Erbe Österreich

Sisi - Allüren und Zwänge einer Kaiserin

Kaiserin Elisabeth wurde zur Ikone der Emanzipation verklärt – doch ihr lebenslanger Selbstverwirklichungstrip hatte einen handfesten finanziellen Hintergrund. Ohne die unerschöpfliche Kassa ihres kaiserlichen Gemahls hätte sie sich nichts von den Dingen leisten können, die sie ja dann doch nicht glücklich machten.

20.01.20 Erbe Österreich Sisi - Allüren und Zwänge einer Kaiserin 210120

ORF/Papkefilm

Im Bild: Schloss Schönbrunn.

Dienstag, 21.1.2020 20.15 Uhr

Wh. 23.30 Uhr, Mi 03.55 Uhr,
Do 02.20 Uhr

Kaiserin Elisabeth. Als „Sisi“ verklärte Persönlichkeit und eines der beliebtesten Aushängeschilder des österreichischen Kaiserhauses. Als Traumpartie des jungen Franz Josef ist sie heute noch Herzensmagnet für Geschichtstouristen oder Habsburg-Nostalgiker. Zugleich eine der geheimnisvollsten, eigenartigsten und widersprüchlichsten Persönlichkeiten im Hause Habsburg. Nicht zuletzt aufgrund ihrer manisch verfolgten Allüren. Die neue Dokumentation von Christian Papke begibt sich auf ihre Spuren und beleuchtet damit auch den gerne von ihr verlassenen Rahmen des höfischen Lebens.

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Im Bild: Kronprinz Rudolf.

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Im Bild: Elisabeth in Bad Ischl.

Als Tochter der Schwester der Kaisermutter heiratete die Wittelsbacherin Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern, im Jahre 1854 ihren Cousin Franz Joseph von Österreich. Im Alter von 16 Jahren Kaiserin zu werden, klingt wie ein Traum. Doch reflektiert sie später, dass sie nicht begriffen habe, worauf sie sich wirklich eingelassen hatte. Früh auch für kaiserlichen Nachwuchs sorgend, mit Anfang 20 hatte sie drei Kinder, fühlte sie sich bald eingeengt: sowohl von den familiären als auch den strikt strukturierten höfischen Pflichten. In der Mutterrolle überfordert, bzw. diese ablehnend, und für politische Dingen wenig interessiert, konzentrierte sich die junge Kaiserin zunehmend auf sich selbst.

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Im Bild: Elisabeth.

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Im Bild: Elisabeth, Franz Joseph Büste.

Vor allem verfolgte sie die Absicht, ihrem Ruf als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit mehr als nur gerecht zu werden. Sie unterwarf sich strengsten und merkwürdigen Diäten (zum Beispiel mit ausgepressten Fleischsaft), turnte regelmäßig und unternahm so gut wie täglich mehrstündige und ausgedehnte Spazier-‚Läufe’, die regelmäßig, dass sie begleitende Personal außer Atem brachte und sogar patrouillierende Polizisten in Alarmbereitschaft versetzte, weil diese glaubten, sie würde überfallen.

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Im Bild: Kaiserpaar.

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Im Bild: Elisabeth.

Die außergewöhnlich schlanke Kaiserin maß auch immer wieder anhand ihres Wadenumfangs nach, ob sie wirklich nicht dicker geworden wäre. Sehr viel Zeit ihrer Morgentoilette beanspruchte auch Sisis Frisur. Ihr Haar, zu einer einzigartigen Kronenfrisur geflochten, war ihr großes Heiligtum, sodass sie die Friseusen entsprechend strafte, wenn sie ihr nur eines krümmten. Dass sie ihre Haare sogar als eigenes Lebewesen betrachtete, ist einem ihrer vielen Gedichte zu entnehmen. Immer wieder tauchte sie in die Welt der Verse ein, getrieben von ihrem dichtenden Idol Heinrich Heine. Von der Fantasielosigkeit ihres Gatten gelangweilt und von den Fesseln der Etikette eingeengt, drängte Sisi, etwas für ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und zur Befreiung ihres Geistes zu tun. Sie ging auf Reisen, fuhr auf Kur oder lief über Berge der Alpen. Immer mehr mied sie die Massen und verfolgte ihre eigenen Interessen.

20.01.20 Erbe Österreich Sisi - Allüren und Zwänge einer Kaiserin 210120

ORF/Papkefilm

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ORF/Papkefilm

Auch rückblickend wird Sisi somit zu einer ebenso mysteriösen wie vielfältigen Projektionsfläche. Unter anderem wurde sie zur Ikone der Emanzipation verklärt. Ihre Allüren geben auch Anlass, an Magerwahn oder Sportsucht zu denken. Denn, was sie machte, machte sie exzessiv. Die unerschöpfliche Kassa ihres kaiserlichen Gemahls, ermöglichte es ihr, den schönen Schein zu pflegen. Sie hätte sich nicht viel von den Dingen leisten können, die sie letztendlich dann doch nicht glücklich machten. Zum Teil absonderliche Angewohnheiten und Eigenschaften einer Hofflüchtigen, regierungsunfreudigen Monarchin, als Charakterbild von Regisseur Christian Papke in seiner neuesten Dokumentation fernab der üblichen Klischees eindrucksvoll nachvollzogen.

20.01.20 Erbe Österreich Sisi - Allüren und Zwänge einer Kaiserin 210120

ORF/Papkefilm

Im Bild: Elisabeth dichtend.


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