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Die unbekannte Seite des Zweiten Weltkriegs: Die Jagd nach den Tätern | Wer wusste vom Holocaust

Die Dokureihe geht den bedrückenden Fragen auf den Grund: Warum gelang so vielen Nazis nach dem Krieg die Flucht? Und: Wer wusste vom Holocaust?

zeit.geschichte: Die unbekannte Seite des Zweiten Weltkriegs - Die Jagd nach den Tätern

Dokumentation, 2015

zeit.geschichte: Die unbekannte Seite des Zweiten Weltkriegs - Wer wusste vom Holocaust

Dokumentation, 2015

Samstag, 1.12.2018, 21.05 Uhr
Wh. So 10.50 Uhr und Mo 00.15 Uhr

Die Jagd nach den Tätern

Dokumentation, 2015

Sommer 1945, ein kleines Dorf mitten in Deutschland. Der Bauer Friedrich Neumann geht seiner täglichen Arbeit auf dem Feld nach. Doch der Schein trügt. In Wahrheit ist er kein harmloser Bauer. Vielmehr handelt es sich um den SS-Offizier und gesuchten Kriegsverbrecher Ludolf von Alvensleben, der in Osteuropa Erschießungen mit über 5000 Todesopfern befehligt hatte. Er war nach Kriegsende mit falscher Identität in der deutschen Provinz untergetaucht. Nachdem alliierte Ermittler auf den vermeintlich gewöhnlichen Bauern aufmerksam werden, flüchtet Alvensleben, indem er sich als vermeintlich Verletzter in einem Krankenwagen abtransportieren lässt. Alvensleben ist klar, dass seine wahre Identität aufgeflogen ist. Nur durch die Flucht aus Deutschland kann er seiner gerechten Strafe entgehen. Eine Odyssee beginnt, die ihn über die berüchtigten „Rattenlinien“ im Süden Österreichs letztlich bis nach Argentinien führt - weit weg von Gerichten und den Alliierten.

die unbekannte seite des zweiten weltkriegs jagd nach den tätern und holocaust

ORF/ZDF/Vivendi Content/Lets Pix

Ludolf von Alvensleben (1901-1970), ein deutscher NSDAP-Reichstagsabgeordneter, SS-Gruppenführer sowie Generalleutnant der Polizei und Waffen-SS

Die sogenannten „Rattenlinien“ waren die bevorzugte Fluchtroute vieler Nazi-Verbrecher, darunter Massenmörder wie Joseph Mengele, Adolf Eichmann oder Klaus Barbie. Sie verliefen direkt durch Österreichs malerische Bergwelt und über Südtirol zu italienischen Häfen. Von dort aus konnte die Flucht nach Übersee angetreten werden. Unbelehrbare Nazis in Österreich und Italien säumten den Weg und leisteten bereitwillig Fluchthilfe. Sie gewährten den Kriegsverbrechern neue Identitäten - inklusive Pass, ohne den eine Ausreise kaum möglich war. Mittels eines groß aufgezogenen Fluchtnetzwerkes gelang so unzähligen Kriegsverbrechern die Flucht. Im Kern dieses Netzwerkes standen teils hochrangige Bürokraten - und die Katholische Kirche.

Katholische Priester wie der Österreicher Alois Hudal verhalfen Kriegsverbrechern aus dem Dritten Reich, aus Mussolinis Italien und dem faschistischen Ustascha-Regime zur Flucht. Mit Mitteln und im Namen der katholischen Kirche ermöglichte Hudal so auch Franz Stangl die Flucht, dem ehemaligen Leiter der Massenvernichtungsstätten Hartheim, Treblinka und Sobibor. So wurde der Vatikan zur ersten Anlaufstelle für fluchtwillige Nazis, die sich der Strafverfolgung für ihre Verbrechen entziehen wollten.

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Papst Pius XII. Es ist nicht ausgeschlossen, dass NS-Kriegsverbrecher gewissermaßen mit dem Segen des Papstes entkommen konnten – zumal sich das damalige Oberhaupt der katholischen Kirche dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen nie deutlich entgegegestellt hatte.

21.55 Uhr
Wh. So 10.00 Uhr und Mo 01.05 Uhr

Wer wusste vom Holocaust

Dokumentation, 2015

Es war ein Anblick, den er nie vergessen sollte. Als General Dwight D. Eisenhower am 12. April 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald besucht, sieht man dem erfahrenen Soldaten den Schock und den Unglauben an, als er die dortigen Zustände betrachtet. In einem Brief schreibt er „Was ich gesehen habe lässt sich nicht beschreiben“. Berge von Leichen, bis aufs Skelett abgemagerte Häftlinge, Tote überall. Die Spuren der Verbrechen der Nazis waren unvorstellbar – doch bereits Jahre vor der Befreiung gab es Informationen, die das Ausmaß der Shoah zumindest erahnen ließen.

