zeit.geschichte

Das Dritte Lager

Die politische Situation in Österreich ist nur vor dem Hintergrund der Geschichte des sog. Dritten Lagers zu verstehen. Der Film von Gerhard Jelinek und Walter Seledec beschreibt die geschichtlichen Wurzeln des dritten Lagers in Österreich.

Samstag, 11.1.2020, 22.45 Uhr

Wh. Do 09.00 Uhr

Das Dritte Lager bezeichnet in Österreich die politischen Bewegungen der deutschnationalen und nationalliberalen Wählerschaft. Die Wurzeln des Dritten Lagers reichen in die Zeit der k.u.k.-Donaumonarchie zurück, wo alle Bewegungen, von deutschvölkischen bis zu deutschfreisinnigen, die Vereinigung aller deutschsprachigen Gebiete in einem Großdeutschen Reiche forderten. Das kaiserliche Österreich, in dem die Deutschen zwar die politische und kulturelle Führung innehatten, aber nicht die absolute Mehrheit der Bevölkerung stellten, sahen die Deutschnationalen als Bedrohung des Deutschtums an.

1882 hatten Karl Lueger, Viktor Adler und Georg Ritter von Schönerer im Cafe Griensteidl das „Linzer Programm“ verfasst, das als Alldeutsches Manifest die ideologische Basis der Deutschnationalen in Österreich wurde. Die drei Männer symbolisieren die unterschiedlichen politischen Richtungen, die Österreich seit mehr als einem Jahrhundert prägen: Christlichsoziale, Sozialdemokraten und Deutschnationale.

Grundlage des dritten Lagers ist eine Richtung politischen Denkens, die davon ausgeht, dass Österreich nach dem Verlust der nicht-deutschsprachigen Gebiete nach dem Ersten Weltkrieg keine Existenzberechtigung als eigener Staat gegenüber dem Deutschen Reich hätte. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden bei der ersten Nationalratswahl 1945 rund 700.000 ehemalige österreichische NSDAP-Mitglieder und anders belastete ausgeschlossen. Als diese zur nächsten Wahl 1949 wieder zugelassen wurden, wurde der „Verband der Unabhängigen“ (VdU) gegründet, der bei der Wahl sehr erfolgreich war. Der Begriff „Drittes Lager“ wurde von da an für die Gruppe der deutschnationalen und nationalliberalen Wähler verwendet, analog zu den Lagern der konservativen ÖVP und der sozialistischen SPÖ.

Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages 1955 erfolgte dann die Gründung der Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) als Nachfolgeorganisation des VdU.

Das Dritte Lager - Geschichte der deutschnationalen Wurzeln

ORF/Öst. Nationalbibliothek

(v.l.n.r.): Georg von Schönerer, Viktor Adler, Karl Lueger

Zu Wort kommen im Film Zeitzeugen, etwa der Gründer des VdU Herbert Kraus, der frühere ORF-Generalintendant Gerd Bacher, oder Fritz Molden. Historiker wie Oliver Rathkolb, Lothar Höbelt, Brigitte Hamann und Ernst Hanisch, Politiker von Erwin Hinrschall über Alexander Götz bis zu Tassilo Broesigke. Jörg Haider spricht in seiner Heimat Bad Goisern über die Traditionen und Wurzeln seiner Partei und seiner Familie. Dreharbeiten bei nationalkonservativen Burschenschaften und Vereinen beleuchten ein wichtiges ideologisches Vorfeld des Dritten Lagers in Österreich. An Originalschauplätzen der Geschichte wird ein Fenster in eine Vergangenheit geöffnet, die Gegenwart und Zukunft Österreichs bestimmt.

Dokumentation, 2000/2016


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Gefährliche Himmel - Der Bombenkrieg über Österreich

    Die Dokumentation von Helene Maimann erzählt anhand von Zeitzeugenberichten der Zivilbevölkerung und ehemaliger Bomberpiloten von den Luftangriffen, die ab dem 12. September 1944 Wien ereilten.

  • Die Luftschlacht um England

    Hitler wollte mittels Luftangriffen die Kapitulation Großbritanniens erzwingen und durch die Vernichtung der Royal Air Force die Herrschaft über den britischen Luftraum erringen. Doch Hermann Göring hatte die britische Flugabwehr und Flugzeugproduktion völlig falsch eingeschätzt.

  • Dresden in Flammen

    Februar 1945: trotz der völlig aussichtslosen Lage weigern sich die Nationalsozialisten aufzugeben. Die Alliierten hoffen, durch gewaltige Bombenangriffe die Deutschen zu demoralisieren und so die Kapitulation herbeiführen zu können. Der wohl verheerendste Angriff trifft Dresden.

  • Mauthausen vor der Tür: Zwangsarbeit für Rüstung und Industrie | Das Schicksal der Frauen

    In rd. 40 Außenlagern des KZ Mauthausen wurden die Häftlinge unter schrecklichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Dem Schicksal der weiblichen Opfer schenkte man u.a. aufgrund von Vorurteilen kaum Aufmerksamkeit. Erst in der jüngeren Vergangenheit begann man mit der Aufarbeitung.