zeit.geschichte

Duell in der Luft - Kampfflieger im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg beschleunigte die Enwicklung der Luftfahrt. Die Dokumentation erzählt vom Wettlauf der Ingenieure um die Lufthoheit - dabei kommen auch originalgetreue Maschinen aus dem Privatbesitz von „Hobbit“-Regisseur Peter Jackson zum Einsatz.

Duell in der Luft - Kampfflieger im Ersten Weltkrieg

Dokumentation, 2012

Samstag, 8.9.2018, 21.00 Uhr
Wh. So 02.40, 11.35 und 23.40 Uhr

Auf einem abgelegenen Flugplatz in Neuseeland macht sich eine kleine Gruppe Ingenieure daran, unsere Sicht auf die Flugzeuge des Ersten Weltkrieges zu revolutionieren. Für dieses fünf Jahre dauernde Projekt steigen Piloten ins Cockpit der altertümlichen Kampfflieger, um sich ein Bild davon zu machen, wie es war, an der Westfront im Einsatz zu sein. Zum ersten Mal sind Kameras dabei, wenn die Kampfflugzeuge in der Werkstatt anhand historischer Baupläne originalgetreu nachgebaut werden. Da keiner der Piloten aus dem Ersten Weltkrieg noch lebt, sind diese Zeichnungen die einzige Verbindung zu den Entwürfen, die die europäische Geschichte maßgeblich beeinflusst haben - und für tausende junge Männer den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachten.

Duell in der Luft - Kampfflieger im Ersten Weltkrieg

ORF/ZDF/Bedlam Productions 2012

Maschinengewehr Front eines FE2.

Zwischen 1914 und 1918 gelingt es einer kleinen Gruppe von Genies wie De Havillands oder Fokker, aus neuartigen Fluggeräten präzise Waffen zu machen und so die moderne Kriegsführung zu erfinden. Dies ist ihre Geschichte: Zu Beginn des Ersten Weltkrieges marschieren die Truppen durch Felder und Städte. Die Kommandanten können kaum weitersehen als bis zum nächsten Hügel oder der nächsten Hecke. Die Kavallerie wird eingesetzt, um den Feind auszuspähen. Doch die modernen Feuerwaffen machen dies zu einem selbstmörderischen Unterfangen. Kaum eine Woche nach Kriegsbeginn, wird die so genannte „überschätzte technische Spinnerei“ – das Flugzeug, ins Gefecht geschickt. Das Flugzeug kann der Artillerie genau den Weg zu einem Ziel weisen. Die Errichtung der Schützengraben bedeutet, dass das Schlachtfeld statisch ist. Eine Blockadesituation. Maschinengewehrnester werden aufgestellt und befestigt, feste Kommunikationswege installiert und Stacheldraht vor den Schützengräben aufgezogen. Es wird immer wichtiger, das Schlachtfeld genau zu vermessen, um jede mögliche, versteckte Gefahr zu kennen. Flugzeuge werden dadurch ein wichtiges Angriffsziel. Es gilt zu verhindern, dass sie Informationen sammeln und weitergeben. Neue technische Lösungen müssen her um sie robuster zu machen – denn anfangs sind sie noch aus Holz und Stoff gebaut.

