Aus dem Rahmen: Das Schloss Esterhazy in Ungarn

Kunstkenner Karl Hohenlohe besucht Schloss Esterhazy in Fertöd und erzählt von der spannenden Geschichte des Rokokoschlosses.

Aus dem Rahmen: Das Schloss Esterhazy in Ungarn

Museumsmagazin, 2019

Dienstag, 8.10.2019, 21.55 Uhr
Wh. Mi 00.55 Uhr, Do 04.55 Uhr,
So 05.50 Uhr

Nahe der österreichischen Grenze, im fruchtbaren Flachland nebst dem Neusiedler See gelegen, steht heute eines der größten Rokokoschlösser Ungarns, das zum Weltkulturerbe gehört und in einen umfangreichen Nationalpark eingebunden ist. Anfang des 18. Jahrhunderts durch die Fürsten Esterhazy von einem kleinen Jagdschloss in eine prunkvolle Sommerresidenz umgebaut, bildet es heute in perfektem Zustand ein eindrucksvolles Exempel eines spätbarocken Repräsentationsbaus. In seinen Konzertsälen musizierte über zwei Jahrzehnte Joseph Haydn, im Schlosspark steht ein Pavillon, der anlässlich des Besuchs Maria Theresias errichtet worden war und dessen Name „Bagatelle“ an die Antwort des Fürsten auf die Frage nach den Baukosten erinnert. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges diente es regelmäßig als Wohnsitz der Familie, bis 1945 durch Ungarn die Enteignung folgte.

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Das Schloss Esterhazy in Ungarn , 2019

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Schloss Esterhazy

Am Beginn des 18. Jahrhunderts ließ Michael Fürst Esterházy an der Stelle des späteren Schlosses ein kleines Jagdschloss errichten. Eine Generation später, wurde Nikolaus I. Oberhaupt der Familie, nachdem sein älterer Bruder Paul II. Anton überraschend starb. Nikolaus ließ das Jagdschloss zu einer prachtvollen Sommerresidenz umbauen. Die Pläne stammten von Wiener Hofbaumeistern und das Material für die Steinmetzarbeiten kam überwiegend aus den Steinbrüchen St. Margarethen.

Ähnlichkeiten mit der kaiserlichen Sommerresidenz Schloss Schönbrunn in Wien sind kein Zufall. Die Habsburger wiederum hatten für Schönbrunn Versailles als Vorbild, das Nikolaus I. auch besucht hatte. Schloss Esterházy wird daher auch als ungarisches Versailles“ bezeichnet. In seiner Sommerresidenz entfaltete Nikolaus I. ein prachtvolles, kostspieliges Leben mit Opern- und Theateraufführungen, Bällen, Jagden und Festen. Für die musikalische Seite war als Leiter der Hofkapelle Joseph Haydn verantwortlich, der für das Opernhaus zahlreiche Werke komponierte. Die Konzerte fanden im Schloss statt. Hier wurde auch Haydns „Abschiedssymphonie“ uraufgeführt, bei der die Orchestermusiker, deren Part zu Ende ist, die Bühne verlassen, bis nurmehr einer zu Ende spielt.

Unter den zahlreichen Gästen des Schlosses war die Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn Maria Theresia. Das Schloss wurde dafür von 150 Leibgarden bewacht und in den Ställen war Platz für 110 Pferde. All das trug Nikolaus I. den Beinamen „der Prachtliebende“ ein. Der aufwendige Lebensstil des Fürsten schlug sich allerdings auch in der Bilanz nieder. Gigantische 3,8 Millionen Gulden Schulden hinterließ der Fürst seinem Sohn und Nachfolger, Anton (I.).

Mit dem Ende des ersten Weltkrieges und dem Vertrag von Trianon im Jahr 1920 befanden sich die Esterházyschen Güter plötzlich in fünf verschiedenen Ländern: Ungarn, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Rumänien, Österreich. Der Besitz im Burgenland blieb in privatem Eigentum, jener in Ungarn wurde von der kommunistischen Regierung nach 1947 enteignet.

Auch der Zweite Weltkrieg stellte einen großen Einschnitt im Leben der Familie Esterházy dar. Teile der Familie flohen vor der sowjetischen Besatzung. Andere, wie Graf Moritz Esterházy, der 1917 Ministerpräsident von Ungarn war, und der damalige Fürst Paul V. Esterházy, blieben im Land. Fürst Paul V. wurde in einem Schauprozess 1948 von den Kommunisten zu 15 Jahren Einzelhaft verurteilt. Erst während des Ungarnaufstands 1956 gelang ihm die Flucht. Nach Pauls Tod 1989 ging das ehemalige Fideikommisseigentum in Österreich auf dessen Witwe Melinda Esterházy über. Bald darauf brachte sie dieses Vermögen in eine österreichische Privatstiftung zur Bewahrung des Familienerbes ein und übergab die Oberaufsicht der wirtschaftlichen Belange 2002 an ihren Neffen Stefan Ottrubay. Fürst Anton II. nimmt lediglich repräsentative Angelegenheiten der Familie wahr.

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Das Schloss Esterhazy in Ungarn , 2019

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Karl Hohenlohe vor Schloss Esterhazy

Museumsmagazin, 2019


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