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Zwölf Tage im Dezember - Die Revolution in Rumänien

Die ORF-III-Neuproduktion wirft einen genauen Blick auf die Ereignisse und Hintergründe, die die Diktatur in Rumänien unter Nicolae Ceaușescu beendeten.

Zwölf Tage im Dezember - Die Revolution in Rumänien

Dokumentation, 2019

Samstag, 9.11.2019, 21.55 Uhr
Wh. Mo 00.55 Uhr

Jedes Jahr kurz vor dem Weihnachtsfest wird in Rumänien der Revolution des Jahres 1989 gedacht. Gedenkgottesdienste werden veranstaltet, Kränze niedergelegt und in Erinnerung an die Opfer der Revolution Kerzen angezündet. Die Ereignisse, die von Temeswar ihren Ausgang nahmen, sind mittlerweile 30 Jahre her und lösten damals eine Welle der Hilfsbereitschaft aus - auch in Österreich.

Während sich in den anderen Staaten des Ostblocks Ende der 1980er Jahre erste demokratische Strukturen bildeten, bediente sich der rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu (1918-1989) der Gewalt seines gefürchteten Geheimdienstes Securitate, um seine Macht abzusichern. In der DDR und der Tschechoslowakei verliefen die Umwälzungen weitgehend unblutig, nicht so in Rumänien.

In den Nachwehen des Ersten Weltkriegs geboren, schließt Nicolae Ceaușescu sich schon als Jugendlicher der damals verbotenen Rumänischen Kommunistischen Partei an. Nach deren Machtergreifung wird er 1965 ihr Vorsitzender. Er ist vorerst im In- und Ausland sehr populär, da er - allerdings in geheimer Absprache mit der Sowjetunion - eine Politik der vorsichtigen Abgrenzung vom sowjetischen Stalinismus umzusetzen scheint. An der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 nimmt Rumänien als einziges Land des Warschauer Pakts nicht teil.

Zwölf Tage im Dezember - Die Revolution in Rumänien

ORF/Filmproduktion Werner Müller

Parlamentspalast in Bukarest

Die Situation ändert sich jedoch, als Ceausescu 1971 China und Nordkorea besucht. Vom Personenkult um Kim Il Sung und Mao Zedong tief beeindruckt beginnt er nach seiner Rückkehr dieses System auf sich und seine Frau Elena zu übertragen. Mit Hilfe der Geheimpolizei Securitate verwandelt er Rumänien in einen Polizeistaat und sichert seine Macht durch das regelmäßige Auswechseln der kommunistischen Kader ab. Während seines Regimes wirtschaftet er das Land systematisch zugrunde. 1982 ist der Arbeiter- und Bauernstaat schließlich bankrott. Lebensmittel, Strom und Benzin werden rationiert, pro Haushalt darf nur eine einzige 25 Watt Glühbirne betrieben und die Wohnungen im Winter höchstens bis 12 Grad beheizt werden.

1989 beginnen, ausgehend von der westrumänischen Stadt Temeswar, die Menschen im ganzen Land zu protestieren. Ceausescus Ehefrau Elena, die in seiner Abwesenheit das Ruder übernimmt, lässt in die Menge schießen. Hunderte Menschen sterben. Die rumänische Armee widersetzt sich schließlich dem Schießbefehl und kämpft mit der Bevölkerung gemeinsam gegen die Heckenschützen der Securitate.

Am 25. Dezember wird das Ehepaar Ceausescu festgenommen und nach einem 90-minütigen Schauprozess hingerichtet.

Zwölf Tage im Dezember - Die Revolution in Rumänien

ORF/Filmproduktion Werner Müller

Die Armee hat Schießbefehl

Zwölf Tage im Dezember - Die Revolution in Rumänien

ORF/Filmproduktion Werner Müller

Demonstranten mit Flagge

Zwölf Tage im Dezember - Die Revolution in Rumänien

ORF/Filmproduktion Werner Müller

Demonstranten verbrennen ein Porträt von Präsident Ceausescu

Hilfe aus Österreich

Die umfangreiche Berichterstattung - darunter jene des ORF - über die prekäre Lage der Bevölkerung führte zu großen Hilfsaktionen, auch aus Österreich. Nahrungsmittel und Geld wurden gespendet, Hilfstransporte organisiert, Ärzteteams aus Österreich versorgten in den rumänischen Spitälern die Verletzten der Revolution.

Besonders dramatisch war die Situation der Kinder, die entweder als Straßenkinder in der Kanalisation der größeren Städte gelebt hatten oder in staatlichen Kinderheimen ein erbärmliches Dasein fristeten. Der Jesuitenpater Georg Sporschill gründete die Organisation „Concordia Sozialprojekte“, die sich bis heute um Kinder in Rumänien, Bulgarien und Moldawien kümmert.

Das Erbe des Diktators prägt bis heute das Land. Die politischen Nachfolger Ceausescus erwiesen sich als kaum weniger korrupt als ihre Vorgänger zur Zeit der kommunistischen Diktatur, aus denen sie sich teilweise rekrutieren. Und so wurde bisher auch kaum jemand für die Gräueltaten während der Diktatur zur Rechenschaft gezogen. Das „Institut für die Erforschung der Verbrechen des Kommunismus in Rumänien“ bemüht sich seit einigen Jahren um Aufdeckung. Gemeinsam mit den Behörden exhumieren die Mitarbeiter des Institutes überall im Land die oft teilweise an abgelegenen Orten verscharrten Opfer des Regimes, identifizieren sie, verständigen Verwandte und führen die sterblichen Überreste einer ordentlichen Bestattung zu. Die Recherchen des Institutes führten mittlerweile auch zu ersten Verurteilungen.

Zwölf Tage im Dezember - Die Revolution in Rumänien

ORF/Filmproduktion Werner Müller

Gedenken an die Opfer

Dokumentation, 2019


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