zeit.geschichte

Attentat auf Hitler: Carl Szokoll - Der letzte Kronzeuge Stauffenbergs

Warum blieb Carl Szokoll unentdeckt, während alle anderen Mitstreiter von Stauffenberg verhaftet und hingerichtet wurden? Er hatte Glück, erzählt er in dieser Dokumentation - und riskierte wenig später noch einmal Kopf und Kragen.

zeit.geschichte: Attentat auf Hitler: Stauffenberg - Die wahre Geschichte

Dokumentation, 2004

Samstag, 13.7.2019, 22.10 Uhr
Wh. So 23.45 Uhr

„Die Jugend von heute braucht wieder Ideale und sie braucht vor allem angesichts des neuen Europas auch viel Zivilcourage. Diese Werte zu vermitteln, bin ich verpflichtet.“ Das sagte Carl Szokoll (1915-2004) als Nazi-Widerstandskämpfer am Stauffenberg-Attentat beteiligt und erst mehr als vier Jahrzehnte nach Ende des Krieges als einer der „Retter von Wien“ im Jahr 1945 gefeiert. Ihm ist diese halbstündige Dokumentation von Peter Dusek und Regisseur Georg Madeja gewidmet.

Carl Szokoll kann als letzter Kronzeuge des missglückten Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler bezeichnet werden. Wenn der 88-Jährige von seiner lebensgefährlichen Teilnahme an der Aktion „Walküre“ im Juli 1944 Schülern von heute erzählt, dann münden seine Erinnerungen stets in den Satz: „Wir leben in viel besseren Zeiten als im grauenhaften NS-Regime, aber Zivilcourage ist immer notwendig.“

Der letzte Kronzeuge Stauffenbergs: Carl Szokoll und die Zivilcourage Der letzte Kronzeuge Stauffenbergs 
Carl Szokoll und die Zivilcourage

ORF

Carl Szokoll 1938 als Kadett der Militärakademie Wr. Neustadt

Warum blieb Carl Szokoll unentdeckt, während alle anderen Mitstreiter von Stauffenberg verhaftet und hingerichtet wurden? „Ich hatte Glück. Stauffenberg riet mir bei einem letzten Zusammentreffen, in Hinkunft mich über die Stiefelausgabestelle mit ihm verbinden zu lassen.“ sagt er. Offenbar gab er diesen Rat nicht an andere weiter, denn als am 20. Juli 1944 das Bombenattentat misslang, wurden alle hingerichtet, die Stauffenberg direkt angerufen hatten. Nur Major Szokoll ließ sich über die Wäschekammer bzw. Stiefelausgabestelle mit dem Kopf der Aktion „Walküre“ verbinden.

Carl Szokoll riskierte wenige Monate später noch einmal Kopf und Kragen. In der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs gehörte er zu jenen, die die Politik der verbrannten Erde durch die Nationalsozialisten vereitelten und zugleich den Kontakt zur Sowjetarmee herstellten. Dadurch wurde Wien ein Schicksal wie Budapest erspart. Carl Szokoll entging auch im Frühjahr 1945 nur knapp der Verhaftung und Hinrichtung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er seine Widerstandserfahrungen als Filmproduzent auf und war u. a. für den Erfolgsfilm „Die letzte Brücke“ mit Bernhard Wicki und Maria Schell verantwortlich. Noch heute agiert er als Zeitzeuge vor Schülern und Lehrern, um seine Lebenserinnerungen an die nächsten Generationen weiterzugeben.

In der halbstündigen Dokumentation wird der aufregende Lebensweg des zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 88-jährigen Carl Szokoll nacherzählt und man erlebt ihn auch bei Veranstaltungen mit der Jugend von heute. Neben authentischem Archivmaterial werden auch Zitate aus diversen Stauffenberg-Verfilmungen gebracht.

Der letzte Kronzeuge Stauffenbergs: Carl Szokoll und die Zivilcourage Der letzte Kronzeuge Stauffenbergs 
Carl Szokoll und die Zivilcourage

ORF/Hans Leitner

Carl Szokoll

Dokumentation, 2004


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