Themenmontag

Wie gut sind unsere Eier?

Hühner auf der grünen Wiese, die sich ihres Lebens freuen und vor Glück ein Ei legen. Solche Bilder haben wir vor Augen, wenn wir im Supermarkt Eier kaufen. Doch mittlerweile wissen wir, dass das eine Marketing-Illusion ist. Bei den Mengen an Eiern, die wir verbrauchen, ist eine Versorgung auf Bio-Niveau unmöglich.

Montag, 10.2.2020, 22.40 Uhr
Wh. Di 01.00 Uhr und 03.20 Uhr

In Deutschland ist jede Bürgerin und jeder Bürger im Schnitt 230 Eier pro Jahr. Das ergibt 18 Milliarden Eier! Fernsehkoch Tim Mälzer erfährt bei seiner Spurensuche quer durch Deutschland, dass das Huhn zur industriellen Legemaschine geworden ist. Legte es 1950 noch rund 120 Eier im Jahr, schaffen hochgezüchtete Legehybriden heute rund 300. Doch selbst das reicht für den Bedarf in Deutschland nicht aus. Etwa ein Drittel der Hühnereier wird deshalb im Ausland bezogen.

Deutsche Verbraucher sind bereit, für das Tierwohl ein bisschen mehr Geld zu bezahlen. In der EU ist Käfighaltung mittlerweile verboten, und der Nachfolger, die sogenannte Kleingruppenhaltung, ist im Supermarkt als Frischei kaum noch zu finden. Was aber ist mit verarbeiteter Ware wie Eiernudeln, Keksen, Fertiggerichten oder Mayonnaise? Tim Mälzer will wissen, ob uns die Hersteller so nicht doch weiterhin Käfigeier unterjubeln.

Jedes Jahr werden rund 45,000.000 männliche Küken direkt nach der Geburt getötet. Sie sind für die Industrie nutzlos, weil sie keine Eier legen und auch nicht so viel Fleisch ansetzen wie die Hähne der Mastzuchtlinien. Auch die Legehennen werden nach einem Jahr Turbo-Eierlegen geschlachtet. Das Fleisch taugt nur noch für Tierfutter oder als Suppenhuhn. Was nicht in Deutschland bleibt, wird in Entwicklungsländer verramscht. Dort nimmt das Billig-Fleisch den Hühnerbauern auch noch die Lebensgrundlage weg.

Auf seiner Reise von den Alpen bis zur Ostsee findet Tim Mälzer auch positive Projekte. In Leipzig forschen Wissenschafter an der Geschlechterbestimmung im Ei. So könnten in Zukunft männliche Küken schon vor dem Schlupf aussortiert werden. In Franken trifft Tim Mälzer einen Biobauern, der möglichst viele seiner Hähne mit aufzieht. Und auf der Insel Usedom schließlich ist der Fernsehkoch sich sicher, das glückliche Huhn und somit das für ihn perfekte Ei gefunden zu haben. Hier werden sogenannte Zweinutzungshennen gehalten, die einerseits ausreichend Eier legen und andererseits auch genügend Fleisch ansetzen. Noch dazu alles in bio. Und das, findet Tim Mälzer, schmeckt man auch.

Wie gut sind unsere Eier?

ORF/Tibool Media/NDR/Nicole Mühlberger

Tim Mälzer will wissen, ob es noch glückliche Hühner gibt.

Dokumentation, 2015


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