ORF III zu Weihnachten

Roseggers Waldheimat - Ein Jahr im Zauberwald

Mit dem Begriff „Waldheimat“ ist es Peter Rosegger gelungen, einer ganzen Region einen Namen zu geben. Doch es gelang ihm noch mehr: Jenes Gebiet zwischen dem Mürztal und dem oststeirischen Hügelland ist seitdem nicht mehr nur ein geografischer Ort am Ostrand der Alpen. Die Waldheimat wurde zum Synonym, zum Identitätsstifter, zum „Steirischen“ schlechthin.

Roseggers Waldheimat - Ein Jahr im Zauberwald

Dokumentation, 2014

Dienstag, 25.12.2018, 21.50 Uhr
Wh. Do 00.50 Uhr und Mi 02.01. 10.05 Uhr

Im Winter eine Landschaft wie aus einem Märchen, im Sommer auch heute noch eine Region, um Geist und Seele zu erfrischen - Roseggers Waldheimat: Die Geschichten des Waldbauernbuben Peter Rosegger (1843-1918) zählen bis heute zu den emotionalsten und beliebtesten Erzählungen rund um Weihnachten - und die steirische Waldheimat rund ums Alpl zu den waldreichsten Gebieten Österreichs. Diese Wälder, nur selten von naturnahen Wiesen und Streusiedlungen unterbrochen, liefern spannende, reichhaltige und höchst unerwartete Geschichten über die Wildtiere des steirischen Voralpenlandes.

Tief verschneite Wälder, Schneehühner, Schneehasen und mächtige Rothirsche im Winter; erfrischende Wasserläufe, dicht blühende Obstbäume und scheue Rehkitze im Frühling; kühlende Baumriesen, saftige Almen und übermütige Gamskitze im Sommer; Fischotter und Edelkrebse in tiefklaren Forellenbächen und eine enorme Farbenpracht im Herbst - all das hat Peter Rosegger in seinen Büchern beschrieben. Hundert Jahre sind vergangen, doch verändert hat sich seitdem vor allem der Mensch.

Roseggers Waldheimat - Ein Jahr im Zauberwald

ORF/Epo Film/kreativkraft/Klaus Steindl

Der Kluppeneggerhof im Herbst

Von ihrem Hof auf fast 1.200 Metern Seehöhe wandert die Familie des „Waldbauernbuben“ Peter Rosegger am Weihnachtsabend zur Christmette ins Tal nach St. Kathrein. Der Waldbauernbub wird später ein gefeierter Schriftsteller, der dieser Region ihren Namen geben sollte: Waldheimat.

Roseggers Geschichte erzählt, wie er als kleiner Bub durch den hohen Schnee stapfte und sich dabei im tiefen Wald verirrte: „Außer dem Rauschen des Windes in den Wäldern hörte ich nichts. Ich wusste nicht, wo ich war. Wenn jetzt ein Reh käme, ich würde es fragen nach dem Weg, vielleicht könnte es ihn mir weisen. In der Christnacht reden ja Tiere die menschliche Sprache ...“

Universum
Roseggers Waldheimat - Ein Jahr im Zauberwald

ORF/ORF-Universum/FF

Herbstliche Nebel in den Tälern der Waldheimat.

Was also, wenn Tiere reden könnten? Welche faszinierenden Geschichten würden sie uns erzählen? Welche Überraschungen hätten sie für uns parat? In welche Welten würden sie uns entführen? Ausgehend von dieser Idee folgt Regisseur Klaus T. Steindl den Tieren der Region in verborgene Lebenswelten und stößt dabei auf „Exoten“ wie den Marderhund, „Alteingesessene“ wie das Reh, „Wasserratten“ wie Fischotter und Steinkrebs oder „Bergfexen“ wie Gams und Steinbock. Dabei lassen die einzigartigen Tieraufnahmen staunen und schmunzeln: denn die Dokumentation lässt die Zuseherinnen und Zuseher hautnah am turbulenten Paarungstanz der Fischotter, an der Geburt eines Rehkitzes oder dem „Schlupf“ von Steinkrebsen teilnehmen. Sie beobachtet ungestüme junge Gämsen, die sich im „Gämsenhort“ auf einem frühsommerlichen Schneefeld austoben und sie ist dabei, wenn die Rehgeiß den Fuchs zum Schutze ihres Kitzes im wahrsten Sinne des Wortes an der Nase herumführt.

Für Unterhaltung und Erstaunen sorgen auch andere Verhaltensweisen aus der Tierwelt: beispielsweise die „vorbildliche“ Erziehung von Jungstörchen, die „ewige“ Rivalität zwischen Fuchs und Raben, die frechen Machtkämpfe unter Steinböcken oder die geduldig klugen Rehe, die sich im Notfall schon einmal bis zum Kopf einschneien lassen.

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Roseggers Waldheimat - Ein Jahr im Zauberwald

ORF/ORF-Universum/FF

Gämse im Hochschwabgebiet: Im Frühsommer bieten die Hänge rund um den Hochschwab den Gämsen üppiges Grünfutter.

