Wilde Reise mit Erich Pröll

Lungau - Wildnis im Herzen der Tauern

Die Dokumentation von Regisseurin Waltraud Paschinger führt in die faszinierende Welt der naturnahen Berg- und Tallandschaften des Lungau und öffnet den Blick für eine weitgehend unberührte Natur – und für Tiergeschichten, die unseren Augen meist verborgen bleiben.

Wilde Reise mit Erich Pröll: Lungau - Wildnis im Herzen der Tauern

Dokumentation, 2017

Donnerstag, 3.10.2019, 20.15 Uhr
Wh. Fr 09.00 Uhr

Umrahmt von den Bergen der Gurktaler Alpen und den mächtigen Gipfeln der Hohen und Niederen Tauern liegt der Lungau - Salzburgs südöstlichste Region. Mehr als ein Jahr war das Filmteam unterwegs, um den Lungau für diese Dokumentation zu entdecken und zu porträtieren. Die Naturdokumentation taucht tief in die geheimnisvolle Welt der fünf großen Täler des Lungaus ein.

An die 60 glasklare Bergseen, unzählige geheimnisvolle Moore und Feuchtwiesen, dazwischen ein blühendes Hochtal, das vom Himmel aus gesehen fast wie der Abdruck einer Hand aussieht: die Geografie des Lungaus kurz und treffend zu beschreiben, ist nicht einfach. Leichter ist es wohl, dieses imposante Gemenge aus schroffen Gipfeln, mächtigen Gebirgsstöcken und sanften Tälern anhand seiner vielfältigen Natur und bunten Tierwelt vorzustellen, denn der Lungau ist nicht nur das Revier stolzer Adler, sondern auch eine wundervolle Kulisse für blitzschnelle Schneehasen, freche Iltisse und flinke Gämsen. Majestätische Steinböcke präsentieren sich auf dieser Bühne ebenso wie die zierlichen Karmingimpel oder die winzigen Braunkehlchen, die aus Afrika zu ihren Nistplätzen gekommen sind.

Universum
Lungau - Wildnis im Herzen der Tauern

ORF/dreiD.at filmproduktion/Johannes Pötscher

Twengeralmsee

Die Dokumentation führt durch alle Höhenlagen des Lungaus. Auch durch die Winter in den kargen Gipfelregionen, wo sich das Team auf die Spuren von Schneehasen und Schneehühnern geheftet hat. Mehr als 1.500 Höhenmeter unter den höchsten Gipfeln liegt das handförmige Hochtal. Hier kann man die Sommer mit der kunterbunten Singvogelgemeinschaft verbringen, die in den extensiv bewirtschafteten Wiesen und Weidegebieten brütet und die den Lungau auszeichnet. Darunter finden sich das scheue Braunkehlchen, kaum 20 Gramm schwer, und der Neuntöter, der seine Jungen mit riesigen Insekten füttert und großzieht.

Im Moor lebt eine Iltisfamilie. Iltisse sind kluge und unerschrockene Jäger. Wenn die Fähe im Frühjahr auf Froschjagd geht, betäubt sie die Frösche mit einem Nackenbiss und stapelt sie als Frischfleisch in ihrem Bau. Grausam? – „Nein finde ich nicht. Es ist nur eine der Millionen Spielarten der Natur, die trotz aller Schönheit eben auch immer ums Überleben kämpft“, so Regisseurin Waltraud Paschinger. „In die Iltisse habe ich mich verliebt. Sie schauen mit ihren großen Augen nett und harmlos aus, sind aber blitzschnelle, hochkonzentrierte Jäger. Sie jagen nicht selten Beute, die doppelt so groß ist wie sie selbst.“ Das Kamerateam konnte sogar die tollpatschig anmutenden Iltisjungen bei ihrem ersten Ausflug filmen. Und in den Monaten davor sorgte eine in der Bruthöhle angebrachte Minikamera für besondere Einblicke in die Kinderstube der scheuen Iltisfamilie.

Universum
Lungau - Wildnis im Herzen der Tauern

ORF/dreiD.at filmproduktion/Johannes Pötscher

Junger Iltis

Den Lungau muss man sich erwandern. Straßen führen nur bis zum Talschluss, dann beginnen die Fußwege. „Sie eröffnen Einblicke in Landschaften, die vor allem im Herbst in ihrer Weite und Einsamkeit an Kanada erinnern“, sagt Produzent Lukas Kogler. Ihn hat die Gamsbrunft am stärksten beeindruckt. Dann jagen sich die Böcke gegenseitig über fast senkrechte Felsen, preschen in atemberaubender Geschwindigkeit durch Schutthalden und fliegen mit gewaltigen Sprüngen über die Gräben und Canyons des Gebirges.