Doch damit nicht genug. Es gilt, alles an Geschwindigkeit und Wendigkeit aus dem Flugzeug rauszuholen, was möglich ist. Während die Flieger für die Bodentruppen Freiwild sind, sind die Piloten beider Seiten untereinander oft befreundet. Viele kennen sich aus der Vorkriegszeit von Flugschauen. Einige halten sich sogar an den ehrbaren Grundsatz, dass Piloten sich nicht gegenseitig beschießen. Doch dieser Grundsatz hat nicht lange Bestand. Schon bald werden die Flugzeuge zu erklärten Zielen – nicht nur für die Bodentruppen, sondern auch für den fliegenden Gegner. Es ist offensichtlich, dass es nur eine Waffe gibt, die für einen Angriff auf ein Flugzeug in der Luft eingesetzt werden kann. Eine Waffe, die schon viele tausende Infanteristen an der Westfront das Leben gekostet hat: das Maschinengewehr. Diese Waffen von der Luft aus zu kontrollieren, stellt die Ingenieure vor ein neues Problem. Wie können diese schweren und hoch gefährlichen Waffen an einem wenig robusten Flugzeug angebracht werden? Es stellt sich bald heraus, dass die beste Möglichkeit ein Maschinengewehr in der Luft einzusetzen darin besteht, das ganze Flugzeug in eine Waffe zu verwandeln. Aber das würde bedeuten, dass das Maschinengewehr auf dem Flugzeugrumpf befestigt werden muss und die Schüsse durch den Propeller abgefeuert werden. Die Schlüsselfrage für die Ingenieure lautet: Wie kann ein Maschinengewehr auf einem Flugzeug befestigt werden, ohne dass die Geschosse den Propeller treffen?

Duell in der Luft - Kampfflieger im Ersten Weltkrieg

ORF/ZDF/Bedlam Productions 2012

Maschinengewehre

Auf der anderen Seite der Schützengräben suchen auch die Deutschen nach einer Lösung. Unter ihnen ein junger Mann von nur 24 Jahren, dessen Name später ein Synonym für die Fliegerei im Ersten Weltkrieg wird: Anthony Fokker (1890-1939). Die Konstruktionen des ehemaligen Kunstfliegers bescheren der deutschen Luftwaffe im Verlauf des Krieges mehr als 700 Flugzeuge. Dabei hätte es auch anders kommen können. Fokker ist Holländer – und Holland ein neutraler Staat. Vor Kriegsbeginn hatte er seine Dienste der britischen Armee angeboten. Doch die Briten gaben ihm einen Korb. Fokker erfindet einen Unterbrechermechanismus der die Abschussfrequenz mit dem Propeller synchronisiert, sodass die Kugeln zwischen den sich drehenden Rotorblättern hindurchfliegen. Ein Meilenstein in der Geschichte des Luftkriegs. Das erste reine Kampfflugzeug ist geschaffen.

In nur vier Jahren wurden Kampfflieger entwickelt, die die Kriegsführung revolutionierten.

Duell in der Luft - Kampfflieger im Ersten Weltkrieg

ORF/ZDF/Bedlam Productions 2012

Zwei BE2-Flugzeuge

Duell in der Luft - Kampfflieger im Ersten Weltkrieg

ORF/ZDF/Bedlam Productions 2012

Dokumentation, 2012


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Krieg vor der Haustür: Tirol im 1. Weltkrieg | Frontland Kärnten

    Die Dokumentation von Georg Laich gibt anhand von selten gezeigten Aufnahmen und Aufzeichnungen von Zeitzeugen einen Einblick in das Leben an und hinter der Front des sog. „Bergführerkrieges“. Helga Suppan besucht in ihrem Film Kriegsschauplätze in und um Kärnten.

  • Die Schlacht von Verdun

    Die Dokumentation erzählt nahezu durchgehend in Originalbildern von der zehn Monate dauernden Kriegshölle in Verdun und beleuchtet die Motive für die äußerst brutale Menschen- und Materialschlacht.

  • Trauma, Träume und Tragödien - Ein Friedensvertrag und seine Folgen

    „Schandvertrag“, „Siegerdiktat“, „Knebelpapier“: Das waren noch die höflichen Prädikate für die Friedensverträge mit Österreich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. 1919 legten die Siegermächte die staatspolitische und geografische Neuordnung Österreichs fest.

  • Arisierung: Der große Raubzug | Die verlorenen Jahre

    Mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 wurde die jüdische Kultur in Wien ausgelöscht. Bis dahin war sie fixer Bestandteil - Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft waren - besonders in der Zeit der Jahrhundertwende - von den Wiener Juden geprägt.