zeit.geschichte

Führerkult und Größenwahn - Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

In den 1920er Jahren war Nürnberg die antisemitischste Stadt in Europa. Schon im Mittelalter galt sie als Symbol der Größe des deutschen Kaiserreichs. Das nutzten die Nationalsozialisten für ihre Propaganda und setzten sich in der geschichtsträchtigen Stadt in Szene.

zeit.geschichte: Führerkult und Größenwahn - Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Dokumentation, 2011

Samstag, 6.7.2019, 22.50 Uhr
Wh. So 10.30 Uhr, Mo 00.40 Uhr

Auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg erinnert die Ruine von Hitlers Tribüne an die bombastischen Aufmärsche, die hier während der nationalsozialistischen Reichsparteitage inszeniert wurden. Es ist eines der wenigen Relikte der Ära von Hitlers Lieblingsarchitekt Albert Speer (1905-1981).

Führerkult und Größenwahn 
Das Reichsparteitagseglände in Nürnberg

ORF/Spiegel TV

Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

65 Jahre nach dem Ende des „Tausendjährigen Reichs“ sind Teile der Anlage baufällig. Wind und Wetter, Rockkonzerte und Autorennen haben vor allem die Hitler-Tribüne auf dem Zeppelinfeld in Mitleidenschaft gezogen. Weil herabfallende Steine Touristen gefährden, wurden dort inzwischen Absperrungen errichtet. 70 Millionen Euro würde die Instandsetzung kosten. Soll den nachfolgenden Generationen das „braune Erbe“ so viel wert sein, fragen sich viele? Dagegen fordern namhafte Experten ausdrücklich den Erhalt des Geländes als Mahnmal für die Verbrechen in deutschem Namen.

Es gibt Indizien dafür, dass Hitler sich bereits 1929 entschieden hat, Nürnberg zur „Stadt der Reichsparteitage“ zu machen. Es war in den Zwanziger Jahren die antisemitischste Stadt in Europa. Hinzu kam, dass Nürnberg als Symbol der Größe des deutschen Kaiserreichs im Mittelalter galt, und es war traditioneller Austragungsort für politische Versammlungen. All das versuchten die Nationalsozialisten propagandagerecht für sich zu vereinnahmen als sie an der Macht waren.

Im Laufe eines Parteitages von acht Tagen kamen zwischen einer Millionen und anderthalb Millionen Menschen nach Nürnberg. Die Reichsparteitage waren für die Nazis unverzichtbar, weil sie einmal im Jahr der Ort der Selbstinszenierung des Regimes gewesen sind - mit einem gigantischen Propagandaapparat, mit Broschüren und Büchern, Radioaufnahmen und Filmen. Höhepunkt war der Propagandafilm „Triumph des Willens“ der Regisseurin Leni Riefenstahl (1902-2003).

SPIEGEL-TV-Autor Michael Kloft hat seltene Filmaufnahmen und eindrucksvolle Fotos von den Bauarbeiten und den Parteitagen gesichtet. Ein wenig bekannter Amateurfilm zeigt das Gelände 1936 sogar in Farbe. Ein Zeitzeuge berichtet über die Atmosphäre während der Parteitage. Propagandaaufnahmen dokumentieren den beispiellosen Führerkult. In der Asservatenkammer des Dokumentationszentrums fanden sich „Führernippes“ und skurrile Pläne für die Gartengestaltung.

Führerkult und Größenwahn 
Das Reichsparteitagseglände in Nürnberg

ORF/Spiegel TV

Aufnahmen von der Tribüne am Parteitagsgelände in Nürnberg

Führerkult und Größenwahn 
Das Reichsparteitagseglände in Nürnberg

ORF/Spiegel TV

Aufnahmen von der Tribüne am Parteitagsgelände in Nürnberg

Dokumentation, 2011


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