„Mich hat die Geburt eines Adlerjungen tief berührt“, erzählt Kameramann Johannes Pötscher, „und wie sich dieses winzige, fast nackte Küken inmitten der rauen Bergwelt aus dem Ei kämpft.“ Zwölf Stunden musste er hinter der Kamera auf diesen Moment warten. Nicht ganz so lange hat es gedauert, bis die Ameisen preisgaben, mit welch geheimnisvollem Heilmittel sie ihren Bau desinfizieren. Nämlich mit winzigen Tropfen Zirbenharz. Die Ameisen selbst sind auch Saubermacher: sie produzieren Säure, die Parasiten vertreibt. Beispielsweise aus dem Gefieder von Auerhähnen, die sich aus diesem Grund zwischendurch gern einmal auf einem Ameisenhügel breitmachen.

Universum
Lungau - Wildnis im Herzen der Tauern

ORF/dreiD.at filmproduktion/Johannes Pötscher

Steinadler füttert sein Junges

Der Film erzählt auch von den Ursprüngen eines alten, sehr eindrucksvollen Brauchtums: von den Anfängen der Prangstangen-Prozessionen. Bis zu 8 Meter hoch sind diese Stangen. Sie werden im Juni rund um die Sommersonnenwende, geschmückt mit bis zu 50.000 einzelnen Blüten, durch den Ort getragen. Zu verdanken ist dieser farbenprächtige Brauch einer Heuschreckenplage, die den Lungau im 17. Jahrhundert heimsuchte. Der Legende nach wurde damals nicht nur die Ernte, sondern die komplette Vegetation vernichtet – bis auf die Margeriten, die nun die Prangstangen mehrheitlich schmücken.

Wenn im August Schüsse über den Prebersee nahe Tamsweg knallen, dann neigt sich der kurze, aber intensive Sommer im Lungau langsam dem Ende zu. Das Prebersee-Schießen zieht Schützen aus aller Welt an. Die Besonderheit: via Wasseroberfläche wird indirekt auf Zielscheiben gezielt und geschossen. Das Wasser dieses Moorgewässers zeichnet sich durch hohes physikalisches Gewicht aus. Dadurch kann es das Geschoß reflektieren – und im besten Fall als beabsichtigten Querschläger auf die hölzerne Zielscheibe am anderen Seeufer lenken.

Universum
Lungau - Wildnis im Herzen der Tauern

ORF/dreiD.at filmproduktion/Johannes Pötscher

Prebersee

Nicht nur in den Herbstnebeln haftet den unberührten Landschaften des Lungaus ein Hauch von Magie an. Und damit das noch lange so bleiben kann, ist der Lungau seit 2012 Biosphärenpark. Das schützt auch die Lonka, die dem Lungau wohl einst den Namen gab. Dieser Fluss darf ungestört und unreguliert im Weißpriachtal mäandern und bietet Tausenden Fröschen, Kröten und Molchen im Frühjahr perfekte Laichplätze. Wer dann durch den Lungau streift, dem öffnet sich die Natur.

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Lungau - Wildnis im Herzen der Tauern

ORF/dreiD.at filmproduktion/Johannes Pötscher

Sonnenaufgang Bärensee

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Lungau - Wildnis im Herzen der Tauern

ORF/dreiD.at filmproduktion/Johannes Pötscher

Junge Neuntöter im Nest

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Auerhahn bei der Balz

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Metersee

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Landawiersee

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Rosaninsee

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Wirpitschsee

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Landawiersee

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ORF/dreiD.at filmproduktion/Johannes Pötscher

Prebersee

Dokumentation, 2017


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Tierparadiese der Erde

    Eine Sammlung von Kurzfilmen führt den Zuschauer um die Welt und zeigt seltene teils kuriose Tiere.

  • Wilde Reise mit Erich Pröll

    Erich Pröll hat am 9. September seinen 70. Geburtstag gefeiert. ORF III würdigt den Filmemacher mit einem dreiteiligen „Wilde-Reise“-Abend am Donnerstag, dem 26. September.

  • Das Kap - Zwischen Tropen und Eismeer

    In atemberaubenden Bildern zeigt die Dokumentation das kontrastreiche Leben am Kap zwischen Indischem und Atlantischem Ozean.

  • Sonnenberge - Von der Rax zur Buckligen Welt

    Schon im 19. Jahrhundert sind die Menschen dem Charme der Sonnenberge erlegen. Hier ist die Wiege der Sommerfrische, hier nahm Österreichs erste Seilbahn 1926 den Betrieb auf.