Heimat Österreich

Die Kraft des Waldes - Die letzten Pecher von Hernstein

Eine mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit humorvolle Dokumentation, die einen Blick auf ein fast ausgestorbenes Gewerbe wirft und dessen Zauber wieder lebendig werden lässt.

Heimat Österreich: Die Kraft des Waldes - Die letzten Pecher von Hernstein

Dokumentation, 2019

Mittwoch, 23.10.2019, 20.15 Uhr
Wh. Fr 10.55 Uhr, Sa 09.30 Uhr,
Mi, 30.10., 09.00 Uhr

Der Wald ist ein unerschöpfliches Reservoir an Lebenskraft – niemand weiß das besser als die sogenannten Pecher, also die Waldarbeiter, die das Harz aus den Bäumen gewinnen. In Hernstein hat sich die alte Tradition des Pechers noch erhalten. Das Harz von hier gilt als eines der besten der Welt, es wird unter anderem zur Herstellung von Salben eingesetzt. Regisseur Wolfgang Niedermair hat die Menschen hier begleitet, wie sie mit der Natur leben. Er zeigt einen harten, aber auch erfüllenden Beruf, den heute allerdings nur mehr wenige ausüben.

Rund um die Gemeinde Hernstein florierte bis in die 1960er Jahre die sogenannte Pecherei, das Sammeln von Harz. Vom Harz der Schwarzföhren waren in dieser Zeit ganze Industrien abhängig. Ob Farb- oder Papierindustrie - ohne die Harzprodukte Terpentin und Kolophonium aus Hernstein ging es nicht. Dann brachten Billigimporte und der Einsatz von Kunstharzen die Pechgewinnung in Österreich zum Erliegen, der Pechmarkt brach völlig ein, und die Pecher mussten sich eine neue Lebensgrundlage suchen. Das Pechen war eine anstrengende Tätigkeit, bei der alles schnell gehen musste. Denn ein Pecher bearbeitete bis zu 500 Bäume pro Tag - und das 6 Mal die Woche. 4 Mal im Jahr wurden die Pechhäferl entleert, noch viel öfter Regenwasser entfernt. Ein enormer Aufwand, in einer 40-Stunden-Woche nicht zu schaffen.

Die Kraft des Waldes - Die letzten Pecher von Hernstein

ORF/Wolfgang Niedermair

Pechbaum mit Pechhäferl

Heute erlebt die Pecherei eine Renaissance, wenn auch nur durch einzelne Pecher. Seinen Lebensunterhalt verdient sich in Hernstein keiner mehr mit dem Ernten von Pech. Die einen sammeln das Harz für den persönlichen Bedarf, andere wieder verdienen damit etwas Geld. Leopold Schneidhofer war 27 Jahre lang Pecher - und das, obwohl er eigentlich von der Familie her studieren hätte sollen. Später arbeitete er in der Landesregierung und war über 20 Jahre lang Bürgermeister von Hernstein.

Anna Steurer war die einzige waschechte Pecherin in der Region. Sie und ihr Mann bepechten von 1950 bis 1970 mehrere Waldstücke. Sie kann sich gut an die Lieder der Pecher erinnern und an ihr Moped, mit dem sie durch die Wälder rauschte. Franz Zigeuner kam in seiner Jugend zum Handkuss und musste am elterlichen Bauernhof pechen, nachdem der dort tätige Pecher in Pension gegangen war. Eine richtige Strafarbeit, sagt er. Er war heilfroh, als es mit dem Pechen endlich vorbei war.

Josef Kaiser hat mit seinem Vater in seiner Kindheit 4.000 Bäume bepecht, heute bewirtschaftet er nur mehr eine Hand voll und nutzt das Pech vor allem als Duftstoff für sein Wohnzimmer. Auch Michael Steiner pechte mit seinem Vater. Er liebte es damals nicht sonderlich, heute ist es für ihn ein entspannendes Hobby. Für den heutigen Bürgermeister Leopold Nebel war das Pechen in seiner Jugend vor allem eines: Training.

Peter Wieser ist ein „moderner“ Pecher. Bis er sein Pech in Form einer „Pechsalbe“ verkaufen durfte, musste er einige Ausbildungen absolvieren und das Pech zertifizieren lassen. Ein Teil seiner Ernte landet auf dem Esstisch, denn ein Teil seines Peches wird mit hochwertigen Trauben zu einem „Pechertröpferl“ vergoren. Dieser Wein ist allein durch das Harz haltbar und enthält keinerlei Schwefel.

Das Pechen hat auch in der Volkskultur seine Spuren hinterlassen. Auf Karin Steiner aus Aigen bei Hernstein geht das Hernsteiner Dirndl zurück, das ein Pechhäferl in die Auszier integriert hat, und der Grillenberger Raimund Fidler baut für Dekorationszwecke das alte Pechpittel nach, einen Sammelbehälter für Pech.

Die Kraft des Waldes - Die letzten Pecher von Hernstein

ORF/Wolfgang Niedermair

Anna Steurer, ehemalige Pecherin

Die Kraft des Waldes - Die letzten Pecher von Hernstein

ORF/Wolfgang Niedermair

Pecherhütte

Die Kraft des Waldes - Die letzten Pecher von Hernstein

ORF/Wolfgang Niedermair

Zubereitung Pechersterz

Dokumentation, 2019


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Im steirischen Vulkanland

    Martin Vogg zeigt den Wandel in der stark von Traditionen geprägten Region über die vergangenen Jahrzehnte. Einheimische sprechen über den Reiz und die Rauheit des Lebens in ihrer Heimat.

  • Leben auf der Rax - Der Berg der Gämse

    80 Kilometer von Wien entfernt liegt die Rax, ein rd. 2000 Meter hohes Bergmassiv. Hier haben sich trotz Tourismus die Werte der bäuerlich geprägten Gesellschaft erhalten.

  • Leben im Gailtal

    Die Menschen im Unteren Gailtal an der Grenze zu Italien feiern ihr Brauchtum wie in den letzten 100 Jahren. Im Zentrum der Dokumentation steht der Kirchtag in Feistritz an der Gail mit dem spektakulären Kufenstechen.

  • Hubert von Goisern „Brenna tuat’s schon lang“

    Die Dokumentation von Markus Rosenmüller wirft einen Blick auf die Lebensgeschichte Hubert von Goiserns. Seine Beziehungen zwischen den Welten und Kulturen, sein Denken und Schaffen, untermalt mit den bekannten Klängen seiner Musik, ergeben einen Musikfilm der besonderen Art.