Heimat Österreich

Leben im Stanzertal

Das Leben im kargen Hochland des Stanzertals, das zwischen Paznaun, Silvretta und Verwall verläuft, stellt die Menschen seit jeher vor ein umfassendes Problem: das wenige Wasser, das aus dem Berg kommt, muss für alle landwirtschaftlichen Flächen reichen.

Heimat Österreich: Leben im Stanzertal

Dokumentation, 2019

Mittwoch, 20.11.2019, 20.15 Uhr
Wh. Fr. 10.20 Uhr, Sa 09.00 Uhr

Das Stanzertal im westlichen Tirol ist vor allem durch den Skiort St. Anton berühmt, von dem aus der Arlberg touristisch erschlossen wurde. Heimat Österreich blickt hinter die Kulisse des Fremdenverkehrs und begegnet Menschen, die von den harten Bedingungen erzählen, unter denen sie aufgewachsen sind.

In dem kargen Hochland stellt sich für die Bauern jeden Tag die Wasserfrage: das wenige Wasser, das aus dem Berg kommt, muss für alle landwirtschaftlichen Flächen reichen. Mit der sogenannten Rieselbewässerung, die das Wasser über eine leicht abschüssige Ebene über die ganze Fläche des Feldes verteilt, haben die Menschen hier eine seit Generationen bewährte Form gefunden, die auch entsprechend gepflegt und verwaltet wird. Die Rieselbewässerung steht hier exemplarisch für den schonenden Umgang mit den Ressourcen und für die ständige Gratwanderung zwischen den Interessen der Menschen und der Natur.

Seit Hunderten Jahren werden die Almen über das Zweidrittelgericht bewirtschaftet. Dabei bestimmen die Gemeinden einen Gewalthaber, der sich dann um die Verteilung der Tiere und die Bestellung der Hirten kümmert. Gewalthaber Alfons Falch erzählt von der Schönheit und den Herausforderungen seines Berufs. Hirt Gerhard Egender sagt uns, warum ihn das Leben auf der Alm von klein auf gefesselt hat. Auch mehrere ältere Pettneuer kommen zu Wort, die allesamt als Kinder auf die Nessleralm hinauf mussten, entweder, um die Hirten mit Lebensmittel zu versorgen, oder um selbst als Hirterbuben auf der Alm zu arbeiten.

Ein festlicher Höhepunkt jedes Jahr ist der Almabtrieb, bei dem wie im Ort Pettneu den Hirten jedes Jahr für ihre Sorge um die Tiere auf den Almen gedankt wird.

Leben im Stanzertal

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Hirte Gerhard Egender erzählt von seiner Sehnsucht nach der Alm.

Wesentlich für das wirtschaftliche Überleben in der Region waren der Bahnbau und damit eng verbunden auch der Tourismus. So arbeiten die meisten Menschen im Stanzertal bei der Bahn oder zumindest saisonal in Skischulen oder Hotels beziehungsweise vermieten sie selbst Zimmer, wobei sie sich noch an die Einfachheit der Unterbringung der Gäste in früheren Tagen erinnern können. Historisches Bildmaterial belegt, dass schon vor rund 100 Jahren die meisten Landwirtschaften im Nebenerwerb geführt worden sind, und schon damals die Bauern als Bahnhofsvorsteher oder Bergführer ein Zubrot verdient haben.

Der Schnapsbrenner Stefan Notdurfter bewirtschaftet liebevoll seine Obstgärten, und bewässert sie mit dem Wasser der Waale, einem uralten Bewässerungssystem, das auch heute noch große Bedeutung für die gerechte Verteilung des Wassers im Tal hat.

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Waalmeister und Schnapsbrenner Stefan Notdurfter weiß warum der Schnaps in den Bergen so wichtig ist.

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Stanzertal

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Die Eggeralm oberhalb von Pettneu

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Pettneu am Arlberg

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Der Hirte Peter Erath nach dem Almabtrieb mit seinen jüngsten Kindern.

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Gewalthaber Alfons Falch

Regisseur: Martin Vogg
Dokumentation, 2019


Weitere Sendungen dieser Reihe:

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