bekannt war und wegen seines klaren Wassers auch bei Tauchern beliebt ist. Michael Weinmann stellt das traditionelle bäuerliche Leben sowie andere Traditionsberufe in dieser Region vor und zeigt, wie der See zum Lebensmittelpunkt der eingesessenen Bevölkerung geworden ist.

Fritz Kraft ist von Juni bis September Halter auf der Zeller Staritzen. Dort ist die größte Alm mit freilebenden Kühen. Der 70-Jährige ist seit 17 Jahren für das Wohl und Wehe von rund 300 Rindern verantwortlich. Er sucht auf der Alm die Einsamkeit und lebt in Harmonie mit seinen Kühen. Seine Halterhütte ist auch ein Treffpunkt für Wanderer. Fritz Kraft serviert dort hausgemachte Brettljausen und genießt das Gespräch mit seinen Gästen. Ein Schnaps schon früh am Morgen gehört hier dazu. Kurz vor dem Almabtrieb kümmert sich Fritz um die Erhaltung der Kulturlandschaft. Beim sogenannten „Schwenden“ wird die Alm von kleinen Bäumen gesäubert.

Heimat österreich: leben im mariazellerland

ORF III / Michael Weinmann

Fritz Kraft füttert seine Kühe

Christian und Martha Weber betreiben den höchstgelegenen Bauernhof am Joachimsberg mit Blick auf den Ötscher. Zum Bio-Bauernhof gehören 124 Hektar Grund, davon sind 109 Hektar Wald - die Haupteinnahmequelle der Familie. Christian Weber ist Waldarbeiter und Tischler. Nach dem Umschneiden einer dreißig Meter hohen Fichte führt er uns in seine private Tischlerei, in der er nur sein eigenes Holz weiterverarbeitet; zum Beispiel für hochwertige Zirbenbetten. Sein Bauernmuseum erlaubt Einblicke in das bäuerliche Leben von früher. Seine Frau, Martha hat sich 2013 ein neues Standbein aufgebaut: die ehemalige Drogistin baut Heilkräuter und Gewürze an. In insgesamt fünf Hochbeeten und einem Garten wachsen Melisse, Pfefferminze, Cola-Kraut und Ringelblumen. Vom Anbau bis zur Ernte arbeitet sie nur händisch, die fertigen Produkte wie Kräuteröle werden ab Hof verkauft. Martha und Christian Weber sind sehr darauf bedacht, sorgsam mit der Natur umzugehen und den Bauernhof samt Wald für zukünftige Generationen zu erhalten. „Alles, was der Boden gibt“ lautet ihr Motto.

Am Abend hat das Filmteam gemeinsam mit Familie Weber auf den Drehtag angestoßen - und das dauerte dann länger geplant. Der Gasthof in Gußwerk stornierte indes um 22.00 Uhr telefonisch die reservierten Zimmer und Christian und Martha Weber boten dem Team ihr Ehebett an - ein unwiderstehliches Angebot.

Heimat österreich: leben im mariazellerland

ORF III / Michael Weinmann

Christian Weber an der Hobelbank

Birgit und Franz Eder betreiben seit 20 Jahren eine Landwirtschaft in Mariazell. Ihr Hof wurde zum Bauernhof des Jahres 2019 gekürt. Aus gutem Grund. Denn Birgit und Franz Eder setzen auf Vielfalt: 30 Milchkühe, 35 Ochsen und Kalbinnen auf ihrer eigenen Alm, Minischweine, Pferde und Forellen. Und sie fördern seltene und vom Aussterben bedrohte Tiere, wie österreichische Landgänse oder Pustertaler Sprinzen. Darüber hinaus hat Birgit Eder vor Jahren die „Schule am Bauernhof“ initiiert, wo Schulkinder hautnah erleben können, wie sie mit ihren Tieren und Rohprodukten aus der Landwirtschaft umgehen. Einen Tag lang tauschen die Kinder das Klassenzimmer gegen frische Landluft und erfahren etwa, wie man Kühe melkt oder frische Butter erzeugt.

