Themenmontag

Der kluge Bauch - Unser zweites Gehirn | Wunderwaffe Mikrobiom

Unser Magen-Darm-Trakt hat ein eigenes Nervensystem, in dem sich Milliarden Neuronen um Zehntausende Bakterien kümmern, die Einfluss auf unsere Stimmung, unsere Persönlichkeit und unsere Gesundheit haben, und das über Botenstoffe direkt mit dem Gehirn kommuniziert.

Themenmontag: Der kluge Bauch - Unser zweites Gehirn

Dokumentation, 2013

Themenmontag: Wunderwaffe Mikrobiom: Kleine Helfer - Große Wirkung

Dokumentation von Marlies Faulend und Kurt Langbein, 2016

Montag, 18.11.2019, 20.15 Uhr
Wh. 23.55 Uhr, Di 03.05 Uhr

Der kluge Bauch - Unser zweites Gehirn

Dokumentation, 2013

Vor einigen Jahren entdeckten Wissenschafter, dass Magen und Darm des Menschen etwa 200 Millionen Nervenzellen enthalten. Und allmählich gelingt es, den ständigen Dialog zwischen den beiden Steuerzentralen Bauch und Kopf zu entziffern. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse eröffnen ungeahnte therapeutische Möglichkeiten. Denn vermutlich werden bei bestimmten neurologischen Erkrankungen, wie beispielsweise der Parkinson-Krankheit, zunächst die Neuronen im Magen-Darm-Trakt angegriffen.

Noch erstaunlicher: im Bauchhirn lebt eine Hunderte Milliarden von Bakterien zählende Kolonie, deren Aktivität sich auf Persönlichkeit und Entscheidungen des Menschen auswirkt und die dafür verantwortlich ist, ob jemand beispielsweise zurückhaltend oder verwegen reagiert. Nach der Entdeckung dieses zweiten Nervensystems setzt sich unter den Forschern allmählich die Überzeugung durch, dass das Gehirn im Kopf nicht der einzige Kapitän an Bord ist.

21.05 Uhr
Wh. Di 00.45 Uhr und 03.50 Uhr

Wunderwaffe Mikrobiom: Kleine Helfer - Große Wirkung

Dokumentation von Marlies Faulend und Kurt Langbein, 2016

In und auf unserem Körper leben mehr Mikroorganismen als wir Zellen haben. Bakterien, Pilze und Viren bilden unser Mikrobiom und sein Zustand entscheidet maßgeblich über unsere Gesundheit. Unsere Mitbewohner organisieren einen Großteil der Immunabwehr, schützen unsere Haut und kommunizieren mit dem Hirn, vor allem ermöglichen sie als sogenannte „Darmflora“ unseren Stoffwechsel. Mit modernster Technik wird dieses geheimnisvolle „Organ“ nun erforscht.

Leo Ressel leidet an Diabetes Typ 2, Erik Käferle lebt seit seiner jüngsten Kindheit mit Asthma und Margareta Diringer kämpft seit Jahrzehnten mit starken Kopfschmerzen. Was die verschiedenen Krankheitsgeschichten erstaunlicherweise miteinander verbindet, ist deren Zusammenhang mit dem individuellen Bakterien-Ökosystem der Patienten, dem Mikrobiom im Darm. In der Traditionellen Chinesischen Medizin spielt die Mitte des Menschen seit je her eine wichtige Rolle. Erst in den letzten Jahren versucht nun auch die medizinische Forschung in den westlichen Industrienationen mit modernster Technik, der Bedeutung der mikrobiellen Gesellschaft in unserem Bauch und auch auf der Haut auf die Spur zu kommen.

Wie sich unser Mikrobiom entwickelt, entscheidet sich schon bei der Geburt. Kommt ein Baby auf natürliche Weise zur Welt, schluckt es die Sekrete im Geburtskanal und bekommt so seine erste bakterielle Ausstattung mit auf den Weg. Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, weisen ein weniger vielfältiges Mikrobiom auf und sind anfälliger für entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes oder Allergien.

Wie sich das Mikrobiom weiterentwickelt, hängt vor allem von der Ernährung ab. Einseitige Essgewohnheiten schwächen die Widerstandsfähigkeit und Stabilität des Mikrobioms. Ärzte und Wissenschafter raten besonders von Fertigkost und Convenience-Produkten mit Konservierungsmitteln ab. Nicht pasteurisierte Lebensmittel wie Rohmilch, stichfester Joghurt oder milchsauer Vergorenes wie Sauerkraut hingegen können die Mitbewohner im Darm um wertvolle Mitglieder erweitern.

Einige praktische Anwendungen der medizinischen Forschung sind bereits erprobt, zum Beispiel Probiotika. Die lebenden Mikroorganismen in Pulverform werden eingesetzt, um einen geschädigten Darm gezielt zu unterstützen. Von einigen Bakterienstämmen kennt man die positiven Auswirkungen mittlerweile gut und kann mit ihrer Hilfe beispielsweise gefährliche Darmerkrankungen bei Frühgeborenen reduzieren, Leberzirrhose verbessern oder die Insulinresistenz von Patienten wie Leo Ressel vermindern. Doch die zugeführten Bakterien siedeln sich nicht dauerhaft im Darm an, warum das so ist, konnte die Wissenschaft bislang nicht herausfinden. Anders verhält es sich bei der Stuhltransplantation, einer Behandlung, die Patienten mit schweren Darmerkrankungen helfen kann. Dabei wird der Stuhl eines gesunden Menschen transplantiert - eine Methode, die Andreas Skringer seine Lebensqualität zurückgegeben hat. Colitis Ulcerosa, eine schmerzhafte Darmerkrankung mit starken Durchfällen, hat ihn jahrelang gequält. Schon kurz nach der Transplantation sind seine Beschwerden verschwunden und dauerhaft ausgeblieben.

Studien zeigen auch das Zusammenspiel von Darm und Hirn auf. Unzählige Nervenzellen im Darm kommunizieren ständig über Botenstoffe direkt mit dem Gehirn. Man weiß auch, dass Menschen mit Depression oder Autismus gravierende Veränderungen im Mikrobiom aufweisen. Behandlungen mit Probiotika und Untersuchungen wie die Stuhlanalyse und daraus resultierende Therapien stecken derzeit noch in den Kinderschuhen. Die Mikrobiom-Forschung bleibt also spannend und wird in Zukunft noch viele Geheimnisse unserer einzelligen Mitbewohner ans Tageslicht fördern. Vielleicht kann das Mikrobiom eines Tages sogar helfen, heute unheilbare Krankheiten wie Krebs zu besiegen.


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