Land der Berge

Unsere Alpen: Mythen der Alpen

Manfred Corrine spürt die Plätze mythischer Vergangenheit auf und verbindet die meist realen Geschichten, die sich hinter den Sagen und Riten verbergen, mit der grandiosen hochalpinen Natur- und Kulturlandschaft Österreichs, Italiens, Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz.

Land der Berge: Unsere Alpen: Mythen der Alpen

Dokumentation, 2010

Mittwoch, 1. Mai 2019, 21.30 Uhr
Wh. Sa 03.40 Uhr und 18.20 Uhr, Di 11.55 Uhr und Fr 09.00 Uhr

Wenn man heute von Mythen hört, denkt wahrscheinlich kaum jemand an die Alpen. Doch gerade in diesem extremen Lebensraum, wo die Gewalten der Natur und die Ansprüche und Bedürfnisse der Menschen besonders hart aufeinander treffen, sind unzählige Sagen, Mythen und Legenden bis heute erhalten geblieben.

Die Menschen in der Wildnis des Hochgebirges versuchten seit jeher, die Kräfte der Natur zu begreifen, sie zu zähmen und sie sich Untertan zu machen. Doch was hatten die bäuerlichen Siedler von der Jungsteinzeit bis in das 21. Jahrhundert den übermächtigen Naturgewalten entgegen zu setzen? Den Kult: Opferplätze und Rituale sollten die Urgewalten bannen und die Götter gnädig stimmen. Heilige Quellen und Orte der Kraft versprachen Genesung. Unendlich viele Sagen und Mythen entstanden - vom ewigen Eis, von „saligen Frauen“, von Dämonen und Hexen, von guten und bösen Mächten. Sie dienten in den hochalpinen Regionen zur Angstbewältigung vor der Willkür der Naturkräfte - Reste davon leben noch heute.

Die Sonne, das große Zentralfeuer, wurde seit frühester Zeit in vielen Kulturen als Gottheit verehrt und angebetet. Bei den Sumerern ebenso, wie bei den Ägyptern, den alten Griechen und auch den nordischen Völkern. In engen Alpentälern, wo sich die Wintersonne oft nur für wenige Augenblicke am Tag zeigt, haben sich bis heute Fastnachtsbräuche erhalten, um die Dämonen der winterlichen Kälte auszutreiben. Im Vinschgau, in Südtirol, üben die Jungbauern die Kunst des „Scheibenschlagens“ aus. Dabei werden am ersten Fastensonntag auf weithin sichtbaren Anhöhen Lagerfeuer entzündet, die Scheiben von Birkenholzstämmen im Feuer zum Glühen gebracht und talwärts geschleudert. Dieses Ritual soll der Frühjahrssonne helfen, wieder an Kraft zu gewinnen. „Zusätzlich ist an jede der glühenden Scheiben ein Wunsch für die Zukunft geknüpft. Von alters her überlieferte Sprüche begleiten ihren Flug“, weiß Manfred Corrine vom Dreh zu berichten und: „Die kleinen Sternschnuppen sind aber nicht ganz ungefährlich. Schon vor etwa 1.000 Jahren ist eine der glühenden Scheiben am Dach des Klosters Lorsch gelandet und hat es in Brand gesteckt. Heute sind sicherheitshalber die Löschzüge der Feuerwehr vor Ort.“

Universum
Unsere Alpen: Mythen der Alpen

ORF/WEGA - Film/Mario Hopfgartner

Das ORF-Team bei Dreharbeiten im Vinschgau in Südtirol. - Gestalter Manfred Corrine (li.) mit Dietrich Heller am Kamerakran.

Manche Gebirgszüge gelten wegen ihrer lokalen Gewitter bis heute als berüchtigt. In Frankreich stieß Manfred Corrine auf einen ganz besonderen Ort: „In Südfrankreich, am Mont Bego, zeugen über 36.000 Felsritzbilder von der Verehrung dieses Berges. Die Menschen ritzten ihre Bitten und Wünsche in Stein. Sie flehten um Fruchtbarkeit für Ackerbau und Viehzucht. Offensichtlich gingen viele ihrer Hoffnungen in Erfüllung, so wurde der Mont Bego zu einer der ältesten Pilgerstätten der Alpen.“

Doch nicht nur die höchsten Gipfel, sondern auch manche Seen haben ihre ganz spezielle mythische Vergangenheit. Gegen Ende des Mittelalters wurde ein Ort in Österreich zum drittgrößten Wallfahrtszentrum der Christenheit. Die Legende vom Einsiedlerleben des heiligen Wolfgang und die von ihm geschlagene Quelle, der heilsame Wirkung nachgesagt wird, lockt bis heute Pilgerscharen nach St. Wolfgang am Wolfgangsee. In der Höhle am Falkenstein, wo der heilige Wolfgang angeblich lebte, befindet sich ein so genannter Durchschlupfstein. Wer sich hier durchzwängt, streift angeblich alles Übel, alles Negative ab. An diesem Ort zu drehen war für Manfred Corrine eine ganz spezielle Erfahrung: „Die Kapelle des heiligen Wolfgang am Falkenstein ist etwas ganz Besonderes. Hier schmiegt sich nämlich ein Kirchlein eng an eine steile Felswand. Und im Inneren setzt sich diese Zweiteilung fort. Die eine Hälfte ist eine christliche Kapelle und die andere Hälfte ist Felswand, Höhle und Schlupfstein, ein uralter heidnischer Kultplatz.“

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Unsere Alpen: Mythen der Alpen

ORF/WEGA - Film/Mario Hopfgartner

Sagen und Mythen wurden in aufwendigen Spielszenen dargestellt.

