Erlebnis Bühne mit Barbara Rett

Pfingsten mit Cecilia Bartoli „Das Versailles-Konzert“

Cecilia Bartoli und Philippe Jaroussky singen vor der wunderschönen Kulisse von Versailles Arien aus Opern von Agostino Steffani.

Erlebnis Bühne mit Barbara Rett: Pfingsten mit Cecilia Bartoli: Das Versailles-Konzert (2012)

Sonntag, 9.6.2019, 20.15 Uhr

Cecilia Bartoli, die unermüdlich auf der Suche nach originellen Konzepten und musikalischem Neuland ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den vergessenen italienischen Komponisten Agostino Steffani (1654-1728) ins Bewusstsein der Musikwelt zu rufen. In den Alleen und Gemächern von Versailles bringt ihre wunderbare Stimme Werke des faszinierenden Musikers zu Gehör. Begleitet wird sie von dem französischen Countertenor Philippe Jaroussky, der sich ebenfalls mit großer Begeisterung dem in Vergessenheit geratenen Repertoire widmet.

Agostino Steffani, ein Zeitgenosse von Girolamo Frescobaldi und Francesco Cavalli, verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Paris, wo er Lullys Musik entdeckte, und später in Deutschland, wo er sich mit den Regeln des Kontrapunkts vertraut machte. Als Komponist war er ein Mittler zwischen dem italienischen, französischen und deutschen Stil. Seine Musikerlaufbahn verlief allerdings im Sande, als er Ende der 1690er Jahre mit diplomatischen Missionen betraut wurde, die er mit großem Erfolg wahrnahm. In späteren Jahren stellte er sein Leben in den Dienst von Kirche und Staat: er wurde zum Bischof berufen und blieb gleichzeitig Diplomat.

Gewiss erklärt sich daraus, dass Steffani in Abhandlungen über italienische Musik kaum auftaucht und sein Werk lange unbekannt blieb. Bei Musikwissenschaftlern gilt er jedoch heute als „einer der bedeutendsten Opernkomponisten seiner Zeit und als unumstrittener Meister des Gesangsduetts“, so Colin Timms. Den überzeugenden Beweis dafür liefert Cecilia Bartoli gemeinsam mit dem Countertenor Philippe Jaroussky.

Pfingsten mit Cecilia Bartoli: Das Versailles-Konzert 
 
Originaltitel: Ceilia Bartoli - Mission

ARTE France/Hervé Martin

Cecilia Bartoli

Die in Rom geborene italienische Mezzosopranistin Cecilia Bartoli trat 1974 an der Oper ihrer Heimatstadt als Hirte in Puccinis „Tosca“ erstmals öffentlich auf. Ihr Studium absolvierte sie am Römischen Musikkonservatorium und wurde außerdem von ihren Eltern Silvana Bazzoni und Angelo Bartoli unterrichtet, die beide Sänger waren. 1985 wurde sie bekannt, als sie an der Pariser Oper in einem Gedenkkonzert für Maria Callas mitwirkte, 1988 trat sie in Hamburg in ihrer Paraderolle als Rosina in Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ auf. Diese Rolle sang sie auch in Rom, Zürich, Barcelona, Lyon, Houston und Dallas. 1990 wirkte sie unter Herbert von Karajan bei den Salzburger Osterfestspielen mit. 1991 war sie die Dorabella in Mozarts „Così fan tutte“ unter Zubin Mehta beim Maggio Musciale in Florenz, 1992 unter Daniel Barenboim. 1994 war sie in Wien die Despina unter Riccardo Muti und die Zerlina in Patrice Chéreaus Inszenierung von Mozarts „Don Giovanni“ unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim bei den Salzburger Festspielen, desgleichen 1993 in der Giorgio Strehler-Inszenierung an der Mailänder Scala. 1996 folgte ihr Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera; hier sang sie auch 1997 Rossinis „La Cenerentola“. 1998 trat sie in Zürich in Paisiellos „Nina“ und als Susanna auf - eine Partie, die sie im gleichen Jahr auch unter Levine an der Met sang. Einer der Höhepunkte der Saison 2002/2003 war ihr Auftritt in Rossinis „Il Turco in Italia“ am Opernhaus Zürich unter der musikalischen Leitung des Chefdirigenten Franz Welser-Möst.

Große Erfolge erzielte Cecilia Bartoli, eine der begehrtesten und erfolgreichsten Sängerinnen unserer Zeit, auch auf dem Konzertpodium und bei ihren gefeierten Liederabenden, den ersten davon gab sie 1989 in der Londoner Wigmore Hall. Als Barock-Interpretin hatte sie Auftritte mit dem Ensemble „Concentus Musicus Wien“, mit „Il Giardino Armonico“, mit der „Akademie für Alte Musik Berlin“ sowie „The Academy of Ancient Music“ und „Les Arts Florissants“. 2001 wurde sie in Deutschland „Künstlerin des Jahres“. Mit ihrem „Vivaldi Album“, das 1999 erschien, errang sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Cecilia Bartoli engagiert sich immer wieder für die Neuentdeckung von in Vergessenheit geratenen Kompositionen beziehungsweise Interpreten: die Welt der Kastraten aus dem 18. Jahrhundert hat sie auf ihrem Album „Sacrificium“ wieder aufleben lassen.

Philippe Jaroussky, geboren 1978 in Maisons-Laffitte im französischen Departement Yvelines, gilt als einer der besten Countertenöre der Gegenwart. Mühelos klettert er mit seiner Stimme in hohe Sopranlagen und bewältigt virtuose Koloraturen mit schwebender Leichtigkeit.
Im Alter von 11 Jahren erhielt er ersten Geigenunterricht, mit 15 begann er, Klavier zu lernen. An den berühmten Musikakademien von Versailles und Boulogne-Billancourt studierte er beide Instrumente sowie Harmonielehre und Komposition. Seine Gesangslehrerin Nicole Fallien, die ihn bis heute unterrichtet, entdeckte sein außerordentliches stimmliches Talent als er gerade einmal 18 Jahre alt war. Darüber hinaus verfolgte er seine Studien im Fach Alte Musik bei Michel Laplenie und Kenneth Weiss an der Pariser „École de Musique National-Régional“. Sein erstes großes Engagement erhielt er 1999 in einer Aufführung des Oratoriums Sedecia.

Konzert Schloss Versailles, 2012


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Kulissengespräche | „Idomeneo“

    Im Rahmen des 150-jährigen Jubiläums der Wiener Staatsoper zeigt ORF III die diesjährige Inszenierung des Hauses der ersten großen Mozartoper. Davor hat Barbara Rett mit den Protagonisten u.a. darüber gesprochen, wie sie sich auf die Aufführung vorbereiten.

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    Barbara Rett entführt mit Henrik Ibsens Stück und Edward Griegs Musik in der grandiosen Ballettversion von Edward Clug in die magische Sagenwelt des hohen Nordens.

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    Giuseppe Verdis letzte Oper ist eine gnadenlose Abrechung mit der Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft und Eitelkeit. ORF III zeigt die diesjährige Inszenierung der Wiener Staatsoper mit Carlos Alvarez in der Titelrolle.

  • 150 Jahre Wiener Staatsoper: Gedanken zur Staatsoper | Live: Das Jubiläumskonzert

    Eines der international bedeutendsten Opernhäuser feiert sein 150-jähriges Bestehen. ORF III feiert mit und würdigt das Haus am Ring am 26. Mai mit einem 4-teiligen „Erlebnis-Bühne“-Abend.