zeit.geschichte

Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs - Die Krankenakte Hitler

Die Dokumentation hinterfragt die mentale und körperliche Gesundheit Adolf Hitlers und beleuchtet die Behandlungsmethoden seines Leibarztes Theodor Morell.

Samstag, 1.12.2018, 20.15 Uhr
Wh. So 11.45 Uhr und 23.25 Uhr

Wie krank war Hitler? Diese Frage beschäftigt Mediziner, Psychiater und Historiker seit mehr als 60 Jahren. „Ein Mann, der einen verbrecherischen Krieg vom Zaun gebrochen hat und sechs Millionen Juden ermorden ließ, der muss auf seine Gesundheit hin untersucht werden“, sagt der Medizinhistoriker Prof. Dr. Hans-Joachim Neumann.

Hitlers Medikamentenliste ist lang: 82 verschiedene Präparate nahm er ein - bis zu 8 verschiedene Arzneimittel täglich - und das, obwohl er von sich selbst behauptete: „Ich war nie krank“. Anhand der Krankenakten Hitlers aus Archiven und Privatbesitz - darunter auch aus dem Nachlass seines Leibarztes Theodor Morell (1886-1948) - rekonstruiert der Film, wie es wirklich um die Gesundheit des Diktators stand.

Nach 1945 wurde Hitlers Leibarzt von Kollegen bezichtigt, er habe Hitler „mit Drogen vollgepumpt“ und völlig falsch behandelt. Hitler nahm harmlose Substanzen wie Traubenzucker und Vitamine, aber auch abhängig machende Medikamente wie Morphium und barbiturathaltige Schlafmittel. Pillen, die er einnahm, enthielten Strychnin, ein Nervengift. Ab 1944 gab Morell seinem Patienten jeden Tag nach dem Aufstehen eine „Kraftspritze“. Zeitgenossen vermuteten, dass es sich dabei um das Aufputschmittel Pervitin handelte, ein Metamphetamin, das unter dem Namen „Crystal Meth“ auch heute noch zu den gefährlichsten Drogen überhaupt gehört.

Im August 1941 nahmen Zeitgenossen bei Hitler zum ersten Mal ein Zittern seines linken Arms wahr. Die letzten Aufnahmen des Diktators im März 1945 zeigen ihn als zitterndes Wrack. War es eine Folge des jahrelangen Medikamentenmissbrauchs, wie einige Forscher vermuten?

Der amerikanische Psychiatrieprofessor Nassir Ghaemi kommt in seinem neuen Buch zu dem Ergebnis, dass Hitler manisch-depressiv war. Der Konsum des Aufputschmittels Pervitin habe seine manisch-depressiven Phasen noch verstärkt und katastrophale Auswirkungen auf sein Führungsverhalten gehabt, sagt Ghaemi.

hitlers krankenakte

ORF/ZDF/Anthony R. Miller

Prof. Dr. Nassir Ghaemi, Psychiater

hitlers krankenakte

ZDF/Harald J. Braun

Hitlers Leibarzt Theo Morell zieht für die Behandlung seines Patienten eine Spritze auf. (Nachgestellte Szene)

Film von Friedrich Scherer, Steffi Schöbel und Thomas Staehler

Dokumentation, 2012


Weitere Sendungen dieser Reihe:

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