Im Brennpunkt

#MeToo: Zwischen Anmache und Machtmissbrauch

Mit dem Skandal um Harvey Weinstein, der von unzähligen Künstlerinnen der sexuellen Nötigung bezichtigt wird, entstand eine Plattform für Frauen, die ähnliches erlebt haben: #MeToo. Im Dokumentarfilm von Hilde Buder-Monath, Andrea Gries und Andrea Schreiber kommen einige von ihnen zu Wort.

#MeToo: Zwischen Anmache und Machtmissbrauch

Dokumentation, 2018

Donnerstag, 18.10.2018, 21.55 Uhr
Wh. Fr 02.20 Uhr

Der Sturm in den sozialen Medien begann vor einem Jahr, als in Hollywood Schauspielerinnen den mächtigen Filmproduzenten Harvey Weinstein der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung bezichtigten. Immer mehr Frauen weltweit brachen ihr Schweigen - #MeToo war geboren. Auch in Deutschland twittern und posten Zehntausende Frauen - und Männer - ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung.

Viele berichten von Übergriffen am Arbeitsplatz, ausgeübt von Kollegen, Chefs, Kunden. Dabei sind Arbeitgeber in Deutschland verpflichtet, ihre Angestellten zu schützen. Doch viele Betroffene wissen das nicht. Manche schweigen aus Angst, dass man ihnen nicht glaubt und weil sie berufliche Nachteile fürchten, wenn sie Kollegen oder gar Vorgesetzte der sexuellen Belästigung bezichtigen. „Es kommt überall da vor, wo es Machtverhältnisse gibt“, sagt Rechtsanwältin Christina Clemm.

Der Unternehmensberater Peter Modler geht noch weiter: bei sexuellen Übergriffen in der Berufswelt gehe es in erster Linie um Macht und nicht um Sex. Der sexuelle Übergriff sei tatsächlich ein Machtübergriff. In der Dokumentation kommen Frauen zu Wort, denen die Debatte um #MeToo Mut gemacht hat, ihr Schweigen zu brechen und die Filmemacher gehen der Frage nach, warum Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nicht besser schützen. Schwierig war es, positive Beispiele zu finden. In der Berliner Charité hat man auf die #MeToo-Debatte reagiert und ein detailliertes Beschwerdemanagement ausgearbeitet. Auszubildende werden in Seminaren geschult, sexuelle Übergriffe zu erkennen und abzuwehren. In der Messebranche zum Beispiel beginnt man gerade erst über bessere Beschwerdemöglichkeiten nachzudenken.

#MeToo, sagen viele, sei erst der Anfang. Jetzt gelte es, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Beschäftigten in Deutschland besser zu schützen. Für Männer, die die #MeToo-Debatte verunsichert, hat Hannah S. Fricke, Inhaberin einer Werbeagentur, einen einfachen Tipp: „Sprich eine Frau nicht anders an, als du von einem Mann angesprochen werden willst.“

Film von Hilde Buder-Monath, Andrea Gries und Andrea Schreiber
Dokumentation, 2018


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