ORF Legenden: Gunther Philipp, Kurt Sobotka und Paul Hörbiger

Am Allerseelentag portraitiert die zeit.geschichte im Hauptabend drei legendäre österreichische Schauspieler.

zeit.geschichte: ORF Legenden - Paul Hörbiger

Künstlerportrait, 2019

Samstag, 2.11.2019, 20.15 Uhr
Wh. So 11.15 Uhr und 23.20 Uhr,
Do, 7.11., 09.00 Uhr

ORF Legenden: Gunther Philipp

Künstlerportrait, 1977/2018

Starkomiker, Arzt, Rennfahrer und Rekordschwimmer: Gunther Philipp (1918-2003). Mit seinem Namen verbindet ein Millionenpublikum die Erinnerung an einen der unverwechselbaren Star-Komiker des deutsch-österreichischen Nachkriegsfilms. Geboren wurde Gunther Placheta, so sein bürgerlicher Name, 1918 im heutigen Rumänien. Zur Schule ging er in Innsbruck und Wien, als begnadeter Schwimmer hält er 14 Jahre lang den österreichischen Rekord im 100-Meter-Brust-schwimmen.

Als 1938 die Nationalsozialisten in Österreich die Macht ergreifen, studiert Gunther Philipp Medizin. Bereits im Sommer 1938 sucht er um Mitgliedschaft bei der NSDAP an - die Gründe dafür sind ungeklärt. Gunther Philipp ist während des Kriegs Student an der „Reichshochschule für Musik“, das spätere „Max Reinhardt Seminar“. Wie sehr er sich schon damals vom Theater angezogen fühlt, belegt ein sehr persönlicher Feldpostbrief von einem der brutalsten Kriegsschauplätze in der Ukraine, wo er stationiert war. 1949 beendet er seine medizinische Laufbahn und widmet sich ausschließlich dem Film und der Bühne. Er avanciert zum Star-Komiker des deutsch-österreichischen Nachkriegsfilms.

ORF Legenden 
Gunther Philipp

ORF

Gunther Philipp

Mit der Kabarett-Formation „Die kleinen Vier“ mit Peter Wehle, Eva Leiter und Fred Kraus geht er erfolgreich auf Deutschland-Tournee. Im selben Jahr dreht Gunther Philipp auch seinen ersten Kinofilm „Kleiner Schwindel am Wolfgangsee“, dem bis Mitte der 1970er Jahre noch 150 folgen sollen. Darunter Kultklassiker wie „Mariandl“, „Die Deutschmeister“ und die „Abenteuer des Grafen Bobby“ unter der Regie von namhaften Regisseuren wie Franz Antel, Ernst Marischka und Rolf Olsen.

Seine vielleicht größte Leidenschaft aber ist der Motorsport. Ende der 1950er Jahre gründet Philipp einen eigenen Rennstall und startet in der Gran Tourismo-Klasse. In den 1960er Jahren wird er mehrmals österreichischer Staatsmeister. Nach dem Ende seiner aktiven Renn-Laufbahn bleibt er dem Motorsport als Journalist für den ORF und der Presse treu. Daneben spielt er erfolgreich Theater, schreibt Lustspiele, tritt in zahlreichen Fernsehshows auf und moderiert Fernsehsendungen und Magazine.

Die Dokumentation von Regina Nassiri und Georg Schütz zeigt neue Seiten von Gunther Philipp - abseits des Klischees des Komikers.

21.05 Uhr
Wh. So 10.25 Uhr, Mo 00.10 Uhr,
Do, 7.11., 09.45 Uhr

ORF Legenden: Kurt Sobotka

Künstlerportrait, 2018

Kurt Sobotka (1930-2017) wurde in Wien geboren und besuchte dort die Handelsakadamie und das Konservatorim Prayner für Musik und dramatische Kunst. Er spielte in Wiener Kellertheatern wie dem Studio der Hochschulen, dem Theater der Courage und dem Theater am Parkring, bevor er 1957 im Theater in der Josefstadt debütierte und einige Spielzeiten als Gastschauspieler viel beschäftigt war. Es folgten mehrere Jahre am Theater am Kärntnertor, Engagements am Wiener Volkstheater, am Hansa Theater Berlin, am Hamburger Thalia Theater und am Zürcher Schauspielhaus.

