Erbe Österreich

Die Michaelergruft - Expedition in die Stadt der Toten

Die Dokumentation begleitet Forscher in die Stadt der Toten unter der Michaelerkirche und bringt so manch erschreckende Erkenntnis aus der Dunkelheit der lange verschlossenen Grabkammern ans Licht.

Erbe Österreich: Die Michaelergruft - Expedition in die Stadt der Toten

Dokumentation, 2014

Dienstag, 5.11.2019, 20.15 Uhr
Wh. 23.35 Uhr, Mi 23.35 Uhr,
Sa 00.05 Uhr

Die Gruft unter der Michaelerkirche gilt als einer der morbidesten Orte Wiens. An die 4000 Menschen sind in den weitläufigen Gängen unter der Kirche begraben. Der stetige Luftzug, das Mikroklima und spezielle Pilze haben dazu geführt, dass die Leichen oft noch in einem sehr guten Zustand sind. Das Holz der Särge gibt mitunter nach und öffnet den Blick auf die Toten. Da findet man als letztes Hemd etwa ein mehrere hundert Jahre altes Rüschenkleid, als hätte man es gerade angezogen. Oder Stapel von Knochen, die bis an die Decke reichen.

Die Michaelergruft - Expedition in die Stadt der Toten

ORF/Servus TV

Gebeine in der Michaelergruft

Die Michaelergruft kann man im Rahmen von Führungen besichtigen. Nur zwei Grüfte sind nicht zugänglich, sie wurden 1783 abgemauert und seitdem nie wieder betreten. Bis jetzt. Denn dem Filmteam ist es gelungen, eine Gruppe von Wissenschaftlern zu begleiten, die die Grüfte geöffnet haben, um sie zu untersuchen. Sozialhistoriker Oskar Ter und Pater Peter van Meijl von der Michaelerkirche sind gemeinsam mit Gerichtsmediziner Christian Reiter und Anthropologin Maria Teschler-Nicola hinabgestiegen ins Reich der Toten, um so viele offene Fragen zu beantworten. "... Es gab große Überraschungen. Wir haben eigentlich gehofft, viele Fragen zu beantworten - und nun stehen wir vor einem ganzen Haufen neuer", sagt Oskar Ter.

Die beiden Grüfte, die man gefunden hat, sind unterschiedlich. In der „Taufstubengruft“, die unter dem Taufbereich der Kirche liegt, wurden Normalbürger bestattet. In der „Meggau“-Gruft wurden die Mitglieder der Adelsfamilie Meggau eingesargt. Die Familie stammte ursprünglich aus Meißen und stand seit der Zeit Maximilians I. im Dienst der Habsburger. Im Gegensatz zu den meist protestantisch gewordenen Adeligen in Niederösterreich blieb Meggau katholisch.

Die Michaelergruft - Expedition in die Stadt der Toten

ORF/Servus TV

Michaelerkirche

Die Bestattungen in der „Taufstubengruft“ geben einen einzigartigen Einblick in das gehoben-bürgerliche Leben des Rokoko. Theoretisch sollte man aus minutiösen Aufzeichnungen der Kirche wissen, wer in der Gruft bestattet ist. Die Frage ist, ob man die Bestattungen auch zuordnen kann, sind die Holzsärge doch meist nicht beschriftet. Eine wertvolle Quelle war für Historiker Ter die „Wiener Zeitung“, wo sich Daten zu den Verstorbenen finden lassen und so gemeinsam mit vielfältigen Grabbeigaben ein Bild der Verhältnisse der Bestatteten ergeben. Noch älter ist hingegen die „Meggau“-Gruft, die 1614 gegraben wurde und somit in die Spätrenaissance zurückreicht.

Die Dokumentation zeigt die Entdeckungen der Forscher in der Stadt der Toten. Die spannende Reise in die Dunkelheit der lange verschlossene Grabkammern bringt auch manch erschreckende Erkenntnis ans Licht. Was hat es etwa mit dem Rosmarinzweig auf den Steinstufen auf sich? Und was bedeutet das Katzenskelett?

Die Michaelergruft - Expedition in die Stadt der Toten

ORF/Servus TV

Gebeine in der Michaelergruft

Die Michaelergruft - Expedition in die Stadt der Toten

ORF/Servus TV

Dokumentation, 2014


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