Heimat Österreich

Weihnachten in den steirischen Alpen

Wolfgang Niedermair führt in seiner Dokumentation in einen der abgelegensten Orte in den steirischen Alpen: Oppenberg am Gullingbach, wo Weihnachten noch etwas „Echtes“ hat, denn für das kommerzielle Drumherum war das 200-Seelen-Dorf immer zu arm.

Heimat Österreich: Weihnachten in den steirischen Alpen

Dokumentation, 2019

Mittwoch, 4.12.2019, 20.15 Uhr
Wh. Fr 05.35 Uhr und 10.40 Uhr

Umschlossen von Berggipfeln liegt Oppenberg am Gullingbach in rd. 1.000 Meter Seehöhe. Es ist einer der abgelegensten Orte in der Steiermark.

War diese Siedlung Kaiser Maximilian wegen des Bergbaus und der Jagd noch so wichtig, dass er für die Kirche hier eigens einen Dreikönigsschrein bauen ließ, geriet der Ort trotzdem schon bald in Vergessenheit. Heute leben keine 250 Seelen in Oppenberg, und 2015 wurde der Ort mit der Stadt Rottenmann im Paltental zusammengeschlossen. In dieser Abgeschiedenheit ist keiner reich geworden. 85 Prozent des Ortsgebietes gehören der Familie Flick, und die hat ihr Geld mitgebracht.

Weihnachten war für die Oppenberger ein wichtiges Fest, wenn es auch nicht immer um Geschenke gegangen ist. Elisabeth Schüßler ist mit ihren neun Geschwistern auf einem Bauernhof im Tal aufgewachsen. Sie kann sich noch gut daran erinnern, wie sie bei der Stallarbeit von ihrer Mutter ein Weihnachtsgedicht gelernt hat. Sie kann es noch heute auswendig. Fünf Minuten dauert es und handelt - wie könnte es anders sein - vom Verzicht auf Weihnachtsgeschenke.

Weihnachten in den steirischen Alpen

ORF/Wolfgang Niedermair

Viktor Zelzer und Hedwig Tiefenbacher, Bauern.

Viktor Zelzer, der „Hoandl“-Bauer, erinnert sich gut an seine Erlebnisse mit dem Krampus, wie machtlos er den wilden Teufeln ausgeliefert war. Schließlich erreichte er das Alter, in dem auch er die Maske tragen durfte. Angst hatte er noch immer die selbe, auch wenn er sich in Sicherheit wusste, denn kein Krampus schlägt auf einen Kollegen ein. Seine Frau Martha stammt aus der Oststeiermark. Auch wenn sie die hier üblichen Krapfen ursprünglich nicht kannte, ist sie heute eine begehrte Krapfenbäckerin, integriert nicht zuletzt durch das von ihr gelebte lokale Brauchtum. Das Krapfenbacken war für sie so etwas wie die Aufnahme in die Ortsgemeinschaft.

Hedwig Tiefenbacher ist über 90 und auch bei Kettenpflicht mit dem Auto unterwegs. Sie hat als Landarbeiterin auf einem Bauernhof gearbeitet, bis sie und ihr Mann selbst Bauern wurden. Sie erinnert sich gerne an ein Orakelspiel aus ihrer Jugend, das „Hüatl zieh’n“.

Weihnachten in den steirischen Alpen

ORF/Wolfgang Niedermair

Ludwig und Viktor Hussauf, Brüder

Ludwig Hussauf ist 50 Kilometer entfernt in Wald am Schoberpass geboren und hat hier in Oppenberg seine Heimat gefunden. Für ihn und seine 13 Geschwister war Weihnachten einfach das Größte.

Der Schulweg der Ranner-Geschwister war weit. Bis endlich ein Schulbus eingeführt wurde, fuhren die Älteren noch mit den Schiern in die Schule. Für den Hinweg brauchten sie zwei Stunden, für den Rückweg oft viel länger. Lisi kann sich noch gut an die große Lawinengefahr erinnern.

Hans Hüttenbrenner war über 40 Jahre der Volksschullehrer in Oppenberg. Zu seinen Aufgaben zählte auch das Chauffieren der Kinder in die Schule und wieder nach Hause. Auch für die Dorfmusik war er zuständig. Und dass er auch den Schulwart gab, verstand sich von selbst.

Weihnachten in den steirischen Alpen

ORF/Wolfgang Niedermair

Krampusse aus Oppenberg

Weihnachten in den steirischen Alpen

ORF/Wolfgang Niedermair

Margret Hager und Barbara Brandstätter, Schwestern.

Weihnachten in den steirischen Alpen

ORF/Wolfgang Niedermair

Wie überall in den Alpen werden auch im steirischen Sölktal althergebrachte Weihnachtstraditionen bewahrt – etwa das gemeinsame Basteln des Christbaumschmucks

Dokumentation, 2019


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