zeit.geschichte

Stalin in Farbe

Die Dokumentation zeichnet den rasanten Aufstieg des georgischen Schustersohnes Josef Dschughaschwili zu einem der mächtigsten Männer der Welt nach. Seltene Archivbilder aus seinem Umfeld, von Experten aufwendig nachkoloriert, geben Einblick in das System Stalin.

zeit.geschichte: Stalin in Farbe

Dokumentation, 2014

Samstag, 14.12.2019, 21.50 Uhr

Wh. Mo 01.20 Uhr

Moskau, 5. März 1953. Josef Stalin ist tot. Fünf Millionen Menschen geben dem Diktator beim Begräbnis am 9. März die letzte Ehre. Eine ehrfürchtige Beerdigung für einen der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte.

Stalin. Ein Revolutionär, der sich als Nachfolger Lenins fühlt und mit dem Ziel antritt, das alte Zarenreich in eine gerechte Gesellschaft zu verwandeln: Das ausgegebene Ziel ist Kommunismus, in dem es weder arm noch reich gibt, in dem jeder ab Geburt gleiche Chancen hat. Mit gigantischen Infrastrukturprojekten entwirft Stalin ein „Paradies der Arbeiter“ und beansprucht gleichzeitig, dass die Sowjetunion wieder auf der Bühne der Weltpolitik mitspielt.

Stalin in Farbe

ORF/ZED

Josef Stalin

Stalin in Farbe

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Josef Stalin

Doch das Volk zahlt einen hohen Preis: Während der Konstruktion des Stalinkanals stirbt fast jeder Zehnte der 300.000 Zwangsarbeiter. Während die Planwirtschaft industrielle Großprojekte forciert, leidet die Bevölkerung unter Nahrungsmittelknappheit und mangelndem Wohnraum. Mit den Gulags errichtet Stalin ein gefürchtetes System sowjetischer Gefangenenlager, in denen Menschen durch harte Arbeit „umerzogen“ werden sollten. Tatsächlich diente es der Einschüchterung und Verdrängung politisch anders Denkender. 18 Millionen Sowjetbürger werden in den Gulags zu Sklaven.

Josef Stalin ist nicht der geborene Führer: Es fehlt ihm an Charisma und Statur, fast durch Glück kommt er an die Macht. Während seiner 30-jährigen Regierungszeit wird er zum eiskalten und blutrünstigen Diktator. Der Mann, der darauf bestand als „Väterchen des Volks“ bezeichnet zu werden, ermordet seine eigenen Landsleute und ist verantwortlich für den Tod von 20 Millionen Menschen. In den Jahren der „Großen Säuberung“ lässt Stalin jeden, der sich ihm in Worten oder Taten widersetzt, umbringen.

Stalin in Farbe

ORF/ZED

Josef Stalin

Die Dokumentation „Stalin in Farbe“ verfolgt den Aufstieg eines Diktators, der das Leben von Millionen Menschen verändert. Die Archivbilder der Zeit hinterfragen den Personenkult und geben eine Antwortmöglichkeit, wie es gelingt, einen kaltblütigen Tyrannen zu einem omnipräsenten Volkshelden zu stilisieren. Packendes koloriertes Archivmaterial und zahlreiche Zeitzeugenberichte von entscheidenden Begleitern und Widersachern Stalins erzählen die Geschichte eines Mannes, der den Traum von einer besseren Gesellschaft in einen Albtraum verwandelte.

Die Autoren des Films schwärmen von der Wirkung des neuen Stilmittels des Kolorierens: „Die Figuren erwachen zum Leben, plötzlich entfalten die Paraden auf dem Roten Platz erneut ihre damalige Kraft.“ Ohne von Experteninterviews unterbrochen zu werden, vertraut der Film der Wirkung des farbigen Bewegtbildmaterials und vermittelt einen emotionalen, authentischen Eindruck der Zeit.

Dokumentation, 2014


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