Erbe Österreich

Herrensitze - Präsidentenvilla und Jagdhäuser

Von der breiten Öffentlichkeit wenig beachtet verfügt der österreichische Bundespräsident im steirischen Mürzsteg über ein Jagdhaus, das als entspannter Rahmen für diplomatische Empfänge abseits der Hauptstadt dient. Karl Hohenlohe erzählt die Geschichte des Hauses und erklärt seine heutige Verwendung.

Herrensitze - Präsidentenvilla und Jagdhäuser

Doku-Reihe, 2018

Dienstag, 5.2.2019, 21.05 Uhr
Wh. 23.35 Uhr, Mi 02.35 Uhr und
05.45 Uhr, Do 00.30 Uhr

In der Monarchie wurden nahe der wildreichen Jagdreviere Herrensitze errichtet, die dem Kaiserhaus, dem Adel und auch kirchlichen Würdenträgern als Jagdschlösser dienten. In der Gemeinde Neuberg an der Mürz im Nordwesten der Steiermark befindet sich ein Jagdschloss, das nach 1945 große Bedeutung für den wiedererstehenden Staat Österreich erlange: das ehem. kaiserliche Jagdschloss in Mürzsteg. Seit 1947 dienst es dem österreichischen Bundespräsidenten als Rückzugsort.

Bundespräsident Rudolf Kirchschläger urlaubte in Mürzsteg und lud Staatsgäste zu privaten Gesprächen ein, zum Beispiel 1980 König Hussein von Jordanien. Auch Bundespräsident Kurt Waldheim verbrachte viel Zeit hier.

Bundespräsident Thomas Klestil nutzte das Jagdschloss in Mürzsteg für offizielle Empfänge und um mit Staatsoberhäuptern anderer Länder heikle Themen in Ruhe zu erörtern. So zum Beispiel im Mai 1994 als unter seiner Vermittlung in Mürzsteg Friedensgespräche für den vom Bürgerkrieg gebeutelten Südsudan geführt wurden. Sein Nachfolger Bundespräsident Heinz Fischer nahm an örtlichen Veranstaltungen teil und empfing mit dem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon auch einen der bedeutendsten internationalen Spitzenpolitiker in Mürzsteg. Im Februar 2017 übergab Fischer den Schlüssel der Villa an Bundespräsident Alexander van der Bellen, der gemeinsam mit seiner Frau von den Vertretern der Gemeinde Neuberg an der Mürz festlich empfangen wurde.

Herrensitze 
Präsidentenvilla und Jagdhäuser (4/6)

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Karl Hohenlohe vor der sich noch heute im Besitz der Republik befindlichen Villa Mürzsteg, die dem österreichischen Präsidenten zur Verfügung steht.

Der junge Kaiser Franz Joseph ging 1852 erstmals im Jagdgebiet Neuberg-Mürzsteg auf Auerhahnjagd. Kaiserin Elisabeth unternahm von hier aus ausgedehnte Reitausflüge, u.a. zum so genannten toten Weib.

Am 1. Dezember 1879 wurde Neuberg an der Mürz mit einer Bahnlinie nach Mürzzuschlag an die Südbahn angeschlossen. Am Bahnhof von Neuberg an der Mürz das älteste erhaltene Filmdokument der Steiermark gedreht: die Ankunft des Kaisers. Häufige Jagdgäste des Kaisers waren Erzherzog Franz Salvator von Österreich-Toskana und Prinz Leopold von Bayern. Auch der deutsche Kaiser und der russische Zar besuchten Franz Joseph in Mürzsteg.

Jagdschloss Eckartsau

Erstmals urkundlich erwähnt wird Eckartsau 1180. Damals ist das Schloss noch eine mittelalterliche Wasserburg mit einer hölzernen Zugbrücke und befindet sich im Besitz der Herren von Eckartsau.

Einen Monat nach Kaiser Karls I. letztem Aufenthalt in Mürzsteg endet der erste Weltkrieg mit der Niederlage Österreichs. Am 11. November 1918 verzichtet er unter Zwang auf die Regierungsgeschäfte in der österreichischen Reichshälfte, womit er jedoch nicht als österreichischer Kaiser abdankt. Noch am selben Tag verlässt er mit seiner Familie Wien und übersiedelt in das rund 40 Kilometer östlich der Hauptstadt gelegene kaiserliche Jagdschloss in Eckartsau.

Nach den ersten Parlamentswahlen bildet sich in Wien 1919 eine Koalition aus Sozialdemokraten und Christlichsozialen. Gemeinsam stellen sie den Kaiser vor die Wahl: entweder er dankt ab und bleibt als einfacher Bürger im Land, oder er muss sofort das Land verlassen. Entscheidet er sich für keine der beiden Möglichkeiten, droht man ihm offen mit seiner Absetzung und Internierung. Kaiser Karl ist nicht bereit dazu, auf den Thron zu verzichten und verlässt – ohne abzudanken – am 23. März 1919 mit seiner Familie Eckartsau.

Das Schloss Eckartsau wird nach der Abreise Karl I. mitsamt des kaiserlichen Jagdgebietes Teil des Kriegsgeschädigtenfonds und ab 1938 während der Zeit des Nationalsozialismus Reichsjagd- und Reichsnaturschutzgebiet. Nach der Befreiung Österreichs nutzt die russische Armee Eckartsau als Sitz ihrer Kommandantur. 1955 geht das Schloss in das Eigentum der Österreichischen Bundesforste über, die bereits die ehemaligen kaiserlichen Jagdgründe in ihrer Verantwortung haben. Heute ist Eckartsau ein Museum.

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Schloss Eckhartsau im Marchfeld, Jagdschloss und letzter Wohnort Kaiser Karl I.

Jagdschloss Hohenbrunn

Das Jagdschloss Hohenbrunn ist der einzige urkundlich nachgewiesene Schlossbau Jakob Prandtauers, der mit der Errichtung des Stiftes Melk als einer der größten Barockbaumeister in die Geschichte einging. Das Schloss wird in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Auftrag des damaligen Probstes Johann Baptist Födermayr von St. Florian als eine barocke Idealisierung des in der Region zwischen Traun und Enns typischen Vierkanthofs erbaut.

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Schloss Hohenbrunn, errichtet durch den berühmten Barockbaumeister und Architekten des Stift Melk Jakob Prandtauer.

Doku-Reihe, 2018


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