Sagen von versunkenen Städten findet man in den Alpen von den Tälern bis hinauf zu den Almwiesen und noch höher - bis in die eisige Welt der Gletscher. Einst soll es ein „goldenes Zeitalter“ gegeben haben, ein „alpines Paradies“, wo auf blühenden Almen Milch und Honig flossen. Damals, so die Sage, war auf den üppigen Almwiesen genug Futter für die Kühe, die im Überfluss Milch gaben, sodass große Käse- und Buttervorräte angelegt werden konnten. Als jedoch eines Tages eine arme, alte Frau diesen Wohlstand störte und um Almosen bat, wurde sie verstoßen. Daraufhin wurde, der Sage nach, die Alte riesengroß, stand oben über der Stadt und rief: „Dananä, Dananä, es gibt an Schnee, der apert nimmermeh!“

Den Realitätsbezug sieht Manfred Corrine, der bei den Dreharbeiten eng mit den Glaziologen der Universität Innsbruck zusammengearbeitet hat, gegeben: „Es stimmt schon, dass in all diesen Sagen ein Körnchen Wahrheit steckt. Heute wissen wir, dass tatsächlich hochgelegene Almwirtschaften wegen Klimaverschlechterung und vorrückender Gletscher aufgegeben werden mussten.“

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Unsere Alpen: Mythen der Alpen

ORF/WEGA - Film/Mario Hopfgartner

Das Auenjoch in Südtirol war ein Hexentanzplatz. Das gestand zumindest die Hexe „Pacher-Zottl“ 1540 unter der Folter.

Die Tage um die Wintersonnenwende scheinen seit Jahrtausenden eine bedeutsame Zeit für viele Völker und Kulturen zu sein. Angeblich zogen in den Rauhnächten, vom 21. Dezember bis zum Dreikönigstag, einst Götter, Elfen und Dämonen umher. In dieser Zeit steht nach altem Volksglauben das Geisterreich offen.

In den Rauhnächten räuchert der Hausherr alle Räume des Hauses mit Weihrauch und besprengt sie mit Weihwasser, um alle Arten von Seuchen, Krankheiten und Gefahren von Haus und Hof, Mensch und Tier abzuhalten. Auch die Stallungen werden geräuchert. Bei diesem alten Brauch mit der Kamera dabei zu sein, war für Manfred Corrine ein prägendes Erlebnis:"Man sagt, dass in den Rauhnächten sogar die Tiere sprechen können. Bei unseren Dreharbeiten standen wir neben Schweinen, Ziegen, Kühen und Hühnern im Stall. Und sie haben tatsächlich mit uns gesprochen - aber wir haben nichts verstanden."

Die unzähligen Mythen, Sagen und Legenden des Alpenraumes zeugen von der Suche der Menschen nach Erklärungen, von dem Wunsch die Kräfte der Natur zu verstehen. Heute kennen wir Erklärungen für die außergewöhnlichsten Naturphänomene, dennoch sind die Mythen des Alpenraums bis heute lebendig.

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Unsere Alpen: Mythen der Alpen

ORF/WEGA - Film/Mario Hopfgartner

Am Auenjoch, im Südtiroler Sarntal stehen Hunderte von Steintürme - auch „Steinere Manderln“ genannt. Sie zeugen von einer Zeit, in der Missernten und Hungersnöte als Strafe Gottes interpretiert wurden.

Dokumentation, 2010


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Die gipfelstürmende Schweiz - Das Berner Oberland

    „Land der Berge“ ist dieses Mal im Herzen der Schweiz unterwegs, dem Berner Oberland. Neben dem obligatorischen Besuch des berühmten Thuner- und Brienzersees mit dazugehöriger Schifffahrt und einem Streifzug durch die Stadt Thun geht es in den Berner Alpen hoch hinaus.

  • Salzburger Hausberge: Vom Untersberg nach Maria Plain

    Der filmische Streifzug führt über ein ganzes Jahr vom sagenumwobenen Untersberg im Südosten Salzburgs bis zum Kalvarienberg Maria Plain am Südabhang des Plainberges in Bergheim nördlich der Stadt.

  • Alpenparadies Hohe Tauern: Herbst in Osttirol

    Der Nationalpark Hohe Tauern ist der größte Schutzraum der Alpen und besonders im Herbst weiß diese Region zu bezaubern. Alpine Bilderbuchlandschaften bieten den Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Der Film gibt auch einzigartige Einblicke in das ursprüngliche Leben der Menschen rund um die Jagdhausalm.

  • Südtirol - Vom Passeiertal ins Schnalstal

    „Land der Berge“ unternimmt diesmal einen Streifzug vom Timmelsjoch, dem Grenzpass zwischen Nord- und Südtirol, bis zum Similaungletscher.