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Roseggers Waldheimat - Ein Jahr im Zauberwald

ORF/ORF-Universum/FF

Den Fischottern macht der Winter nichts aus. Ihr Bestand hat sich in der Waldheimat gut erholt.

Den Rahmen für diese spannenden Tiergeschichten bildet die faszinierende Landschaft zwischen Semmering und Hochschwab, die bis heute weitgehend unberührt blieb. Da gibt es im Besonderen einen verborgenen Urwald, der bis heute nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Es ist ein geheimnisvoller Ort, wo sich die Natur gänzlich selbst überlassen ist. Ein Ort, der außerhalb jedes Zeitbegriffs zu stehen scheint: ein wahrer „Zauberwald“.

Die Region hat auch andere Kostbarkeiten zu bieten: Hirschbirnen, zum Beispiel. Sie gelten heute als Besonderheit, noch vor zwei/drei Generationen war der Hirschbirnenbaum ein weit verbreiteter Obstbaum in den bäuerlichen Hausgärten der Region. Die Bezeichnung „Hirsch“ hat allerdings nichts mit den Hirschen zu tun, die es in dieser Region häufig gibt, sondern kommt von einem alten steirischen Wort für „Herbst“. Heute werden diese spät reifen Birnen vor allem zu Säften und Schnäpsen verarbeitet.

Universum
Roseggers Waldheimat - Ein Jahr im Zauberwald

ORF/ORF-Universum/FF

Für Rehe ist der dichte Waldbestand, der sich mit bunten Blumenwiesen abwechselt, ein ideales Habitat.

Tief verschneit können hier die Winter sein. Doch während sich die Rehe regelrecht einschneien lassen, toben die Fischotter im eiskalten Wasser: Ihr Pelz schützt sie bestens vor der Kälte. Im Frühling strotzt die Erde vor Feuchtigkeit. Noch sind die Bäume kahl und lassen das wärmende Sonnenlicht bis zum Boden des Waldes durch. Unter diesen Bedingungen explodiert die Natur: Am Fuße des Hochschwabs findet man dann Zigtausende von Krokusblüten, die den ganzen Wiesengrund mit Weiß oder Violett überziehen, und oft gar nicht weit davon entfernt, dicht blühende Obstbäume, in deren Schatten die scheuen Rehkitze.

Der Sommer hat ein anderes Gesicht: kühlende Baumriesen, saftige Almen, übermütige Gamskitze auf den letzten Schneefeldern und träge Steinböcke am Hochschwab-Plateau. Im Herbst kehrt die Farbenpracht des Frühlings zurück, allerdings in anderen Tönen: Nun herrschen Gold-, Gelb- und Brauntöne vor.

Universum
Roseggers Waldheimat - Ein Jahr im Zauberwald

ORF/ORF-Universum/FF

Hochschwab: Steinbock im frühsommerlichen Fellwechsel.

Regisseur Klaus T. Steindl führt in einzigartigen Bildern durch das Jahr der Waldheimat. Er hat eine Rehgeiß übers Jahr beobachtet, die in diesem Zeitraum ihr Kitz bis zur Selbstständigkeit bringen muss. Bricht wieder der Winter an, muss das kleine Reh gelernt haben, eigenständig über die Runden zu kommen; denn wenn die Geiß im kommenden Frühjahr erneut Nachwuchs haben wird, dann ist an ihrer Seite kein Platz mehr für das nun bereits erwachsene „Kleine“. Vieles davon hat auch Peter Rosegger in seinen Büchern beschrieben. Hundert Jahre sind seitdem vergangen, doch der besondere Zauber der Waldheimat hält immer noch an.

Dokumentation, 2014


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Dolomiten - Sagenhaftes Juwel der Alpen

    Die Dokumentation von Kurt Mayer und Judith Doppler führt abseits touristischer Pfade in das Naturparadies der Dolomiten, wo Großraubtiere ihren einstigen Lebensraum zurückfordern.

  • Wilde Heimat - Winter

    Der Winter ist für die Tiere die härteste Zeit im Jahr. Schnee und Eis überziehen Land und Gewässer, die Tage sind kurz und dunkel. Es wird immer schwerer Beute zu machen, oft hängt das Überleben von den Opfern ab, die der Winter fordert.

  • Winterwelten - Weiße Pracht voller Gegensätze

    Die Dokumentation präsentiert die ganze Schönheit und die malerischen Landschaften des deutschen Winters, aber auch die eisige Härte, die besonders die Tiere zu spüren bekommen. Bei Reh, Fuchs und Maus geht es in der weißen Kälte um das Überleben, während wir Menschen den ersten Schnee mit Schlittenfahrten und Schneemannbauen freudig begrüßen.

  • Lionsrock - Die Heimkehr des Königs

    Wenige Autostunden von Johannesburg entfernt liegt auf dem südafrikanischen Hochplateau ein weltweit einzigartiges Refugium. Hierher kommen ehemalige Zirkus- und Zoo-Löwen aus nicht artgerechter Haltung, um frei in ihren Familienverbänden zu leben.