zeit.geschichte

Wir kämpften für Spanien. Von Ottakring zum Ebro

1300 Österreicher gingen in den Jahren 1936 bis 1939 nach Spanien, um dort die Republik gegen den Putsch des Faschisten-Generals Francisco Franco zu verteidigen. 30.000 Antifaschisten aus über 50 Nationen kämpften damals an der Seite der jungen spanischen Republik gegen Franco und seine Verbündeten Hitler und Mussolini.

zeit.geschichte: Wir kämpften für Spanien. Von Ottakring bis zum Ebro

Dokumentation, 1998 / 2006

Samstag, 7.4.2019, 23.55 Uhr
Wh. Mo 05.45 Uhr

Die „Internationalen Brigaden“ - bestehend u.a. aus mehr als 30.000 Freiwilligen aus 53 Staaten - kämpften auf der Seite der Republik gegen den Putsch von General Franco. Auch Österreicher waren darunter. Mit dem Kampf in Spanien wollten sie den Faschismus in Österreich und in ganz Europa aufhalten. Mit vier ehemaligen Kämpfern aus Österreich macht sich dieser Film auf eine Spurensuche in Spanien: eine persönliche Zeitreise, die Hoffnungen und Enttäuschungen, Sinn und Wahnsinn, Ideale und Ideologien in diesem ungewöhnlichen Kriegseinsatz sichtbar macht.

Wir kämpften für Spanien. Von Ottakring bis zum Ebro

ORF/Historisches Archiv ORF

Soldaten der republikanischen Armee während eines Angriffes an der Saragosssa-Front, 24.09.1936, Bujaraloz.

Politische Überzeugung, naive Begeisterung, jugendliche Abenteuerlust - so unterschiedlich waren die Motive der insgesamt immerhin 1300 Spanien-Kämpfer aus Österreich. Schillernde Schicksale verbergen sich hinter der heute nüchtern betrachteten Kriegschronik. Was für Historiker ein blutiges Vorgefecht des Zweiten Weltkriegs war, war für diese Freiwilligen, die oft ohne ein Wort Spanisch zu können, in einem unbekannten Land Krieg führten, ein existentiell prägender Lebensabschnitt. Ihre persönlichen Schicksale sind weitgehend unbekannt, ihre Motive, ihre Auseinandersetzungen, ihre Reflexion war nie ein großes öffentliches Thema.

Mit dem Autor und Regisseur Tom Matzek begaben sich 1998 vier ehemalige Spanienkämpfer noch einmal in das Land, das ihre Jugend prägte. Spanien war für diese Österreicher Kriegsschauplatz und ideologisches Schlachtfeld, aber auch persönliche Entdeckungsreise und Erleben einer völlig anderen Lebenswelt. Für viele war es der erste Aufenthalt außerhalb Österreichs. Das alles vermischte sich zu intensiven Erinnerungen, die diese Veteranen ein Leben lang begleiteten. Während der Ära Franco, ihres ehemaligen Feindes, war es für sie nicht möglich, Spanien zu besuchen. Die Reise für die Dreharbeiten an die Originalschauplätze war deshalb auch eine späte Konfrontation mit Emotionen und Erinnerungen an Erlebnisse und Ereignisse, die mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor stattgefunden hatten.

Dieser Film ist eine sehr persönliche Bilanz dieser vier sehr verschiedenen Bürgerkriegs-Veteranen: einer war ein lebenslustiger, junger Arbeiter, der zweite ein großbürgerlicher Industriellensohn, der dritte ein kämpferischer kommunistischer Parteifunktionär und der vierte ein jugendlicher Abenteurer. Entlang dieser vier Persönlichkeiten decken Autor Tom Matzek und Kameramann Hannes Drapal die vielen unterschiedlichen Seiten auf, die hinter dem Begriff „Spanienkämpfer“ stecken.

Wir kämpften für Spanien. Von Ottakring bis zum Ebro

ORF/Historisches Archiv ORF

Angehörige der republikanischen Armee, gefangen genommen durch Francos Truppen bei der Wiederbesetzung von Teruel.

Mit dem politischen Motiv, mit Franco auch Hitler und Mussolini zu bekämpfen, sind unterschiedlichste Geschichten verknüpft: der Antifaschist Josef Kotz heiratete aus Liebe in eine Familie, die Franco nahe stand. Der Pazifist Harry Spiegel landete an der vordersten Front. Der Politkommissar Rudolf Schober, der mit seiner Überzeugung die ganze Welt verändern wollte, musste einsehen, dass er schon in Spanien die Niederlage nicht verhindern konnte. Hans Landauer wiederum hatte keine blasse Ahnung, was ihn erwartete - heute arbeitet er als Chronist der österreichischen Spanienkämpfer seine Jugend auf.

Mehrere Jahre lang hat ORF-Journalist Tom Matzek sich mit den Lebensläufen der letzten Überlebenden auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist eine eng verknüpfte Geschichte von Idealen und Ideologien, Töten und Todesgefahr, von südlichem Lebensgefühl und brutal durchgesetzter Parteidisziplin. Durch die sehr persönlichen Bilanzen der ehemaligen Spanienkämpfer ist der Film heute selbst ein Dokument. Bereits 1998, als er gedreht wurde, gab es nur ganz wenige Zeitzeugen. Heute lebt kaum einer mehr. Auch sind drei der Protagonisten des Films mittlerweile gestorben. Ihre Reise nach Spanien und die Filmarbeiten waren eine Lebensbilanz, ihr letztes großes Anliegen, die Geschichte dieser Zeit zu erzählen.

Wir kämpften für Spanien. Von Ottakring bis zum Ebro

ORF

Harry Spiegel hatte zu Waffen eine zwiespältige Haltung. Motto: Schieß gut aber freu dich nicht.

Wir kämpften für Spanien. Von Ottakring bis zum Ebro

ORF

Hans Landauer verlor seine jugend im Spanischen Bürgerkrieg, Arbeitet als Chronist jetzt die Vergangenheit auf.

Wir kämpften für Spanien. Von Ottakring bis zum Ebro

ORF

Rudolf Schober stand an der Spitze einer Brigade ein unerschüttlicher Kämpfer für die Spanische Republik.

Wir kämpften für Spanien. Von Ottakring bis zum Ebro

ORF

Josef Kotz kam aus Ottakring. Die Reise nach Spanien zu den Internationalen Brigaden wurde zum unvergesslichen Erlebnis.

Wir kämpften für Spanien. Von Ottakring bis zum Ebro

ORF/Historisches Archiv ORF

Republikanische Miliz in Madrid.

Dokumentation, 1998 / 2006


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