Schon im Jahr 1940 schreibt der polnische Widerstandskämpfer Witold Pilecki erschütternde Berichte über die Vorgänge im KZ Auschwitz. Er hatte sich freiwillig als Häftling ins KZ Auschwitz begeben, um inhaftierte Kameraden des Widerstands zu unterstützen. Als er mit den Grauen von Auschwitz konfrontiert wird, setzt er sich ein neues Ziel: die Weltöffentlichkeit muss von den beispiellosen Vorgängen erfahren.
Pilecki baut ein Netzwerk zur Informationsbeschaffung und geheimen Weitergabe unter den Gefangenen auf. Durch einen hochriskanten Fluchtversuch einiger Mitglieder gelingt es einer Gruppe, Informationen über das grausame Blutbad in Auschwitz nach draußen zu schmuggeln. Pileckis Bericht erreicht auch die Alliierten, darunter Winston Churchill.

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Der polnische Widerstandskämpfer Witold Pilecki (1901-1948) ließ sich absichtlich in Auschwitz internieren. Seine Berichte aus dem KZ sollten die Alliierten aufrütteln. Später kämpfte er offen gegen die Nazis - und wurde schließlich Opfer des stalinistischen Terrors.

Churchill selbst hat auch aus anderen Quellen bereits verstörende Informationen. Britische Geheimdienstdossiers wissen bereits 1941 von Massenerschießungen mit tausenden, meist jüdischen, Opfern zu berichten. Er beschließt, die barbarischen Verbrechen der Nazis öffentlich zu machen. In einer Radioansprache im August 1941 spricht er von einem „geplanten und unbarmherzigen Gemetzel“ unvorstellbaren Ausmaßes. Auf diesem Weg versucht er alle Kräfte im In- und Ausland gegen Hitlerdeutschland zu mobilisieren um so das Morden zu beenden. Doch trotz der vorhandenen Informationen wird es noch Jahre dauern, bis die Konzentrationslager endlich befreit werden und das Massensterben ein Ende hat. Bis zum letzten Tag verfolgen die Nazis weiter ihren perfiden Plan zur Ausrottung der Juden.

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Eduard Schulte (1891-1966) war ein deutscher Industrieller und Gegner des Nationalsozialismus, der im Juli 1942 Informationen über die Ermordung der europäischen Juden in den NS-Vernichtungslagern an England und die Vereinigten Staaten weitergab.

Was passierte wirklich in den Jahren bevor die ersten alliierten Kameras die Eindrücke von damals für die Nachwelt festhielten? Vieles wurde streng geheim gehalten, unzählige Akten vernichtet, sodass Historiker bis heute an den Hintergründen des Holocaust forschen.

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Zwei Verbrennungsöfen im Krematorium (Rekonstruktion).

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Klaus Barbie (1913-1991), ein mehrfach verurteilter deutscher NS-Kriegsverbrecher. Von 1942 bis 1944 war er Gestapo-Chef von Lyon; wegen seiner Grausamkeit war er als „Schlächter von Lyon“ bekannt.


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Der englische Nazi-König - Edward VIII und Adolf Hitler

    ORF III zeigt die Dokumentation von Clive Maltby über das Geheimnis einer verbotenen Liebe, politischer Intrige und Verrat.

  • Edward und George - Zwei Brüder, eine Krone

    Die Dokumentation zeichnet anhand von Archivmaterial und Interviews die Lebensgeschichte der beiden Brüder nach, die, als Kinder und in der Jugend sehr verbunden, später nie wieder zueinander fanden.

  • George - Der stotternde König

    „The King’s Speech“ hat 2011 bei der Oscar-Verleihung einen Sensationserfolg gefeiert. Die Geschichte des stotternden Königs, der seine Behinderung durch einen ungewöhnlichen Sprachlehrer und die Unterstützung von Queen Elizabeth überwinden kann, folgt ziemlich genau den historischen Gegebenheiten.

  • Jahrzehnte in Rot Weiß Rot - Die 50er Jahre

    Die Dokumentation blickt zurück in das Österreich der 1950er Jahre. Ein kriegsfreies Jahrzehnt, viele Trümmer sind beseitigt, man hat wieder Perspektiven. Die Kinder der Kriegsgeneration versuchen sich mit einer neuen Musik von den Eltern abzugrenzen.