Themenmontag

Sansibar: Archipel der weißen Segel

Der Name Sansibar ruft bis heute die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer hervor. Die Inseln des Sansibar-Archipels, mittlerweile zu Tansania gehörend, sind seit dem Altertum ein Ort der Verheißung.

Montag, 13.8.2018, 22.40 Uhr
Wh. Di 01.40 und 04.45 Uhr

Für viele Menschen ist Sansibar immer noch der Inbegriff arabisch-afrikanischer Exotik. Doch zwischen dem sehnsuchtsvollen europäischen Mythos und der sansibarischen Lebensrealität klafft eine große Lücke.

Der Sansibar-Archipel ist eine Gruppe von drei größeren und mehreren kleineren Inseln vor der Küste Tansanias: benannt ist er nach der größten und bekanntesten Insel Sansibar, die heute offiziell Unguja heißt.

Sansibar: Archipel der weißen Segel

ORF/SR/Christian Fuchs

Hafenfront von Sansibar Stadt auf der Hauptinsel Unguja.

Archipel mit bewegter Geschichte

Tatsächlich war Sansibar keine echte deutsche Kolonie, sondern wurde als freies Sultanat Ende des 19. Jahrhunderts dem englischen Kolonialreich als Protektorat einverleibt. 1964 wurde die sozialistische Volksrepublik Sansibar und Pemba ausgerufen, nachdem sich die schwarze Mehrheitsbevölkerung gegen die arabisch-stämmige Oberschicht aufgelehnt hatte. 1964 schloss sich Sansibar dann mit dem unabhängigen Tanganjika zu dem neuen Staat Tansania zusammen.

Täglich verkehren mehrere Fähren und moderne Schnellboote zwischen Dar es Salam auf dem Festland und Sansibar Stadt. Daneben kommt den traditionellen Dhau-Fähren bis heute eine wesentliche Rolle beim Warentransport und dem Personenverkehr zwischen den einzelnen Inseln des Archipels zu. Unter dem Begriff Dhau versammelt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Segelschiffe aus Holz in zahlreichen Größen, deren gemeinsames Merkmal ein flaches, schräg aus dem Kiel hervorgehendes Vorderteil ist. Ein Bootstyp, wie er vor allem im indischen Ozean seit vielen hundert Jahren mehr oder weniger unverändert gebaut wird.

Sansibar: Archipel der weißen Segel

ORF/SR/Christian Fuchs

Der Warentransport im Sansibar-Archipel ist ohne die traditionellen Dhau-Fähren nicht vorstellbar.

Mythos und Wirklichkeit

Wie auf dem Festland von Tansania herrscht auch auf der Insel ein Demokratiedefizit. 1995 hatte die Europäische Union für Sansibar die Entwicklungshilfe gesperrt, weil die Inselregierung, geführt von der CCM, ständig bei den Wahlen manipulierte. Die sozialistische Regierung unterdrückt auch heute noch die Opposition, vor allem die auf Sansibar besonders starke Civic United Front (CUF). Immer wieder kommt es deswegen zu blutigen Unruhen, bei denen 2001 zahlreiche Menschen getötet wurden. Hinzu kommt: über die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, etwa zwölf Prozent der Kinder sind unterernährt.

Der Film von Peter Weinert schildert das Leben und den Alltag im Sansibar-Archipel. Er zeigt, wie die eleganten Boote mit Hilfe einfachster Werkzeuge entstehen und wie sie von den Menschen genutzt werden. Er führt dabei in eine Welt, in der längst die Moderne Einzug gehalten hat, wo aber die jahrhundertalte Bauweise der Fähren noch heute unverzichtbar für den funktionierenden Warenaustausch und den Transport der Inselbewohner ist.

Sansibar: Archipel der weißen Segel

ORF/SR/Christian Fuchs

Landschaft auf Pemba, der zweitgrößten Insel Sansibars.

Sansibar: Archipel der weißen Segel

ORF/SR/Christian Fuchs

Strand auf Sansibar.

Sansibar: Archipel der weißen Segel

ORF/SR/Christian Fuchs

Abendstimmung über dem Dhau-Hafen.

Dokumentation, 2017


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