Erbe Österreich

Wie der Aufzug nach Österreich kam

Die Innovation des Aufzugs kam in Österreich mit der Ringstraßenzeit. Patrice Fuchs beschäftigt sich in ihrer neuen Dokumentation mit einer Erfindung, die die Welt veränderte.

Erbe Österreich: Wie der Aufzug nach Österreich kam

Dokumentation, 2019

Dienstag, 3.12.2019, 22.45 Uhr
Wh. Mi 01.10 Uhr und 10.40 Uhr,
Do 02.15 Uhr

Manche Erfindungen ändern die Welt. Der Aufzug gehört dazu. Mit ihm änderten sich die Wohnhäuser, die Industrie und die Städteplanung. Und so einfach die Idee eines Aufzugs ist, so lange dauerte es, bis er für jedermann benutzbar wurde.

Schon Maria Theresia war ein Aufzug-Fan. Sie fuhr zu ihren verstorbenen Liebsten in die Kapuziner Gruft. Die gut gebaute Maria Theresia brauchte eine Transporthilfe um den Weg in den Untergrund täglich antreten zu können. Da der Aufzug zu ihrer Zeit aber einem simplen, ungesicherten Flaschenzug entsprach, blieb sie regelmäßig im Schacht stecken. Das war auch einer der Gründe, warum der Aufzug lange Zeit eine Ausnahmeerscheinung blieb.

Früher baute man Häuser mit 2 bis 6 Stockwerken. Ganz oben wohnten nicht wie heute Dachterrassenbesitzer sondern die armen Leute, denn Wasser und Brennholz hinaufzuschleppen, war eine mühsame Aufgabe. Um 1860 wurde in New York die Fahrstuhlbremse erfunden. Eine recht einfache aber geniale Konstruktion hinderte den Fahrstuhl daran herabzustürzen, auch wenn das Fallseil riss. Gleichzeitig wurden die Grundstückpreise in Manhattan immer teurer. Die Lösung war, nach oben zu bauen.

Manche sahen darin ein Möglichkeit sich selbst ein Denkmal zu setzen. Frank Woolworth (1852-1919) gehörte zu ihnen. Sein Woolworth Building war ein Glanzstück der Moderene und einige Jahre das höchste Haus der Welt. Gold und Prunk verschränkten sich mit einer monströsen Fahrstuhlanlage, die mit Dampf betrieben wurde. Die Motoren von damals betreiben die Fahrstühle im Haus bis heute.

Wie der Aufzug nach Österreich kam 
 
Originaltitel: Geschichte des Aufzugs

ORF/Familie Rockt Media

Im Whoolworth Building wurde 1910 die modernste Aufzugsanlage der Welt verbaut.

Der Fahrstuhl erreicht den europäischen Kontinent

In Paris wollte man den Amerikanern nicht den ganzen Glanz überlassen. Der Eiffelturm sollte den Fortschrittwillen der Grand Nation markieren. Leider war die Konstruktion des Fahrstuhls nicht ganz so einfach und es musste ein Ingenieur aus den USA geholt werden. Denn der Aufzug am Eiffelturm fuhr erst vertikal und dann horizontal weiter. Als dieses Kunststück geschafft war, blieb der Eiffelturm lange das höchste Haus der Welt.

Sehr bemüht war man auch in Schweden in Sachen moderne Ingenieurskunst im öffentlichen Raum. Stockholm war am Ende des 19. Jahrhunderts das Armenhaus Europas. Es brauchte Anknüpfungspunkte zum Fortschritt. Knut Ingemar baute 1880 den höchsten öffentlichen Freiluft-Aufzug. Die reichen Leute sollten mit diesem vom Hafen auf die Klippe fahren können, wo das beliebte Södra Theater seine Besucher erwartete. Auf diesem Aufzug wurde um die Jahrhundertwende die erste bewegte elektrische Werbung montiert: für Zahnpasta. Als der Aufzug in den 30ern erneuert wurde, musste die leuchtende Zahnpastatube weichen. Sie bekam aber einen Platz auf einem benachbarten Häuserdach, wo sie bis heute leuchtet. Sie wird die erste Werbefläche sein, die denkmalgeschätzt wird.

