100 Jahre freie und gleiche Wahlen

Baumeister der Republik: Karl Seitz

„Was wir als Vertreter des Volkes von den Ämtern wünschen, ist einfach gesagt: Der Bürger will nicht als Akt, sondern als Mensch behandelt werden.“ Alfred Schwarz folgt dem Leben eines Politikers, der kämpferisch und stets korrekt und bescheiden war.

zeit.geschichte: Baumeister der Republik - Karl Seitz

Dokumentation, 2018

Samstag, 16.2.2019, 20.15 Uhr
Wh. So 01.30 Uhr und 23.05 Uhr

Karl Seitz (1869-1950) war gemeinsam mit Bruno Kreisky (1911-1990) der am längsten amtierende Parteivorsitzende der Sozialistischen Partei Österreichs: 16 Jahre lang, während der stürmischen Zeit der Ersten Republik von 1918 bis 1934. Er war auch erster Staatspräsident der Österreichischen Republik und langjähriger Bürgermeister des „Roten Wien“ und somit eine Gallionsfigur der österreichischen Sozialdemokratie. Am 12. November 1918 rief er, gemeinsam mit dem Großdeutschen Franz Dinghofer (1873-1956) die Republik Deutsch-Österreich aus und ging damit in die Annalen der österreichischen Geschichtsschreibung ein.

Karl Seitz gehörte weder dem linken noch dem rechten Flügel der Partei an, er war ein Mann der Mitte. In diesem Sinn war er eine Integrationsfigur der Gesamtpartei. Er sorgte im Hintergrund dafür, dass der Ausgleich zwischen den beiden Flügeln der Partei, Karl Renner (1870-1950) und Otto Bauer (1881-1938), gewahrt blieb. Auch wenn er nicht das intellektuelle Zentrum der Sozialdemokratie war, so war er doch in seiner Doppelfunktion als Staatsoberhaupt und Parteivorsitzender der Frontmann der Sozialdemokratie. Sein Motto lautete: „Demokratie ist der Weg, Sozialismus das Ziel“.

In seinem Wirken war Karl Seitz kämpferisch und stets korrekt und bescheiden. Er war ein hart arbeitender Politiker, der stets, auch während der Nazi-Zeit, seinen Prinzipien treu geblieben ist.

Baumeister der Republik 
Karl Seitz

ORF/Pammer Film

Karl Seitz

Geboren wird Karl Seitz 1869, also noch tief in der österreichischen-ungarischen Monarchie. Seine Familie verarmte und Seitz kam ins Waisenhaus. In diesen bedrückenden Verhältnissen lernt er Armut und Not kennen und entwickelt den Widerstandsgeist und die Standhaftigkeit, die es ihm später ermöglichen, eine führende und kämpferische Rolle in der österreichischen Sozialdemokratie einzunehmen. Er wurde zum Aushängeschild seiner Partei, der durch sein korrektes Auftreten und Bescheidenheit ein hohes Ansehen in der arbeitenden Bevölkerung hatte. 1923 wurde er Wiener Bürgermeister und blieb das auch bis zum Einmarsch der Nationalsozialisten. In seiner Antrittsrede vor den Magistratsbeamten betont der volksnahe Seitz: „Was wir als Vertreter des Volkes von den Ämtern wünschen, ist einfach gesagt: Der Bürger will nicht als Akt, sondern als Mensch behandelt werden.“ Er steht für das „Rote Wien“: viele sozialpolitische Maßnahmen wurden in Angriff genommen. Spitäler und Schulen wurden gebaut, das Sozial- und Fürsorgewesen ausgeweitet. Während seiner Amtszeit wurden über 60.000 Gemeindewohnungen für die ärmere Bevölkerung gebaut.

Von den Nationalsozialisten wird Karl Seitz verfolgt und gegen Ende des Krieges ins deutsche Konzentrationslager Ravensbrück in Deutschland gebracht. Bei seiner Rückkehr 1945 nach Wien wird er enthusiastisch vor dem Rathausplatz begrüßt. Eine weitere politische Tätigkeit lehnt er als 76-jähriger, auch aus gesundheitlichen Gründen, aber ab. Er wird noch Ehrenvorsitzender seiner Partei und stirbt 1950 mit 81 Jahren. An seinem Trauerzug nahmen Hunderttausende Wiener und Wienerinnen teil.

Film von Alfred Schwarz
Dokumentation, 2018


Weitere Sendungen dieser Reihe: