ORF III Spezial

Quantensprung Spezial - 50 Jahre Mondlandung

50 Jahre nach den berühmten Worten Neil Armstrongs fragt Andreas Jäger in einem „Quantensprung Spezial“ nach dem Status Quo der bemannten Raumfahrt.

Quantensprung Spezial: 50 Jahre Mondlandung

Dokumentation, 2019

Sonntag, 21.07.2019, 20.15 Uhr

Nach Jahrzehnten des Stillstands zieht es den Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts offenbar wieder vermehrt ins All. Die USA wollen in den nächsten fünf Jahren wieder Menschen auf den Mond schicken, und private Firmen - allen voran Elon Musks „SpaceX“ - träumen davon, zahlungskräftige Touristen zum Mond zu fliegen. Aber wie geht das eigentlich? Welche physikalischen und technischen Hindernisse sind für den Flug zum Mond zu überwinden? Wie konnte das vor 50 Jahren gelingen? Und werden irgendwann Menschen auf dem Mond leben? Darüber spricht Andreas Jäger unter anderem mit der europäischen Raumfahrtlegende Thomas Reiter aus Deutschland, sowie mit der österreichischen Weltraumpionier Franz Viehböck.

Viehböck, der als bisher einziger Österreicher ins All geflogen ist, legt sich bei der Frage, wer die nächsten Menschen auf dem Mond sein werden, fest: „Meiner Meinung nach werden es wahrscheinlich die Chinesen sein, weil die sehr pragmatisch seit vielen, vielen Jahren schon ein Weltraumprogramm haben, das die Schritt für Schritt sozusagen abarbeiten.“ Die lange Pause bei den bemannten Mondflügen, der bisher letzte erfolgte im Jahr 1972, hat laut Viehböck politische Gründe: Nachdem die USA das ursprüngliche Rennen zum Mond vor 50 Jahren gewonnen hätten, sei sowohl in Amerika als auch in Russland der wichtigste Motivationstreiber weggefallen.

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50 Jahre Mondlandung

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Oman.

Ähnlich sieht das auch Thomas Reiter, den Andereas Jäger in Darmstadt trifft, einem der Hauptsitze der European Space Agency (ESA). Seiner Meinung nach sind neben der fehlenden Motivation auch die technischen Grundlagen für Mondflüge mit der Zeit geschwunden. „Es ist ja interessant, dass die Techniker von NASA und den entsprechenden Raumfahrtfirmen in den USA tatsächlich dann ins Museum gegangen sind und beispielsweise sich nochmal genau die Oberstufentriebwerke von der Saturn-V-Rakete angeschaut haben, Materialproben genommen haben, das vermessen haben“, sagt er, „weil es reicht nicht eben, nur die Blaupausen aus der Schublade zu ziehen – da ist so viel Erfahrung mit drin, die man sich heute erst wieder erarbeiten muss.“

Im Quantensprung-Auto spricht Reiter, der sowohl auf der russischen Raumstation MIR als auch auf der internationalen Raumstation ISS stationiert war und insgesamt fast ein Jahr im All verbracht hat, außerdem über seine Begegnung mit Neil Armstrong und über das Leben und Arbeiten in der Schwerelosigkeit. Als 11-jähriger habe er Armstrong einen Brief geschrieben, den dieser aber nie erhalten habe, erzählt Reiter. Erst Jahrzehnte später, als er selbst auf der ISS stationiert war, habe er über Umwege und via Fax eine Antwort von Armstrong bekommen.

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Rakete, esoc.

Reiter verrät aber auch seine Einschätzung zum neuen Wettrennen im Weltraum. Mitte des nächsten Jahrzehnts würden wieder Menschen am Mond landen, so seine Prognose. Der Mond sei aber gleichzeitig nur Zwischenstation auf der Reise zum eigentlichen nächsten Ziel der Menschheit: dem Mars. Reiter: „Menschen haben in ihrer Entwicklung immer danach gesucht: Was liegt hinter dem Horizont? Und diese Horizonte haben sich jetzt von der Erde auf den Bereich jenseits der Atmosphäre fokussiert und wenn es technisch möglich sein wird – und daran hab ich keinen Zweifel – dann werden wir das tun. Und ich hoffe, dass wir dann als Europa dabei sein werden.“

Außerdem in diesem „Quantensprung Spezial“: In Darmstadt besucht Andreas Jäger das Satelliten-Kontrollzentrum der ESA, von wo aus Projekte wie die Aufsehen erregende Rosetta-Mission (2004-2016) gesteuert werden, bei der erstmals ein Raumfahrzeug auf einem Kometen gelandet wurde. Jäger besucht das Astronauten-Trainingszentrum der ESA in Köln und probiert dort die so genannte Kurzarm-Humanzentrifuge aus. In einem Rückblick auf die „AMADEE-18“-Mission, bei der 2018 unter österreichischer Leitung im Oman Technologien für die Reise zum Mars getestet wurden, zeigt „Quantensprung“, wie man künftig auf dem Mars Wasser finden will. Und: In Wien besucht Jäger ein Büro für Weltraumarchitektur und erfährt dort, welche besonderen Herausforderungen sich stellen, wenn man Behausungen für den Einsatz auf dem Mond oder in der Schwerelosigkeit konzipiert.

Quantensprung Spezial 
50 Jahre Mondlandung

ORF/Clever Contents

Franz Viehböck, Andreas Jäger.

Dokumentation, 2019


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