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Baumeister der Republik: Michael und Marianne Hainisch

Mutter und Sohn Hainisch haben die österreichische Republik maßgeblich geprägt. Marianne Hainisch gilt als eine der ersten und wichtigsten Frauenrechtlerinnen Österreichs, Michael Hainisch trug maßgeblich dazu bei, das fragile Konstrukt der Ersten Republik zusammen zu halten.

zeit.geschichte: Baumeister der Republik - Michael und Marianne Hainisch

Dokumentation, 2018

Samstag, 16.2.2019, 21.55 Uhr
Wh. So 03.05 Uhr und Mo 00.40 Uhr

Selten haben eine Mutter und ein Sohn die österreichische Republik so geprägt wie Michael und Marianne Hainisch.

Michael Hainisch (1858-1940) amtierte als österreichischer Bundespräsident in den Gründungsjahren der Ersten Republik, seine Mutter Marianne Hainisch (1839-1936) gilt als eine der ersten und wichtigsten Frauenrechtlerinnen Österreichs.

Michael Hainischs 8-jährige Amtszeit als Bundespräsident fiel in die bewegte Zeit der Ersten Republik von 1920 bis 1928. Er war weder Christlich Sozialer noch Sozialdemokrat, sondern Anhänger der Großdeutschen. Einer Bewegung, die jedoch weit hinter den beiden Blöcken der 1. Republik, den Christlich Sozialen und Sozialdemokraten hintanstand. Die Republik war zwischen Rot und Schwarz geteilt und Michael Hainisch war das Verbindungsglied zwischen Rot und Schwarz, um das fragile Konstrukt der Ersten Republik zusammen zu halten. Er stammte aus einer Unternehmerfamilie und galt politisch durch sein Wirken als Liberaler. Er war sicherlich eine eigenständige Persönlichkeit, doch der enge Kontakt mit seiner Mutter begleitete ihn sein ganzes Leben und hat ihn wohl persönlich und auch in seinen politischen Anschauungen geprägt.

Baumeister der Republik - Michael und Marianne Hainisch

ORF/ORFIII

Michael Hainisch

Seine Mutter Marianne wuchs zunächst als Unternehmersgattin auf. Doch mit der Zeit begann sich Marianne Hainisch mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft zu beschäftigen. In ihrem Umkreis lernte sie verarmte Frauen aus ihrem bürgerlichen Umfeld kennen, deren Männer aus verschiedenen Gründen verarmt waren. Sie stellte fest, dass Frauen, denen bisher nur die Rolle des „braven bürgerlichen Frauches“ zustand, in einer wirtschaftlichen Krise vor dem Nichts standen. Als erstes Gegenmittel setzte sich Marianne Hainisch im Rahmen des Verbandes Österreichischer Frauenvereine vor allem für die Bildung von Mädchen ein, eine Grundvoraussetzung für Sicherheit im späteren Leben. In ihrem weiteren Kampf für Frauenrechte ging sie weit über die Forderung nach Bildung für Frauen hinaus: Gleichberechtigung in der Ehe, keine Diskriminierung am Arbeitsplatz, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das sind Forderungen, die bis heute aktuell sind.

Marianne Hainisch, war keine Revolutionärin, die etwa die Machtfrage im Staat gestellt hat, aber sie war eine Vorkämpferin für die Würde und Anerkennung der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft.

Baumeister der Republik - Michael und Marianne Hainisch

ORF/ORFIII

Marianne Hainisch

Die Dokumentation portraitiert das ungewöhnliche Mutter-Sohn Gespann sowohl in ihrer persönlichen Charakteristik, als auch in ihrem politischen Wirken. Neben historischen Aufnahmen kommen Historiker, Politologen und Nachfahren der beiden ungewöhnlichen Persönlichkeiten zu Wort.

Baumeister der Republik - Michael und Marianne Hainisch

ORF/ORFIII

Marianne Hainisch

Gestalter: Alfred Schwarz
Dokumentation, 2018


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