Themenmontag

Cholesterin, Blutdruck und Co - Das Geschäft mit den Grenzwerten | Die Tricks der Pharmaindustrie

Der Themenmontag beschäftigt sich diesmal mit der Pharmaindustrie, deren Manipulation von Normwerten und Geheimhaltung von Studien über die negative Wirkungen von Arzneien.

Cholesterin, Blutdruck und Co - Das Geschäft mit den Grenzwerten

Dokumentation, 2019

Montag, 29.4.2019, 20.15 Uhr
Wh. 23.45 Uhr, Di 02.15 Uhr

Cholesterin, Blutdruck und Co - Das Geschäft mit den Grenzwerten

Cholesterin gilt noch immer als eines der Unworte der gesunden Ernährung. Die Grenzwerte dafür werden im Sinn der Vorsorge laufend gesenkt. Doch die Verteufelung dieses Stoffes gilt unter Wissenschaftlern längst als entlarvt, denn Cholesterin ist das Opfer einer industriellen Verleumdungskampagne geworden. Je tiefer die empfohlenen Grenzwerte sinken, desto mehr Cholesterin-Senker kann die Pharmaindustrie verkaufen. Durch das Herabsetzen der Normwerte wird praktisch jeder über 20 Jahren zum Risikopatienten und damit zum Dauerkunden für Lipidsenker.

Christine Grabner ist bei ihrer Recherche auf zahlreiche ähnliche Grenzwert-Lügen gestoßen, etwa bei Vitaminmangel oder bei Bluthochdruck. Viel zu oft redet die Pharmaindustrie bei diesen Grenzwert-Justierungen mit. Gesunde werden so krank gerechnet.

Cholesterin, Blutdruck und Co - Das Geschäft mit den Grenzwerten

ORF/Langbein&Partner

Seit Jahren sinkt die Grenze ab wann die Cholesterin- oder Zuckerwerte im Blut zu hoch sind.


Themenmontag: Die Tricks der Pharmaindustrie

Dokumentation, 2013

21.05 Uhr
Wh. Di 00.30 Uhr und 03.05 Uhr

Die Tricks der Pharmaindustrie

Tabletten sollen Schmerzen lindern und heilen, möglichst ohne Nebenwirkungen. Das tun sie auch, aber nicht immer. „Es war, als würde ein Auto auf der Brust stehen. Dann kam es zum akuten Herz-Kreislauf-Stillstand, Atemstillstand“, erzählt Dr. Felicitas Rohrer. Die 25-jährige, sportliche Frau war klinisch tot, erst bei einer Notoperation am offenen Herzen konnten sie die Ärzte reanimieren. Beide Lungen waren durch Embolien verstopft. Frau Rohrer kann ihren Beruf als Tierärztin nicht mehr ausüben und hat nun den Hersteller der Antibabypille, „Yasminelle“ geklagt. „Yasminelle“ enthält das Hormon Drospirenon, das laut Bayer AG auch Haut und Figur verschönert. Dass allerdings das Risiko, durch die „sanfte“ Pille eine Thrombose zu erleiden, mehr als doppelt so hoch ist wie bei den anderen Pillen, hat der Hersteller verschwiegen. In Österreich sind 38 ähnliche Fälle offiziell bei der österreichischen Agentur für Gesundheit gemeldet. In den USA haben bereits 11.000 Frauen Entschädigungszahlungen von rund einer Milliarde Dollar erstritten. Doch nicht nur „Yasminelle“ sondern auch „Yaz“ und „Yasmine“ werden weiter vertrieben.

Auch „Xarelto“, ein Mittel zur Blutverdünnung, das zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen massiv beworben wird, ist in die Kritik geraten. Es führt gelegentlich zu schweren Blutungen, die kaum beherrschbar sind. „Das Problem dieser Blutungen ist, dass es kein Gegenmittel gibt“, sagt Professor Hans Gombotz, Intensivmediziner am Linzer AKH. „Warum die zugelassen werden, ohne dass es ein entsprechendes Gegenmittel gibt, kann ich auch nicht sagen. Wir wissen nur, dass wir dadurch zum Teil enorme Probleme bekommen.“

Kurt Langbein, Mitautor des Bestsellers „Bittere Pillen“, der vor 30 Jahren erstmals erschienen ist und inzwischen eine Auflage von 2,7 Millionen erreicht hat, untersucht die Tricks und Täuschungen der Arzneimittelhersteller. Die Pharmaindustrie erwirtschaftet die höchsten Renditen aller Branchen, sie beherrscht die medizinische Forschung, verkauft uns teure Medikamente, über deren Unwirksamkeit und Gefahren sie längst Bescheid weiß. Immer wieder werden negative Studienergebnisse über produzierte Medikamente verheimlicht.

Univ. Prof. Gerald Gartlehner, Leiter der Abteilung für evidenzbasierte Medizin der Donauuniversität Krems, berichtet über seine Analyse der Studienergebnisse von Antidepressiva: „Antidepressiva sind keine gut wirksamen Medikamente. Fast jeder zweite Patient spricht überhaupt nicht auf die erste Therapie an, sehr viele Patienten haben sehr starke Nebenwirkungen, die gehen von Übelkeit, Erbrechen über sexuelle Störungen bis zu ganz tragischen Nebenwirkungen wie Selbstmord.“ Jahrelang hat die Industrie negative Ergebnisse von Studien unter Verschluss gehalten. Immer noch werden jedem zehnten Österreicher solche Mittel verordnet, weil sie von der Industrie nahestehenden „Experten“, entgegen den wissenschaftlichen Erkenntnissen, befürwortet werden.

Langbein, der mit dem renommierten „Axel Corti-Preis“ ausgezeichnet wurde, thematisiert auch die Interessenskonflikte in der Ärztebranche. Manche Mediziner, die in den Fachärztegremien für die Erstellung von Behandlungsleitlinien verantwortlich sind, stehen auch auf der Payroll der Pharma-Industrie. Insider enthüllen in der Dokumentation die Aufgaben von bezahlten Ghostwritern der Arzneimittelhersteller. Die Firmenmanager jedoch zeigen sich gegenüber den enthüllten Praktiken nur wenig Auskunftsfreudig.

Die Tricks der Pharma-Industrie

ORF/Langbein&Partner

Allergieforschung: Nahrungsmittelallergien durch Magenschutzmittel.


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