Land der Berge

Kaiser Franz Joseph und sein Salzkammergut

Die Dokumentation von Miguel Herz-Kestranek zeigt die private Seite des Monarchen.

Mittwoch, 14.082019, 21.05 Uhr
Wh. Do 03.30 Uhr, Sa 03.30 Uhr,
Sa 19.25 Uhr

Nirgendwo konnte er bei all seinem Pflichtbewusstsein als „oberster Beamter“ der Monarchie seine Privatheit so ausleben wie im Salzkammergut. Jahrhundertelang war die Gegend zwischen Hallstatt und Ischl Privatbesitz seiner Vorfahren gewesen; aus rein wirtschaftlichen Gründen, des „weißen Goldes“ wegen, das dem kaiserlichen Kammergut auch den Namen gab.

Mit Kaiser Franz Joseph kam ein neuer, wesentlicher Aspekt hinzu. Seine lebenslange Verbundenheit mit der Region, seine Sommerfrische im geliebten Ischl zogen wie ein Magnet neben großen Teilen des Hofes und des Adels vor allem die kulturelle Elite seiner Epoche zahlreich an: Komponisten, Schriftsteller, Schauspieler. Sie alle fanden im Salzkammergut ihr Refugium, ließen das Land zu einem zumindest im Sommer kulturellen Zentrum der Monarchie erblühen.

Kaiser Franz Joseph und das Salzkammergut

ORF/Florian Maurer

Lutz Maurer und Markus Habsburg-Lothringen, Urenkel von Kaiser Franz Josef und Besitzer der Kaiservilla.

Das Leben des Monarchen war vor allem eng mit Ischl verbunden. Der älteste der drei „Salzprinzen“ feierte dort bereits seinen ersten Geburtstag. Des 18. August gedenkt die Stadt bis heute. In Ischl feierte er seine Verlobung mit der Wittelsbacherin Elisabeth. Für die naturbegeisterte Kaiserin wurde Ischl folglich auch zum Ausgangpunkt für zahllose, von ihr in Gedichten besungene Ausflüge in die Gebirgswelt des Salzkammergutes, die der Kaiser wiederum seiner großen Passion, der Jagd wegen liebte und besuchte.

Kaiser Franz Joseph und das Salzkammergut

ORF/Florian Maurer

Lutz Maurer und Kameramann Manfred Rastl vor dem Arbeitszimmer von Kaiser Franz Josef.

In Ischl erreichten ihn aber auch die Nachrichten von Katastrophen; wie etwa jene von Königgrätz, wo vor 150 Jahren der Untergang seines Reiches eingeleitet wurde. Während seines letzten sommerlichen Aufenthalts 1914 musste Kaiser Franz Joseph schließlich auch jene Kriegserklärung unterzeichnen, die „in Europa die Lichter ausgehen ließ“ und die Welt in das Inferno des Ersten Weltkriegs stürzte.

Ausgehend vom noch zu Lebzeiten Franz Josephs 1906 zu „Bad Ischl“ erhobenen Kurort folgt der Film den Spuren des Kaisers ausgehend vom Fuschlsee, dem Wolfgangsee und dem Mondsee über das Tal der Vöckla, über den Traunsee und das Almtal bis hin zur Dachsteinregion ins Ausseerland.

Die bis heute andauernde Ausstrahlung einer kaiserlichen, vor allem kulturell geprägten Epoche wird in allen Teilen des Salzkammerguts beleuchtet, das ja von Liebhabern gerne als „zehntes österreichisches Bundesland“ bezeichnet wird. Diese Rolle bewahrte sich die Region bis heute, trotz aller politischen Umbrüche des letzten Jahrhunderts. Die wesentlich von Franz Joseph geprägte Faszination einer idealen Berg- Seen- und Seelenlandschaft strahlt über seinen Tod hinaus.

Kaiser Franz Joseph und das Salzkammergut

ORF/Florian Maurer

Moderator Miguel Herz-Kestranek, der im berühmten ORF-Film „Radetzkymarsch“ nach dem Roman von Joseph Roth (Regie: Axel Corti und Gernot Roll) 1995 den jungen Kaiser Franz Josef gespielt hatte, im Gespräch mit dem heurigen Ischler Kaiser Franz Josef-Darsteller Gerard Fritz.

Kaiser Franz Joseph und das Salzkammergut

ORF/Florian Maurer

Miguel Herz-Kestranek.

Dokumentation, 2016


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Unsere Almen

    Ins Hochgebirge führt die Dokumentation von Stefan Pichl, wo er besonders beeindruckende Almbetriebe in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten und der Steiermark vorstellt.

  • Nockberge - Land zwischen Himmel und Erde

    Die Nockberge stellen im Alpenraum aufgrund ihrer sanften Formensprache und ihrer geologischen Vielfalt eine Seltenheit dar. Wilde Natur und uralte Bergbauernkultur prägen den Charakter des Nationalparks, der mitten in Österreich eine geradezu exotische Landschaft bildet.

  • Edmund Hillary und sein Everest

    Kein Bild dokumentiert wohl besser den Wahnsinn des Höhenbergsteigens als ein am 22. Mai dieses Jahres am Südgipfel des Everest geschossenes Foto: über 200 Bergsteiger aus aller Welt warteten dort stundenlang, um den Hauptgipfel des höchsten Berges der Welt zu erreichen.

  • Der Mann für Rekorde: Alpinist Peter Habeler

    ORF III zeigt das facettenreiche Portrait des Zillertaler Alpinisten Peter Habeler, der als erster den Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff bestieg.