Wie der Aufzug nach Österreich kam 
 
Originaltitel: Geschichte des Aufzugs

ORF/Familie Rockt Media

In Schweden wird 1881 der erste öffentliche Aufzug erbaut.

Der Aufzug zieht am Ring ein

Bald wurde es Standard, in Wohnhäuser Aufzüge einzubauen und Kaufhäuser wurden mit Rolltreppen ausgestattet. Nur in Österreich ging die Innovation etwas schleppend voran. Die „zweite Gesellschaft“, also die neureichen Industriellen, wollten ihre Häuser modern ausstatten. Das Haus der Industrie bekam einen Paternoster, der so spektakulär war, dass ihn sogar Franz Josef eröffnete. Dabei war er mit Sicherheit kein Liebhaber des Fahrstuhls. Er hasste alle technischen Innovationen. Daher gewöhnten sich in Österreich viele Architekten an, den Aufzug zu verstecken oder abseits zu planen. So fand man ihn zum Beispiel hinter einen gewöhnlichen Wohnungstür um das Ensemble des Stiegenhauses nicht zu stören.

Wie der Aufzug nach Österreich kam 
 
Originaltitel: Geschichte des Aufzugs

ORF/Familie Rockt Media

Maria Theresia war ein Aufzugsfan. Sie hätte sich über einen zuverlässigen Paternoster gefreut. Diese werden heute aus Sicherheitsgründen nicht mehr zugelassen.

Die Bedienung eines Aufzugs ist kompliziert - technisch als auch sozial. Anfänglich musste der Liftjunge oder der Hausmeister den Aufzug steuern. Dafür bekam er Trinkgeld. Wenn er gerade ein Schläfchen machte, musste man zu Fuß gehen. Oft fuhr er sogar mit in der Kabine und man erfuhr allerhand Intimes.

Jetzt wurden Aufzüge zum Standard. Im Wiener Bürgertum war so manche und mancher irritiert, denn nun stand man Schulter an Schulter mit Menschen, die man davor nicht einmal gegrüßt hatte. Wieder andere fürchteten sich vor der Fahrt, da man an die „Aufzugskrankheit“ glaubte, die einen befallen konnte, wenn man festen Boden unter den Füßen verlor.

Architektonisch sind die alten Fahrzeugkabinen Schmuckstücke. Es gibt alles, was es in einem Haus gibt: Fenster, Türen, Sitzbank, Fußboden, Glocke. Seit dem zweiten Weltkrieg verschwinden die alten nostalgischen Kabinen mit ihren Messing-Details und lackierten Hölzern. Aufzüge sind heute schlicht und funktional. Kunststoffgurte befördern heute die Kabinen. Sie sind leicht und brauchen wenig Platz. Sogar Solar-Aufzüge gibt es schon und sie funktionieren wunderbar. Mit dem Strom kann nicht nur der Aufzug befördert werden. Die Anlagen liefern sogar mehr Strom als sie brauchen und können gleich das ganze Stiegenhaus beleuchten.

Film von Patrice Fuchs
Dokumentation, 2019

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Originaltitel: Geschichte des Aufzugs

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Getrieberaum um 1910

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Originaltitel: Geschichte des Aufzugs

ORF/Familie Rockt Media

Das Woolworth-Building


Weitere Sendungen dieser Reihe:

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    Am 11. September 1697 schlägt Prinz Eugen von Savoyen in der Schlacht von Zenta die übermächtige Osmanische Armee. Der Film stellt die zwei Kulturen in Person des kleinwüchsigen Eugen, der der erfolgreichste europäische Feldherr wird, und Gülnüs, die griechische Sklavin und Lieblingskonkubine des Sultans, die als Sultansmutter 30 Jahre die Geschicke im Osmanischen Reich mitbestimmt, dar.

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    Wenige Ereignisse haben den Lauf der Geschichte in Europa so beeinflusst wie die Abwehr der Osmanen 1683 vor Wien. Bei näherem Hinsehen, ist diese Schlacht voller Rätsel.