Kunst und Kultur am Dienstag

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Passend zum 50-jährigen Jubiläum der Erstveröffentlichung des „Sexualkunde-Atlas’“ begibt sich Karl Hohenlohe auf historische Spurensuche nach der Erotik in der Kunst.

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Kunst- und Antiquitätenmagazin, 2019

Dienstag, 4.6.2019, 20.15 Uhr
Wh. Mi 02.00 Uhr und 04.45 Uhr,
Fr 03.15 Uhr

Auf seiner Spurensuche nach Erotik in der Kunst entdeckt Moderator Karl Hohenlohe Sittsames und Verpöntes in zahlreichen Sujets. Er und sein Team nehmen eine laszive Bronze eines bedeutsamen französischen Skulpteurs der Jahrhundertwende unter die Lupe, untersuchen frivole Porzellangruppen und neckische Sittenbilder, wandern auf den Spuren des Kult-Bestellers „Vom Winde verweht“ und stellen die Schamgrenzen Alter Meister zur Schau.

Das Dekolleté des Jahrhunderts

Einen ganzen Kosmos an lasziven Skulpturen hatte einst der französische Künstler Louis Hottot entworfen. Die Sehnsucht nach der Exotik und der Kolonialismus haben Ende des 19. Jahrhunderts und um die Jahrhundertwende für einen regelrechten Hype erotischer Darstellungen gesorgt. Gerade in Paris, der Welthauptstadt des Nachtlebens, fanden einschlägige Gemälde, Skulpturen und später auch Photographien regen Zuspruch. Die Steirerin Ingrid Pail ist in Besitz einer Damenfigur in Bronze, die in einer äußerst entspannten Pose mit weit geöffnetem Dekolleté auf ihrem Stuhl lehnt und ihre Lektüre sichtlich genießt. Die Signatur L. Hottot lässt ein Original aus jener Zeit vermuten - um das zu überprüfen, hat Karl Hohenlohe Ingrid Pail mit seinem Oldtimer-Nostalgiebus in der zweitgrößten Stadt der Steiermark getroffen.

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Bronzefigur von L. Hottot

Vom Winde verweht

Wer kennt sie nicht: die stürmische Romanze zwischen Scarlett O’Hara und Rhett Butler während des amerikanischen Sezessionskriegs, besser bekannt unter dem Namen „Vom Winde verweht“. Die Verfilmung mit den Schauspielern Vivien Leigh und Clark Gable hat Kultcharakter und war seinerzeit nicht nur der Film mit der längsten Spieldauer, sondern mit Herstellungskosten von rund vier Millionen US-Dollar auch der teuerste Film überhaupt. Das sollte sich allerdings auch rentieren: mit einem Einspielergebnis von rund 3,44 Milliarden US-Dollar war „Gone with the wind“, wie der Film im Originaltitel heißt, das kommerziell erfolgreichste Werk der Filmgeschichte. Was viele nicht wissen: es handelt sich hier um eine Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Margaret Mitchell, der ebenfalls einer der größten Bestseller der Literaturgeschichte wurde. Bis heute wurden weltweit rund 30 Millionen Exemplare verkauft. Der Oberösterreicher Josef Holl ist im Besitz einer Originalausgabe von „Gone with the wind“ aus dem Jahr 1945, die in der Buchinnenseite auch eine Originalsignatur von Margaret Mitchell aufweist. Jubelfund oder Jahrhundertfake?

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Josef Holl mit seinem Exemplar von „Gone With The Wind“

Porzellan zum Verlieben

Adrian Steffny ist nicht nur ein erfolgreicher Interior Designer, er sammelt auch aus Leidenschaft Porzellan, und das bereits seit dem zarten Alter von neun Jahren. „Der entdeckte Liebhaber“, eine Bettgruppe mit einer jungen Ehefrau beim Frühstück, deren (älterer) Ehemann auf der Bettkante sitzend einen jungen Liebhaber unter dem Bett aufstöbert, ist ein Highlight seiner Sammlung - immerhin schaut Amor höchstpersönlich unter dem Kissen der Ehefrau hervor, mit Pfeil und Bogen in der Hand. Eine Baumgruppe mit sechs flirtenden Personen, ausgestattet mit Spinnrocken und Spindel bzw. einem flatternden Vogel, dem eine junge Frau ihren weit geöffneten Vogelkäfig zeigt, deckt die vielschichtigen Metaphern des Barocks auf, wenn es um die schönste Nebensache der Welt geht.

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Porzellangruppe

Schamlose alte Meister

Dorotheums-Experte Alexander Strasoldo liefert einen handfesten erotischen Beweis aus der Blüte der Renaissance: Marcantonio Franceschinis Darstellung von „Susannah und die Alten“ kann als eindeutiger historischer Vorläufer von #MeToo gelesen werden.

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Alexander Strasoldo; Altmeistergemälde „Susannah und die Alten“

Kunst- und Antiquitätenmagazin, 2019


Weitere Sendungen dieser Reihe:

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    Von veritablen Genies und anderen zeitüberdauernden Erfindungen: Die Mai-Ausgabe des Kunst- und Antiquitätenmagazins „Was schätzen Sie..?“ steht ganz im Zeichen des 500-Jahr-Jubiläums von Leonardo da Vinci! Moderator Karl Hohenlohe geht auf die Suche nach skurrilen Erfindungen aus den letzten 150 Jahren Technikgeschichte.

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    Karl Hohenlohe und sein Team nehmen heute eine Brosche der Frau unter die Lupe, die für Gustav Klimt Modell stand. Außerdem eine farbenfrohe Empire-Uhr, ein naturalistisches Gemälde und eine Frauenfigur aus Bronze.

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    Die Februar-Ausgabe des Kunst- und Antiquitätenformats steht ganz im Zeichen des Wiener Opernballs. Karl Hohenlohe empfängt prominenten Besuch von Starsopranistin Olga Peretyatko, Opernball-Moderator Alfons Haider und Opernball-Kommentator Christoph Wagner-Trenkwitz.

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    100 Jahre Ende Erster Weltkrieg, 100 Jahre Ende Habsburgermonarchie: am 11. November 1918 stimmt Kaiser Karl I. der Veröffentlichung eines Manifestes zu, in dem er auf die weitere Ausübung seiner Regierungsgeschäfte verzichtet. Anlass zu einer Sonderausgabe von „Was schätzen Sie..?“ 100 Jahre später, die ganz im Zeichen des Kaiserhauses steht.