Über 35 eigene Theaterinszenierungen, knapp 70 Jahre auf der Bühne, Auftritte in rund 100 Josefstadt-Produktionen, mehr als 450 Fernsehfilme und mindestens 2.500 Rundfunksendungen - das sind die beeindruckenden Zahlen zu seinem künstlerischem Wirken. Spitzzüngig hat er die goldenen Zeiten des Kabarett Simpl mitgeprägt und stand mit Größen wie Karl Farkas, Helmut Qualtinger und Gerhard Bronner auf der Bühne. 31 Jahre lang hat er nahezu jeden Sonntag die Ö1-Satire „Guglhupf“ brennheiß serviert und im hauseigenen Tonstudio zubereitet. Er hat pointensicher die nur scheinbar so leichte Muse des gehobenen Boulevards geadelt, und im Charakterfach den kleinen Mann ebenso menschlich gegeben wie den lieben Gott. Kurt Sobotka war auch abseits der Josefstadt immer wieder als Regisseur und Schauspieler tätig - blieb aber der Josefstadt immer verbunden.

Günter Kaindlstorfer wirft in dieser ORF-III-Neuproduktion einen genauen Blick auf das Schaffen des Publikumslieblings, der die Musik im Blut hatte.

ORF Legenden 
Kurt Sobotka

ORF/ORF III

Kurt Sobotka

21.55 Uhr
Wh. So 09.35 Uhr, Mo 01.00 Uhr,
Do, 7.11., 10.35 Uhr

ORF Legenden: Paul Hörbiger

Künstlerportrait, 2019

Mit Paul Hörbiger (1894-1981) erinnert die ORF III Neuproduktion von Regisseur Günter Kaindlstorfer an eine österreichische Ikone, einen leutseligen, charmanten und vielseitigen Schauspieler. Zusammen mit Bruder Attila und Schwägerin Paula Wessely hat Paul Hörbiger die österreichische Schauspieler-Dynastie der Hörbigers mitbegründet.

In 250 Spielfilmen und unzähligen Theaterproduktionen verkörperte der Publikumsliebling über sechs Jahrzehnte lang sympathische Volkstypen wie Fiaker, Heurigensänger, Hausknechte, Dienstmänner und Schuster, er spielte aber auch Ärzte, Kavaliere und bedeutende Künstler wie Franz Schubert, Johann Strauß und Franz Grillparzer.

Paul Hörbiger, in jungen Jahren auf die Rolle des kauzigen Leichtfußes mit Heurigen-Charme festgelegt, war in vielem so etwas wie das Inbild des Durchschnittsösterreichers - auch in seinem Verhalten während der NS-Zeit. Im Frühjahr 1938 stellte sich der Leinwandstar der NS-Propaganda, wie viele andere Künstler, für einen Aufruf zur „Anschluss“-Volksabstimmung zur Verfügung. In der Folge gehörte Paul Hörbiger zu den meistbeschäftigten Schauspielern des Dritten Reiches. 1944 setzte ihn Joseph Goebbels sogar auf die sogenannte Gottbegnadeten-Liste.

ORF-Legenden 
Paul Hörbiger

ORF/ORF III

Paul Hörbiger mit seiner Familie.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs schloss sich Hörbiger dann einer Widerstandsgruppe an. Dabei dürfte er seine politische Unantastbarkeit als „Gottbegnadeter“ überschätzt haben: er übergab der Widerstandsgruppe rund um den Kaffeehausbesitzer Richard Patsch kurzerhand einen Scheck über 3000 Reichsmark mit seiner eigenhändigen Unterschrift. Die Folge: Hörbiger wurde im Wiener Landesgericht inhaftiert und wegen „Hochverrats“ zum Tod verurteilt. Das Kriegsende und die Niederlage der Nazis retteten ihm das Leben.

Nach dem Krieg konnte Hörbiger seine Karriere ohne Unterbrechung fortsetzen: in den 1940er- und 50er-Jahren drehte er einige seiner erfolgreichsten Filme: „Der Hofrat Geiger“ (1947), „Der Engel mit der Posaune“ (1949), „Der dritte Mann“ (1949) und „Hallo, Dienstmann“ (1952).