zeit.geschichte

Hitler und die Kinder vom Obersalzberg

In der Dokumentation von Robert Altenburger berichten Zeitzeugen über ihre Erlebnisse als Kinder und Jugendliche im sogenannten „Führersperrgebiet“. Ihre Berichte machen die Parallelität von Idylle und Schrecken deutlich. Die Schilderungen der Zeitzeugen, seltene Fotografien und Filmaufnahmen werden an der Zeitachse der Geschehnisse zwischen 1933 und 1945 gespiegelt.

zeit.geschichte: Hitler und die Kinder vom Obersalzberg

Dokumentation, 2017

Samstag, 6.7.2019 21.05 Uhr
Wh. So 09.35 Uhr, Mo 01.35 Uhr

Sie waren damals noch Kinder oder Jugendliche, lebten mit Ihren Familien in der Stadt Salzburg oder am Obersalzberg, gleich über der Grenze, nahe dem bayerischen Berchtesgaden. Dort, wo Hitlers Sommerresidenz lag, der Berghof. „Ich war ein glückliches, privilegiertes Kind“, erzählt Marga Benkert. Das hatte mit ihrem Vater zu tun, zuständig für den Straßenbau am Obersalzberg. „Es war ein gewisser Stolz, dabei zu sein, denn als Kind war man leicht zu begeistern“, sagt der Salzburger Herbert Holzer. Er gehörte zu einem „Fanfarenzug“, der zu Hitlers Geburtstag am Berghof aufspielte.

Heute, Jahrzehnte später berichten diese Zeitzeugen über die sorgenfreien Jahre am Obersalzberg, über die Besuche und Erlebnisse am Berghof. Über jenen Mann, für den Eltern oder Verwandte arbeiteten, der „lieb und freundlich war“ und gleichzeitig jüdische Kinder ebenso massenhaft ermorden ließ wie behinderte Jugendliche. Nach dem 2. Weltkrieg, nach bekannt werden der NS-Verbrechen, wurde den „Kindern von Obersalzberg“ die Parallelität von Idylle und Schrecken recht bald deutlich. Diese Parallelität steht im Mittelpunkt von Robert Altenburgers Dokumentation. So wurden am Berghof Beschlüsse zu einigen der größten NS-Verbrechen gefasst. Etwa Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen zu ermorden, der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und auch der Beschluss, alle jüdischen Ghettos zu liquidieren, entschieden von SS-Führer Heinrich Himmler und Adolf Hitler am 19. Juni 1943.

In der Dokumentation von Robert Altenburger berichten Zeitzeugen über ihre Erlebnisse im  "Führersperrgebiet".

ORF/Degn Film/ullstein bild/Walter Frentz

Zeitzeugin Emma Ponn auf Bank vor ihrem Haus.

Die Dokumentation zeigt auch die bislang wenig bekannten Dimensionen des Berghofs und seiner Umgebung. Zwischen 1933 und 1945 leben und arbeiten bis zu 20.000 Menschen auf dem Obersalzberg. Hinzu kommen noch hunderte Zwangsarbeiter aus Italien und Tschechien, die an der Errichtung der Gebäude und der riesigen unterirdischen Bunkeranlagen beteiligt sind. Etwa Zdenek Hulka aus der tschechischen Stadt Cheb, in den Jahren 1943 bis 1944 zur Zwangsarbeit für den Bunkerbau eingeteilt. Er berichtet von den lebensbedrohlichen Arbeitsbedingungen. Fast täglich gab es Tote und Verletzte.

Zur Parallelität von Idylle und Schrecken gehört auch die in Wochenschaufilmen, aber vor allem via Fotos reproduzierte Inszenierung des volksnahen und vermeintlich kinderliebenden „Führers“. Mit propagandistischer Perfektion bedient sich Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann der Motive der heilen Bergwelt, um Hitler mit Erwachsenen und Kindern in dieser Kulisse zu inszenieren. Über 4,3 Milliarden Fotos dieser Art gelangen so in Umlauf. Um gezielt Kinder und Jugendliche anzusprechen, können diese Bilder in eigens dafür gedruckte Sammelalben eingeklebt werden.

In der Dokumentation von Robert Altenburger berichten Zeitzeugen über ihre Erlebnisse im  "Führersperrgebiet".

ORF/Degn Film/ullstein bild/Walter Frentz

Zeitzeuge Rupert Zückert Kinderfoto.

Die Dokumentation stellt auch die Frage, wie mit dem NS-Erbe umgegangen wurde. Hitlers Berghof wird zwar 1952 gesprengt, doch bis heute sind Ruinen und erhaltene Gebäude wie die „Kleine Reichskanzlei“ in Berchtesgaden oder das „Kehlsteinhaus“ Anziehungspunkt für Touristen und Ewiggestrige.

In der Dokumentation von Robert Altenburger berichten Zeitzeugen über ihre Erlebnisse im  "Führersperrgebiet".

ORF/Degn Film/ullstein bild/Walter Frentz

Kleine Reichskanzlei - Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden - Kameramann Emanuel Förster.

In der Dokumentation von Robert Altenburger berichten Zeitzeugen über ihre Erlebnisse im  "Führersperrgebiet".

ORF/Degn Film/ullstein bild/Walter Frentz

Bahnhof Berchtesgaden mit Kameramann Emanuel Förster.

In der Dokumentation von Robert Altenburger berichten Zeitzeugen über ihre Erlebnisse im  "Führersperrgebiet".

ORF/Degn Film/ullstein bild/Walter Frentz

Im Bild (v.l.n.r.): Martin Bormann, Luftwaffenadjutant Nicolaus von Below, Heinrich Himmler (Reichsführer SS), Adolf Hitler bei einem Spaziergang in der Nähe des Teehauses am Obersalzberg bei Berchtesgaden im Frühjahr 1943.

Dokumentation, 2017


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