zeit.geschichte

Geheimauftrag Pontifex - Der Vatikan im Kalten Krieg

Die zweiteilige Dokumentation von Jan Peter und Yury Winterberg gibt Einblicke in die Geheimdienstaktivitäten im Kalten Krieg, bei denen der Vatikan unter dem Papst Johannes Paul II. eine Schlüsselrolle spielte.

zeit.geschichte: Geheimauftrag Pontifex - Der Vatikan im Kalten Krieg (1/2)

Doku-Zweiteiler, 2015

zeit.geschichte: Geheimauftrag Pontifex - Der Vatikan im Kalten Krieg (2/2)

Doku-Zweiteiler, 2015

In zwei Teilen beleuchtet die Dokumentation die wenig bekannte Rolle des Vatikan im Kalten Krieg. Investigative Recherchen, seltene Archivaufnahmen sowie aufwendige Dreharbeiten in Italien, Polen, den USA und Deutschland sorgen für einen spannenden dokumentarischen Thriller mit überraschenden Einsichten. Zu Wort kommen hochkarätige Interviewpartner wie der polnische Geheimdienstmitarbeiter Tomasz Turowski, der in Rom Johannes Paul II. für den Ostblock ausspionierte, Richard V. Allen, der nationale Sicherheitsberater der USA in der Zeit des Papstattentates, einflussreiche Vatikanfunktionäre und italienische Ermittlungsrichter. Manche von ihnen, wie der Chef einer geheimen Operation der ostdeutschen Stasi in Warschau oder Reagans wichtigster Berater in sowjetischen Angelegenheiten, John Lenczowski, hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch nie vor laufender Kamera über die Ereignisse gesprochen. Zugespitzt auf die Geschehnisse im kleinsten Staat der Welt, dem Vatikan, entsteht ein einzigartiges Porträt des dramatischen Kampfes zweier Weltsysteme.

Samstag, 13.4.2019, 20.15 Uhr
Wh. So 22.55 Uhr
Teil 1

Der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan war überzeugt, dass der Vatikan neben den USA und der Sowjetunion die dritte Supermacht sei. Nirgendwo sonst auf der Welt tummelten sich auf engstem Raum so viele Spione aus allen Lagern. Selbst die ostdeutsche Stasi platzierte Topagenten im Umfeld des Papstes. Durch die Wahl von Johannes Paul II. rückte der Vatikan noch stärker ins Zentrum der Auseinandersetzung zwischen Ostblock und westlicher Welt. Einerseits unterstützte er massiv die polnische Oppositionsbewegung, andererseits trat er als Kapitalismuskritiker auf.

Das Attentat von Ali Agca auf Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981 zählen bis heute zu den ungelösten Rätseln des Vatikan, verbunden mit zahlreichen falschen Fährten, Lügen, Täuschungen und Intrigen. Der knapp gescheiterte Anschlag war der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung zwischen der westlichen Welt und den Oststaaten, die Jahre später in den Zusammenbruch des sozialistischen Machtblocks mündete.

Geheimauftrag Pontifex - Der Vatikan im Kalten Krieg

ORF/DOKfilm

Bernd Schäfer

21.10 Uhr
Wh. Mo 23.50 Uhr
Teil 2

Der zweite Teil der Dokumentation beginnt mit den Schüssen auf den Papst aus Polen – am 13. Mai 1981. Bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz bricht Johannes Paul II. von Kugeln getroffen zusammen. Geschossen hat der Türke Ali Agca.

Dass Papst Johannes Paul II. das Attentat überlebt, grenzt an ein Wunder: der bereitgestellte Rettungswagen im Vatikan ist defekt, bei einem zweiten funktioniert der Alarm nicht. So wird der stark blutende Papst mitten durch das frühabendliche römische Verkehrschaos zur Gemelli-Klinik gefahren. Die Überlebenschancen stehen schlecht, doch eine Not-Operation rettet ihm das Leben. Johannes Paul II. wird zeit seines Lebens überzeugt sein, er habe – ausgerechnet am Jahrestag der Marienerscheinung von Fatima – durch ein Wunder überlebt. Der damals operierende Arzt Giovanni Battista Doglietto meint in der Dokumentation nüchtern: „Ich würde es nicht Wunder nennen. Aber auf jeden Fall hat der Papst in dieser Nacht wirklich sehr viel Glück gehabt.“

Geheimauftrag Pontifex - Der Vatikan im Kalten Krieg

ORF/DOKfilm

Prof. Giovanni Battista Doglietto (Gemelli Klinik)

Sowohl die genauen Umstände als auch die Hintermänner des Attentats bleiben im Dunkeln. Der Täter, Ali Agca, verwickelt sich bei den Vernehmungen in Widersprüche. Waren weitere Terroristen derselben Gruppe mit Ali Agca auf dem Petersplatz? Von einem verdächtigen Mann existieren Fotos, die seine Flucht vom Petersplatz zeigen. Er ist bis heute nicht identifiziert. Saßen die Hintermänner in Bulgarien? Kam der Auftrag direkt aus dem Kreml? Schließlich galt der Papst als mächtiger und daher gefährlicher Gegenspieler des kommunistischen Systems. Die Situation in Polen sorgte für große Beunruhigung in der Moskauer Zentrale. Sollte Johannes Paul II. deshalb aus dem Weg geräumt werden? Einige Geheimdienstagenten bezweifeln das. Die Machenschaften der Vatikanbank (IOR) kommen für manche Analysten ebenso als Hintergrund des Papst-Attentats in Frage. Über Jahrzehnte nützte die Mafia die Bank, um Geld zu waschen – der Vatikan profitierte davon. Waren hier noch Rechnungen offen? Manche Beobachter meinen, das Attentat vom 13. Mai 1981 sei nicht sehr professionell geplant und ausgeführt worden. War es die ernste – letzte – Warnung? Die Dokumentation geht diesen Spuren nach und gibt Einblicke in die Geheimdienstaktivitäten im Kalten Krieg, bei denen der Vatikan unter dem Papst aus dem Osten eine Schlüsselrolle spielte.

Film von Jan Peter und Yury Winterberg
Doku-Zweiteiler, 2015


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