Themenmontag

Trinkfest

Die Dokumentation von Ed Moschitz und Edith Stohl wirft einen nüchternen Blick auf das Trinkverhalten in Österreich, wo Alkohol die Volksdroge Nummer eins ist.

Montag, 4.6.2018, 21.05 Uhr
Wh. Di. 00.25 Uhr

Der Film führt durch die Kulturgeschichte des Alkohols. Er untersucht Zusammenhänge zwischen Wirtschaftskrise und steigendem Alkoholkonsum, und thematisiert die Frage: Welche Berufsgruppen sind besonders gefährdet?

„Es wird a Wein sein“, „Ich hab einmal ein Räuscherl ghabt“, „Die Reblaus“ - ob in Heurigenliedern, Gedichten oder Operetten, seine Exzellenz der Wein und andere „Promillitäten“ werden als Stimmungsmacher gefeiert. Johann Strauß komponierte den „Wein, Weib und Gesang“-Walzer.

Trinkfest

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Weinköniginnen auf Imagetour, beim Weinfest, in Retz: „Der Wein kann nichts dafür“.

Alkohol und Gemütlichkeit als musikalisch und literarisch verklärte Symbiose gelten in Österreich als ein Stück Kulturgut. Österreich ist ein Weinkulturland, und die Österreicher sind trinkfest. Die Verkaufszahlen belegen, dass hierzulande weit mehr Alkohol getrunken wird als in anderen Ländern. In der OECD-Statistik liegt Österreich hinter Frankreich und Portugal auf dem dritten Platz. Ob als „Muntermacher“ bei Feiern und Partys oder als vermeintliches Antidepressivum: Alkohol ist die Volksdroge Nummer eins. Volle Entzugskliniken und hohe Behandlungskosten machen das ebenso deutlich wie zerrüttete oder zerstörte Familien und Kündigungen wegen zu viel Alkohol am Arbeitsplatz.

Der Kabarettist Josef Burger hat seine Trinkerkarriere als Polizist begonnen. „Zu jung ist er damals gewesen, als man ihn am Wiener Karlsplatz zum Dienst zugeteilt hat“, meint Claudia Burger, seine Frau, die nach den Ursachen forscht: „Alle paar Tage einen Drogentoten, das haben auch seine erfahrenen Kollegen nicht so leicht weggesteckt. Mit der Zeit sind es immer mehr Gläser geworden, irgendwann waren es dann viel zu viele.“ Heute ist Herr Burger „trocken“. Mit seinem Kabarettprogramm „Rauschfrei“ gewährt er Einblick in seine schwierigste Lebensphase.

Rudolf Stifter kann sich an ganze 20 Jahre seines Lebens nicht mehr erinnern. So viele Gedächtnislücken hat der Alkohol bei ihm hinterlassen.

Auch Frauen greifen immer öfter zum Glas. War früher nur jeder vierte Alkoholkranke eine Frau, sind es heute bereits 30 Prozent. „Zwei Liter Schnaps am Tag hab ich schon getrunken“, erzählt die ehemalige Miss Austria, Frau Fröwis, nach jahrelanger Abhängigkeit - trotz eines „Traumlebens“, das sie damals angeblich geführt hat. Das sind die Schattenseiten, über die im traditionellen Wein- und Bierland nicht gern gesprochen wird. Tanja I., Weinkönigin aus dem Retzer Land, hingegen spricht den Alkohol von jeglicher Schuld frei. „Das Unglück verursacht allein der Mensch, der ihn trinkt“, meint sie.

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Willi Resetarits, Musiker. „I hab mein Fassl längst ausgetrunken“.

Getrunken wird auch unter Prominenten. Willi Resetarits hat jahrelang pausiert und zieht heute nüchtern Bilanz: „Das Fass, das der Herrgott für mich bereitgestellt hat, hab ich schon ausgetrunken.“ 55 Jahre hinter der Schank, das hat der Branntweiner Franz Sveceny nur deswegen durchgehalten, weil er sich konsequent an eine Regel hält: „Trink niemals Alkohol, wenn es dir schlecht geht, sonst ergeht es dir am nächsten Tag noch schlechter.“

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Franz Sveceny, seit 55 Jahren Branntweiner, in Wien Flordisdorf.

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Der ehemalige Polizist Josef Burger und Frau Claudia: „Mein Mann hat viel zu viel getrunken“.

Dokumentation, 2013


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Giftiges Leder: Made in Bangladesh

    Die Dokumentation von Elise Darblay und Eric de Lavarene beleuchtet die Arbeitsbedingungen und Methoden bei der Herstellung von Leder in Bangladesh.

  • Gift auf unserer Haut

    Die Dokumentation von Manfred Karremann beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Leder auf unsere Gesundheit und Umwelt, und seine Herkunft. Dafür recherchiert Karremann in Deutschland und Italien bis nach Bangladesch und Nordchina.

  • Todschick - Die Schattenseite der Mode

    Die Dokumentation von Ingrid Altemeier und Reinhard Hornung beleuchtet die widrigen Produktionsbedingungen der Textilindustrie.

  • Giftiger Haushalt - Die schmutzigen Seiten der Saubermacher

    Sauberkeit im Haushalt hat ihren Preis: teils aggressive Putzmittel reizen unsere Haut und belasten die Umwelt. Der ORF-III-Themenmontag testet Wasch- und Putzmittel sowie Seifen auf ihre Verträglichkeit und Wirksamkeit.