zeit.geschichte

Stille Nacht in Stalingrad

Die Schlacht um Stalingrad hat sich traumatisch in das Bewusstsein von Deutschen und Russen eingeprägt. Überlebende deutsche und sowjetische Soldaten und Angehörige erzählen in bewegenden Interviews von Not und Verlassenheit.

Samstag, 15.12.2018, 20.15 Uhr Wh. So 23.40 Uhr

24. Dezember 1942: mit einer Ringsendung will der NS-Rundfunk an allen Fronten Weihnachtsstimmung verbreiten und sendet Grüße vom Eismeerhafen bis nach Afrika, von der Atlantikküste bis zur Wolga. „Wir rufen Stalingrad“, tönt es, und zum Erstaunen der Soldaten antwortet eine Stimme: „Hier ist Stalingrad.“

Dabei ist der Heilige Abend für die Soldaten der 6. Armee ein Tag bitterer Trostlosigkeit. Kurz zuvor hatte die Wehrmacht einen letzten vergeblichen Versuch unternommen, die eingekesselte Armee von außen zu befreien. Nun sitzen 350.000 Soldaten in der tödlichen Falle. Für sie ist dieses Weihnachten voller Angst und Hunger in eisiger Kälte, verzweifelter Abwehrkämpfe gegen die Angriffe der Sowjetarmee, die ebenfalls hohe Verluste hat. Auch für die immer noch ausharrenden russischen Zivilisten in Stalingrad sind es Tage der Not und Entbehrung.

Stille Nacht in Stalingrad

ORF/ZDF

In Deutschland bangen tausende Familien um das Schicksal ihrer eingeschlossenen Angehörigen. Der Film zeichnet das Geschehen des 24. Dezember 1942 aus verschiedenen Blickwinkeln nach. Die Dokumentation zeigt, wie das große Sterben in Stalingrad seinen Lauf nahm, während die Menschen in der Heimat sich auf das Weihnachtsfest vorbereiteten. Überlebende deutsche und sowjetische Soldaten sowie Angehörige schildern in bewegenden Interviews, wie das Fest der Liebe im Krieg zum Fest der Sorge und der Trauer wurde. Manche der Eingeschlossenen suchten und fanden Trost im Glauben. Eindrucksvolle Zitate aus Feldpostbriefen zeigen, wie die Soldaten die Verbindung zu ihren Angehörigen gerade an Weihnachten suchten, für viele war es der letzte Gruß. Es sind Botschaften, in denen die jungen Soldaten ihr ganzes Gefühl der Verlassenheit während der Weihnachtstage zum Ausdruck bringen. Wohl kaum ein anderes Kriegsereignis hat sich so traumatisch in das Bewusstsein von Deutschen und Russen eingeprägt wie die Schlacht um Stalingrad.

Stille Nacht in Stalingrad

ORF/ZDF

Stille Nacht in Stalingrad

ORF/ZDF

Film von Saskia Weisheit
Dokumentation, 2012


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Der englische Nazi-König - Edward VIII und Adolf Hitler

    ORF III zeigt die Dokumentation von Clive Maltby über das Geheimnis einer verbotenen Liebe, politischer Intrige und Verrat.

  • Edward und George - Zwei Brüder, eine Krone

    Die Dokumentation zeichnet anhand von Archivmaterial und Interviews die Lebensgeschichte der beiden Brüder nach, die, als Kinder und in der Jugend sehr verbunden, später nie wieder zueinander fanden.

  • George - Der stotternde König

    „The King’s Speech“ hat 2011 bei der Oscar-Verleihung einen Sensationserfolg gefeiert. Die Geschichte des stotternden Königs, der seine Behinderung durch einen ungewöhnlichen Sprachlehrer und die Unterstützung von Queen Elizabeth überwinden kann, folgt ziemlich genau den historischen Gegebenheiten.

  • Jahrzehnte in Rot Weiß Rot - Die 50er Jahre

    Die Dokumentation blickt zurück in das Österreich der 1950er Jahre. Ein kriegsfreies Jahrzehnt, viele Trümmer sind beseitigt, man hat wieder Perspektiven. Die Kinder der Kriegsgeneration versuchen sich mit einer neuen Musik von den Eltern abzugrenzen.