Hubert Failmayer ist im Raum Wildalpen und Gußwerk Betriebsleiter der zweiten Wiener Hochquellenleitung, die Wien mit quellfrischem Wasser versorgt. Dabei ist er auch im unwegsamen Gelände unterwegs, um den sicheren Betrieb Hochquellenleitung aufrechtzuerhalten. Der 55-Jährige, der nebenbei auch Führungen durch das Quellengebiet leitet, ist nun seit 33 Jahren bei der Wiener Hochquellenleitung beschäftigt. Bei Begehungen im Sommer und Winter nimmt er Wasserproben, überwacht die Erhaltungsarbeiten an alten Stollen sowie 100 Jahre alten Aquädukten und dokumentiert die Almwirtschaft auf mögliche Verschmutzungen, etwa durch Abfälle oder Abwässer. Bei seinen täglichen Kontrollgängen - mit dem Auto oder zu Fuß - prüft er auch die Sauberkeit und die Güteklasse der Quellen, allein die Kläfferquelle liefert bis zu 6.000 Liter Wasser pro Sekunde. Bis zu 220 Millionen Liter fließen pro Tag aus dem steirischen Hochschwabgebiet in die Bundeshauptstadt.

Im Zuge unserer Dreharbeiten hat uns Hubert Failmayer verraten, dass er seit sechs Jahren gemeinsam mit seiner Frau Maria eine Pferde-Ranch in Weichselboden betreibt: die Faily´s Ranch. Die Pferde verbringen das ganze Jahr bei jedem Wetter im Freien und sie lieben vor allem eines: Bauchkratzen.

Florian Ostermann züchtet seit sechs Jahren in Greith Murbodner Rinder. Aus der Überzeugung heraus, der Massentierhaltung etwas entgegenzusetzen. Neben der Landwirtschaft arbeitet der 27-Jährige auch gemeinsam mit seinem Vater als selbstständiger Waldarbeiter für die Österreichischen Bundesforste. Auf einer Fläche von rund 9.000 Hektar erntet er mit Traktor und Motorsäge Holz, hauptsächlich nach Windwürfen. Ausführlich erzählt er, wie sein Großvater als Holzknecht mit einfachsten Mitteln die Bäume gefällt und dann mit Pferden oder Holzrutschen ins Tal befördert hat.

Heimat österreich: leben im mariazellerland

ORF III / Michael Weinmann

Familie Ostermann

Historische Straßenbahnen

Die Museumstramway Mariazell verbindet auf einer Streckenlänge von etwa 3 Kilometern Mariazell mit dem Erlaufsee und ist teilweise elektrifiziert. Berühmt ist die in den 1980er Jahren gebaute Bahn für ihre historischen Straßenbahnen. Verantwortlich für den Bau und Betrieb ist Alfred Fleissner. Der 70-Jährige beschäftigt sich seit über 50 Jahren mit Straßenbahnen. Er sammelt sie aus Österreich, Ungarn und Bayern und restauriert sie anschließend originalgetreu. In seiner Sammlung befinden sich 134 historische Straßenbahnen, die ältesten aus dem 19. Jahrhundert. So auch etwa eine der ältesten, betriebsfähigen Dampftramway-Lokomotiven der Welt, gebaut 1886. Alfred Fleissner ist im Bereich historischer Straßenbahnen ein wandelndes Lexikon. Er hat den alten Straßenbahnwagen neues Leben eingehaucht und damit ein lebendiges Museum geschaffen. Wir dürfen ihn auf einer Fahrt mit der Straßenbahn „Mariazell“ aus dem Jahr 1912 quer durch Mariazell filmisch begleiten.

Heimat österreich: leben im mariazellerland

ORF III / Michael Weinmann

Mariazell

Heimat österreich: leben im mariazellerland

ORF III / Michael Weinmann

Mariazellerland

Heimat österreich: leben im mariazellerland

ORF III / Michael Weinmann

Salza

Dokumentation, 2020


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Bergsommer in den Seetaler Alpen

    Wer in den Seetaler Alpen himmelwärts strebt, kann seine Alltagssorgen bald hinter sich lassen – jenseits der Waldgrenze hat man einen klaren Blick über die steirischen Gipfel und Täler, die diesen Gebirgszug säumen.

  • Almhütten - Leben über der Baumgrenze

    Eine amüsante Reise in die Berge zu Alm- und Schutzhütten und ihren Bewohnern - Charakterköpfen, wie sie nur dort oben gedeihen.

  • Leben im steirischen Almenland

    Regisseur Wolfgang Scherz erzählt Geschichten von Erbhöfen und Hoferben, Altbauern, Neudenkern uvm. im größten zusammenhängenden Niedrig-Almweidegebiet Europas.

  • Leben im Stanzertal

    Das Leben im kargen Hochland des Stanzertals, das zwischen Paznaun, Silvretta und Verwall verläuft, stellt die Menschen seit jeher vor ein umfassendes Problem: das wenige Wasser, das aus dem Berg kommt, muss für alle landwirtschaftlichen Flächen reichen.