Erbe Österreich

Diplomatische Liebschaften: Die Mätressen des Wiener Kongresses

Fürst Metternich zog beim Wiener Kongress im Hintergrund die Fäden – und nicht nur er bediente sich einflussreicher Damen des Hochadels, die mittels raffinierter politischer und amouröser Intrigen die europäische Geschichte bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs wesentlich mitprägten.

Erbe Österreich: Diplomatische Liebschaften - Die Mätressen des Wiener Kongresses

Dokumentation, 2014

Dienstag, 12.2.2019, 21.55 Uhr
Wh. Mi 00.30 Uhr, Do 00.25 Uhr, Sa 01.25 Uhr

Wien 1814: Napoleon ist besiegt. Der Wiener Kongress ist das erste Gipfeltreffen der Weltgeschichte: Europäische Führungsspitzen und Diplomaten-Delegationen beratschlagen von 1814 bis 1815 über die politische Aufteilung Europas. Fürst Klemens Metternich, Kanzler der Habsburgermonarchie, zieht im Hintergrund die Fäden - und nicht nur er bedient sich einflussreicher Damen des Hochadels. Mit raffinierter politischer und amouröser Intrige prägen sie die europäische Geschichte für das kommende Jahrhundert mit - bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs.

„Es ist die diplomatische Elite des Kontinents, die sich hier trifft“, sagt der renommierte österreichische Historiker Wolfgang Maderthaner über den Wiener Kongress. Doch die wichtigen politischen Entscheidungen werden auch im 19. Jahrhundert nicht ausschließlich auf dem Verhandlungstisch getroffen. Auch gesellschaftliche Anlässe und ausschweifende Feste in den Ballsälen und Wiener Palais, geheime Liebschaften und diplomatische Affären in den Séparées und Boudoirs mächtiger Frauen sind Schauplatze für Absprachen, Pakte, Intrigen und Manipulationen. Nicht weniger als 19 Bälle veranstaltet Fürst Metternich während des Kongresses. Und sie dienen nicht nur seinem Vergnügen. Das weiß auch Karl Schwarzenberg, Tschechiens Außenminister a. D. und Nachfahre von Feldmarschall Karl Philipp zu Schwarzenberg: „Heute gebe ich eine Pressekonferenz als Minister. Damals musste ein Minister einen Riesenempfang geben. Die vielen Feste waren notwendig, um an Informationen zu kommen oder auch um sie zu verbreiten.“

Diplomatische Liebschaften - Die Mätressen des Wiener Kongresses

ORF/makido film

Die Delegierten in der Konferenz.

Diplomatische Liebschaften - Die Mätressen des Wiener Kongresses

ORF/makido film

Katharina Bagration verführt Zar Alexander I.

Auf den rauschenden Festen, aber auch fernab davon, sind Damen von Rang und Namen zur Zeit des Wiener Kongresses als Meinungsbildner hoch geschätzt. Nie zuvor und auch nicht danach steht ein Politgipfel so weitreichend unter dem Einfluss von Frauen. Der Film beleuchtet die Rolle von Herzogin Wilhelmine von Sagan, der einflussreichen Geliebten Metternichs, und jene ihrer Gegenspielerin, Fürstin Katharina Pawlowna Bagration, mit der Fürst Metternich eine Tochter hatte. Beide haben maßgeblichen Anteil an den Wiener Verhandlungsergebnissen.

Regisseurin und Koautorin Monika Czernin erweckt die Spannung hinter den Kulissen des historischen Großereignisses durch aufwendige Spielszenen zum Leben. Sie erzählt den Wiener Kongress aus dem Blickwinkel bedeutender Frauen, anhand derer Rollen sich ein hintergründiges wie unterhaltendes Bild der bedeutendsten politischen Versammlung des 19. Jahrhunderts ergibt. „Was mich an dieser Geschichte so fasziniert, ist einmal die Dimension des Events. Es war der erste große europäische Kongress. Ganz Europa war in Wien zu Gast. Es war, wenn man so will, die Urstunde der europäischen Idee. Andererseits interessiert mich die Art, wie damals Politik gemacht wurde. Und zwar ohne Unterschied zwischen privater und öffentlicher Sphäre. Das macht das Ganze so spannend. Die Macht der Erotik und die Erotik der Macht gingen Hand in Hand. Diese Atmosphäre wollte ich in unserem Film lebendig werden lassen“, so Czernin.

Melissa Müller, Autorin, Dramaturgin: „Wie eigenständig diese Frauen handelten, wie ernst die Männer - bei allen Intrigen - ihr Wort nahmen, ist erstaunlich. Metternich beispielsweise wusste genau, dass Wilhelmine von Sagan die politischen Qualitäten hatte, seine beste Ministerin zu werden. Dazu war die Zeit aber noch nicht reif, obwohl die Frauen im Hintergrund die Fäden zogen.“

Film von Monika Czernin und Melissa Müller

Dokumentation, 2014

Diplomatische Liebschaften - Die Mätressen des Wiener Kongresses

ORF/makido film

Wilhelmine von Sagan und Fürst Metternich.


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