In memoriam Elizabeth T. Spira

Am 9. März ist mit Elizabeth T. Spira eine einzigartige Journalistin gestorben. ORF III gedenkt der Dokumentaristin der österreichischen Seele mit einem sechsteiligen Programmabend.

Alltagsgeschichte: Liebling - ich bin im Prater

Elizabeth T. Spira filmte im Wiener Prater die Schönen der Nacht, die Strizzis und schlimmen Kids, ruhesuchende Pensionisten, Pferdenarren, Wettkönige und die Pratermenschen.

Alltagsgeschichte: Beim Heurigen

Elizabeth T. Spira drehte für diese Folge mit Kameramann Peter Kasperak beim Heurigen in Wien. Beim Glaserl Wein geht manchem das Herz über.

Elizabeth Toni Spira - Ich bin nicht wichtig

Elizabeth T. Spira gilt als die Dokumentaristin der österreichischen Seele. Sie ist die Fragende, die stets im Hintergrund blieb und Menschen in den Vordergrund stellte, die sonst nicht so oft zu sehen sind.

Alltagsgeschichte: Das kleine Glück im Schrebergarten

Elizabeth T. Spira begibt sich auf die Suche nach dem kleinen Glück im Schrebergarten. Sie dreht in Wien, wo es über 25.000 Schrebergärten gibt.

Alltagsgeschichte: Am Würstelstand

Gemeinsam mit Kameramann Peter Kasperak porträtiert Elisabeth T. Spira Stammkunden am „Würstelstand“.

Freitag, 15.3.2019, 20.15 Uhr

Alltagsgeschichte: Liebling, ich bin im Prater

Reportage, 1993

Für diese „Alltagsgeschichte“ machte sich Elizabeth T. Spira auf die Suche nach den „Pratermenschen“. Sie spricht mit Herbert, dem Praterbuben, der sich am Abend in eine Schöne der Nacht verwandelt, mit der 84-jährigen Mitzi, ein ehemaliges Dienstmädl, das über Männer und die Liebe philosophiert, Frau Brigitte, die operettenkundige Toilettendame in der Krieau und mit vier Jugendlichen, die ihr Strafregister Revue passieren lassen.

Alltagsgeschichte 
Liebling - ich bin im Prater

ORF/Cosmos Factory/Peter Kasperak

Herbert - ein Praterbub bei Tag, eine Schöne in der Nacht

Alltagsgeschichte 
Liebling - ich bin im Prater

ORF/Cosmos Factory/Peter Kasperak

Brigitte Ringhofer, philosophierende Prater-Toilettefrau.

Sie trifft Johann Oberländer, der es vom Hutschenschleuderer zum Besitzer vieler Vergnügungsbetriebe gebracht hat, den Lokomotivführer der Liliputbahn, der ein seltsames Hobby hat, und Wirtin Erna, die von ihrem Ehedrama erzählt.

Allen gemeinsam ist die Liebe zum Prater. Denn der Prater ist bis heute ein Ort der Magie und des pittoresken Spektakels. „Eine Reservation“, so Heimito von Doderer, „am Rande des täglichen Lebens.“

Alltagsgeschichte 
Liebling - ich bin im Prater

ORF/Cosmos Factory/Peter Kasperak

Herbert Johann Oberländer, Praterbuden–Besitzer

21.00 Uhr

Alltagsgeschichte: Beim Heurigen

Reportage, 1995

Bei Stille und gutem Wein sucht so manche und so mancher sein Glück. Einer von ihnen ist der Damenschneider Thomas Suchina. Täglich um 16 Uhr kehrt er bei seinem Heurigen in Jedlersdorf ein und sitzt immer am gleichen Platz - am Tisch vor dem Ofen in der Heurigenstube. Viermal verheiratet, philosophiert er über die Liebe und das Leben. Pünktlich nach zwei Vierteln und einem Achterl geht er. Gretl Kuba ist 70. Im Heurigen hat sie ihren um 20 Jahre jüngeren Lebensgefährten kennengelernt. Einmal pro Woche feiern sie beim Heurigen ihre Liebe. Und Gertrud Pogatetz kehrt nach dem Friedhofsbesuch gern ein.

Alltagsgeschichte 
Beim Heurigen 
Originaltitel: Alltagsgeschichten "Beim Heurigen"

ORF/Cosmos Factory/Peter Kasperak

Herr Thomas Suchina, pensionierter Damenschneider, ist täglicher Heurigenbesucher in Jedlersdorf.

Alltagsgeschichte 
Beim Heurigen 
Originaltitel: Alltagsgeschichten "Beim Heurigen"

ORF/Cosmos Factory/Peter Kasperak

Nach dem Friedhofsbesuch trösten sich die Witwen Traudl Pogatetz und Elisabeth Nowatzek mit einem GlaserlWein beim Heurigen.

21.50 Uhr

Elizabeth Toni Spira – Ich bin nicht wichtig

TV-Portrait, 2015

Elizabeth T. Spira ist die Dokumentaristin der österreichischen Seele. Sich selbst im Hintergrund haltend, überlässt sie den Platz vor der Kamera jenen Menschen, die in den Medien sonst weniger häufig abgebildet werden. In diesem Porträt steht sie nun selbst vor der Kamera und erzählt Regisseur Robert Neumüller aus ihrem Leben.

Als Kind österreichischer, kommunistischer Juden im britischen Exil geboren ist sie im Nachkriegswien aufewachsen. Ständig konfrontiert mit den Überbleibseln des Nationalsozialismus beschließt sie, Journalistin zu werden.

Jubiläum 5 Jahre ORF III

ORF/Wega Film/Robert Neumüller

Elizabeth T. Spira bei Dreharbeiten zu ihrer Sendung „Liebesg’schichten und Heiratssachen“

22.40 Uhr

Alltagsgeschichte: Das kleine Glück im Schrebergarten

Reportage, 1992

Diese Folge ist DER Klassiker unter den „Alltagsgeschichten“ und ist - ex aequo mit „Die Donauinsulaner“ - die meistgefragte und -gezeigte Episode.

In Wien gibt es über 25.000 Schrebergärten. Für dein einen ist er die Ersatzvilla mit englischem Rasen, für den anderen Gemüsegarten. Hier wachen ehrenamtliche Funktionäre über Ruhe und Ordnung. Es herrschen strenge Regeln: die Anzahl der Obstbäume ist ebenso vorgeschrieben wie die Höhe der Hecken und die Ruhezeiten. Walter Filcz ist pensionierter Eisenbahner und sammelt Gartenzwerge, ein Mechaniker hat in seinem Garten eine Straßenbahn-Fahrerkabine nachgebaut und eine alte Frau spricht mit Spatzen und Amseln.

Alltagsgeschichte 
Das kleine Glück im Schrebergarten 
Originaltitel: Alltagsgeschichten "Das kleine Glück im Schrebergarten"

ORF/Cosmos Factory/Peter Kasperak

Walter Filcz mit seiner Gartenzwergsammlung

23.30 Uhr

Am Wüstelstand

Alltagsgeschichte, 1995

Mit Kameramann Peter Kasperak porträtiert Elisabeth T. Spira Stammkunden am „Würstelstand“, wo es rund um die Uhr „Scharfe“, „Haße“, „Burenhäudl“ gibt. Selbst spät nachts, wenn alle anderen Lokale längst geschlossen haben, sind die Würstelstände noch geöffnet. Bei Jägermeister und Bier treffen einander Nachtschwärmer, Einsame und Jene, die kein Zuhause mehr haben. Für Günther, einen 55-jährigen Obdachlosen, ist der Würstelstand in Linz zur Heimat geworden.

am würstelstand, Alltagsgeschichten

ORF/Cosmos Factory/Peter Kasperak

Herr Franz am Würstelstand in Wien-Floridsdorf

am würstelstand, alltagsgeschichten

ORF/Cosmos Factory/Peter Kasperak

Die Geschwister Resi und Adolf beim Warmen Hans, einem Würstelstand in Linz. Früher waren beide beim Zirkus, heute sind sie obdachlos.

00.20 Uhr

Dorfer spricht mit Elizabeth T. Spira

Gesprächsreihe, 2009

Im Gespräch mit Alfred Dorfer nimmt Spira zu den Vorwürfen Stellung, sie verzerre die Wirklichkeit: „Natürlich manipulieren wir - ich, aber alle andere auch. Wir schneiden. Ich muss ja sagen, was ist wichtig, was ist nicht wichtig, was haue ich weg, was bleibt, wie setze ich diesen Film zusammen. Ich geniere mich auch nicht zu sagen: Ich manipuliere, so wie ich es mir vorstelle.“

Oft bleibt das Lachen im Hals stecken. „Ich erzähle gerne eine Geschichte, dass man lacht, aber dann erst im zweiten Moment drauf kommt, dass das entsetzlich traurig ist. Und bestimmte Kritiker oder sogenannte gute Menschen sind böse, wenn sie drauf kommen, jetzt haben sie falsch gelacht. Im Nachhinein sagen sie halt, das ist ja eine Schreckensgeschichte, dem geht es ja miserabel, jetzt habe ich über den gelacht. Und dann sind sie böse auf die Spira, weil sie unmoralisch gelacht haben und sagen, ich mache die Leute lächerlich.“

Ihre medialen Verführungstechniken sind über Jahrzehnte perfektioniert, niemand kann Menschen vor der Kamera so öffnen wie Elizabeth T. Spira. Oft reicht ihre Lieblingsfrage „Warum?“ oder einfach ein gedehntes Schweigen an der rechten Stelle.

Spiras besondere Sensibilität für rassistische Tendenzen rühren wohl aus ihrer persönlichen Geschichte her: Sie wurde als Tochter von jüdischen Emigranten in Glasgow geboren. Ihr zweiter Vorname Toni ist in Wahrheit der Deckname ihres Vaters während des Zweiten Weltkriegs. Im Gespräch mit Alfred Dorfer erklärt Spira ihre Art des Filmemachens aus ihrer Biografie heraus.

Dorfer spricht mit Elizabeth T. Spira

ORF/E&A/Petro Domenigg

Elizabeth T. Spira, Alfred Dorfer